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Johann Georg Förster.
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zu denken, und vermittelst klarer Begriffe dieobjektive Welt in sich selbst zu concentriren)auf eine sehr vollständige Art erreicht. Benei-denswerlh ist das Schicksal eines Mannes,dessen Unternehmungsgeist vielen Tausenden zur 5Quelle des Wohlstandes und des häuslichenGlückes wird: desto beneidenswerthcr, weil erdiese wohlthätigen Zwecke ohne die mindeste Be-einträchtigung ihrer Freiheit erreicht, und gleich-sam unsichtbarer Weise die Triebfeder von Wir- 10kungen ist, die jeder seiner eignen Willkührzuschreibt. Der Staat ist glücklich, wenn ersolche Bürger in sich faßt, deren große Unter-nehmungen nicht nur mit der höheren Ausbil-dung der Gemüthskräfte seiner geringeren Mit- 15bürger bestehen können, sondern vielmehr durchdieselbe neue Släligkeit erhalten. Wo die äu-ßerste Armuth den Handarbeiter drückt, wo ermit aller Anstrengung, deren er fähig ist, niemehr als nothdürslige Befriedigung der unent-'ckO
behrlichsten Lebensbedürfnisse erwerben kann; daist Unwissenheit sein Loos mitten in einemLande, wo die Wissenschaft die Hähern Volks-klassen mit ihrem hellsten Strahl erleuchtet; daalso verfehlt er die edelste Bestimmung seinesWesens , selbst indem er als Werkzeug die Mit-tel zum Verkehr der Nationen befördert. Ganzanders aber verhält es sich, wo Geschicklichkeirund Fleiß, ihres Lohnes sicher, dem, der sie be-sitzt und anwendet, einen gewissen Grad desWohlstandes verschaffen, der ihm die Erlangungwenigstens theoretischer Kenntnisse, vermittelsteines zweckmäßigen Unterrichts und einer gutenErziehung, möglich macht. Wie klein undnichtswürdig erscheint nicht ein jeder Despot,der vor der Aufklärung seiner Unterthanenzittert, verglichen mir dem Privatmanne, demFabrikanten eines freien Staats, der seinenWohlstand auf den Wohlstand seiner Mitbür-ger und auf ihre vollkommnere Einsicht gründet!
IN. Lütiich im Jahr 1790.
Lütticl). — Es kommt mir vor, als wären wirdurch den Schlag einer Zauberruthe in ein anderesLand versetzt; so unendlich verschieden ist alles, 30was ich hier um mich sehe, von demjenigen,was ich noch vor wenigen Stunden in Aachenverließ. Schon der erste Anblick der Stadtwar überraschend. Man wird sie aus der Fernenicht gewahr; denn sie liegt in einem liefen 35Thal an der Maas, die in mehrere kleinereArme zerspringt. Es gibt wenig schönere Aus-sichten auf eine gleichsam unter den Füßen lie-gende Stadt, als diese, die ich von der Kar-lhause hinunter, indem wir hineinfuhren, genoß. 10Ich weiß nicht wie es kam, aber ich hatte michauf ein kleines Städtchen gefaßt gemacht; undwie erstaunte ich nun, als ich eine große Stadterblickte, die hunderttausend Einwohner enthül-le» kann und wirklich enthält. Wunderschön 15schlangelt sich die Maas, die hier noch vonMittlerer Breite ist, hindurch, und nähert sichbald auf der einen bald auf der andern Seitedem Abhänge der Berge, zwischen denen sichdas Thal als eine ebene, so weit das Auge 509'agt, mehrenkheils mit Hopfen bepflanzte, undst>>t einigem Wiescwachs vermannichfaltigle Fläche^eht. Nach allen Richtungen ist die Stadt mit^leinkohlengruben umgeben, ja sie steht zum^heil auf den bereits abgebauten, ausgehöhlten 55Kohlenbergwerken. Zu beiden Seiten des Fius-jedoch sch daß auf die Erposiiion nach Sü-l'n Rücksicht genommen wird, an den in einiger^chtfernung sich erhebenden Gehängen des Thals,strecken sich weitläufige Weinberge, die also 6t)..wder, wie die bei Hochheim, auf Steinkohlentge». Die Flötze sind sehr beträchtlich, undJl Manchen Stellen rief unter dem Bette der^ ^as bereits ausgeleert. Die entfernteren Hü-^ sind mit Ulmen, Pappeln und andern Bau- 65ln bewachsen und mir Landhäusern, Schlössern,er» ^ch^ch verziert. Am Ufer des Flussesh,/^l sich xj„ x^uai, der sich in eine schönechltammige Allee endigt.
Die Straßen von Lüttich sind enge, win-klicht, krumm und nicht sehr reinlich; es gibtindeß doch mehrere schöne Gebäude: an demQuai, an den offenen Plätzen und auf der so-genannten Insel hinter der St. Jakobskirchebemerkte ich eine Menge guter, neuer Häuser.Der bischöfliche Pallast ist ein Viereck, desseninwendiger Hof rundum einen Säulengang hat,wenn man anders die abscheulichen, kurzen,bauchigen Dinge, mit Kapitälern und Fußge-stellen , so nennen will. Die äußere Facciarehingegen, »ach der Kathedralkirche zu, ist destoschöner, in einem guten Geschmack, mir reinMischen Pilastern. Die Dominikancrkirche mireiner schönen, runden, einfachen Kupole, dienach einer in Rom kopirt ist, zeichnet sich eben-falls Vortheilhaft aus. Die alte gothische Ka-thcdralkirche bot uns dafür desto weniger Bc-merkenswerthes dar.
Der beständig fortdauernde Lärm und dasGewükl in den Straßen zeugt von einer au-ßerordentlichen Betriebsamkeit. Dieses Schau-spiel von durcheinander laufenden geschäftigenMenschen, so schmutzig auch die meisten aus-sehen, gewährt mir einen außerordentlichen,sehr lange entbehrten Genuß. Die Köhler, dieMesser- und Waffenschmiede und die Spiegel-macher sind ein rohes, aber rüstiges, lebhaftes,heftiges Volk, deren Thätigkeit mit dem Phlegmader Aachener schneidend kontrastirt. Die Volks-phvsiognomien haben hohe, gerade in die Höhegehende, an den Seiten zusammengedrückteStirnen, breite Jochbeine, schwarze, nicht gargroße Augen, wohlgebildete, zuweilen ein wenigaufgeworfene Nasen, und dicke Lippen, bei ei-nem nicht gar reinen Teint. Sie nähern sichalso den französischen, und unterscheiden sichauffallend von den jülichischen, die gewöhnlich,bei einer sehr weißen Hautfarbe und blondemHaar, durch die länglichkfleischige Form desGesichts und die weichern Züge eine gewisse