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Johann
lich zu hemmen und eine andere Bewegung anseiner Stelle hervorzubringen. Das Geheim-niß aller anmaßenden Regenten, auf dessen Un-trüglichkeit sie getrost fortsündigrn, liegt indem Erfahrungssatze: daß der Mensch, der ein-mal ein unveräußerliches Recht aus den Hän-den gegeben hat, sich unglaublich viel bietenläßt, was er als Freyer nimmermehr geduldethätte. Er fühlt sich ohnmächtig gegen die herr-schende Gewalt; wo er hinblickt, sieht er seineBruder erniedrigt wie sich selbst, durch Vor-urtheil und Sklavenfurcht und Anhänglichkeitan das Leben vielleicht schon außer Stande, zuihrer Befreyung zu wirken; endlich sinkt erselbst in seiner eigenen Achtung durch die Ber-läugnung seines Verstandes, oder er zweifele,daß eigene Empfindung und Einsicht ihn richtigleiten, wenn er einsam da steht, und niemandauf seinem Wege erblickt, der ihn verstände.
Die strengsten Herrscher hüten sich indeß,wenn sie nur ihr Interesse kennen, daß sie dasgöttliche Fünkchen Vernunft, welches den Men-schen vor allen leblosen Werkzeugen und vorallen Lastthieren den entschiedensten Borzuggibt, nicht ganz und gar ersticken. Unter allenNationen in Europa haben die Polen allein dieUnwissenheit und Barbarey so weit getrieben,in ihren Leibeigenen beynahe die letzte Spurder Denkkraft zu vertilgen; dafür aber tragensie selbst die härteste Strafe, theils indem derviehische Unterthan ihnen kaum den zehntenTheil der Einkünfte liefert, den der freyere,glücklichere, vernünftige Bauer ihnen eintragenwürde, theils weil sie selbst ohne alle Unter-stützung und Beyhülfe von der unterjochtenVolksklaffe, durch ihre Ohnmacht der Spottund das Spiel aller ihrer Nachbarn gewordensind. Die weitaussehende Verschmitztheit dergewöhnlichen Despoten läuft also darauf hin-aus, der Vernunft des Volks gerade nur soviel Spielraum zu lassen, als zur Beförderungihres selbstsüchtigen Genusses nöthig scheint,übrigens aber sie mit Nebel zu umhüllen, durchfurchtbare Drohungen ihr Schranken zu setzen,durch Zeitvertreib sie zu zerstreuen und durchallerley Gespenster sie in Schrecken zu jagen.
Diese armselige Politik treibt ihr inkonse-quentes Spiel, so lange es gehen wi^; glück-lich, wenn sie das Wesentliche von dem Unbe-deutenden abzusondern versteht, und das Volknicht bloß zu amüsiren, sondern auch zu fütternweiß. Im entgegengesetzten Falle wird dochzuletzt der Druck unerträglich: er bringt denGrad von schmerzhafter Empfindung hervor,welcher selbst das Leben wagen lehrt, um nurdes Schmerzes los zu werden; und wenn dannalle Gemüther reif und reizbar sind, so bedarfes nur jenes Menschen, der im Palais Royalzu Paris auf einen Schemel stieg und demVolke zurief: „Ihr Herren, ich weiß, manhängt mich auf; aber ich wage meinen Halsund sage Euch: greift zu den Waffen!"
Büffon crbläcie sich die abstoßenden Kräftein der Physik, indem er voraussetzte, sie wür-den nur alsdann wirksam, wen» die Theilchender Materie, die einander anziehen, so langesie in gewisser Entfernung von einander blei-ben, plötzlich allzunahe, innerhalb des Kreisesder Anziehung, an einander gcriethcn: alsdann,
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meinte er, stießen sie sich mit eben der Gewaltzurück, womit sie sonst zusammenhielten. Dießkann wenigstens als Bild auch für die Erschei-nungen der Sittlichkeit gelten. Es gibt einen5 Kreis, innerhalb dessen die Mache des Herr-schers nie muß fühlbar werden, bey Strafeihren Namen zu verändern und negativ zuheißen, so positiv sie vorher war. Der Funke,der auf einer gleichartigen Substanz erlischt,10 kann einen Brand erregen, wenn er brennlicheStoffe schon entwickelt findet; und heterogeneMaterien können sich unter Umständen sogarvon selbst entzünden. Ich erinnere mich hier-bey einer Stelle im Kardinal Retz, wo er sagt:15 zur Entstehung einer Revolution sey es ofthinreichend, daß man sie sich als etwas Leichtesdenke. I» der That, welche Auflösung, welcheWährung setzt diese Stimmung der Gemüthernicht voraus? Ueber wie viele, sonst abschre-20 ckende Jdeenverbindungen muß ein Volk sichnicht hinausgesetzt haben, ehe es in seiner Ver-zweiflung diesen Gedanken faßt? Alle jene Ue-bel, welche vor Alters zur Vereinigung ineinem Staat, zur Unterwerfung unter die Gc-25 setze, vielleicht unter den Willen Eines Herr-schers, so unaufhaltsam antrieben, werden ver-gessen ; das gegenwärtige Uebel verschlingt dieseErinnerung; jede Partey reklamirt ihre Rechtemit Gewalt, und der Kampf geht wieder von30 vorn an.
Die Gebrechen einer Slaatsverfaffung kön-nen indeß eben sowohl auch ohne eine heftigeErschütterung gehoben werden, wenn man sichin Zeiten guter Vorbauungsmitiel bedient und35 unvermerkt dem ganzen Staate die rechte Rich-tung nach seinem wahren Ziele sittlicher Ver-vollkommnung gibt. In Despotien haben wirdas Beyspiel, daß weise Regenten es ihre vor-zügliche Sorge seyn ließen, die bürgerliche Ge-ro setzgebung zu vervollkommnen, und sich dannselbst den neuen Eodex zum unverbrüchlichenGesetze machten, damit auch einst, wen» einge-schränktere Einsichten den Staat regieren soll-ten, eine Richtschnur vorhanden seyn möchte,45 um ihnen ihren Weg vorzuzeichnen, und dasGefühl von .Recht und Unrecht bey dem Volkezu schärfen. Allmälig bilden sich in solchen mitWeisheit beherrschten Staaten neue, von deroberste» Gewalt immer unabhängigere Kräfte:50 die verschiedenen Volksklassen dürfen die ihnenim Gesetze zugestandenen Vorrechte behaupte» :der Wohlstand, der eine Folge milder undzweckmäßiger Politik ist, gibt ihnen Muth undKräfte, jedem eigenmächtigen Eingriffe Wider-55 stand zu leisten; Stände und Munizipalitäccnerhalten einen Wirkungskreis, und es geht zwarlangsam, aber desto sicherer, eine allgemeine undallen Gliedern des Staats gleich vorrhesthafleVeränderung der Verfassung vor sich. Offen^00 bar zwecken viele Einrichtungen, sowohl desverstorbenen Königs als seines Nachfolgers >nden preußische» Staaten dahin ab; und dieß stder Grund, weshalb in jenen Staaten auchnicht die entfernteste Bcsorgniß einer Währung»5 im Volke vorhanden ist.
Ich habe mir es nicht versagen können, D>rwenigstens etwas von den Ideen mitzutheilen'die mir zuströmen, seitdem ich über die jetz'öLage von Lütlich nachdenke. Von allen jenen