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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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287-288
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Johann Georg Förster.

zu geben; denn er wußte, daß im Reichthumdes Einwohners die wahre Stärke des Staatesliegt. Alle diese Beweggründe wirkten auf ihn,als er den Krieg um die Bayerische Erbfolgeunternahm, als er den durch das Bündniß mirFrankreich ihm unnütz gewordenen Barrieren-iraklal aufhob, als er gegen Holland die Rechteder Menschheit und der Nationen behauptenund seinen Antwcrpern die Scheide öffnenwollte, als er den Länderlausch mit Bayern,betrieb, und noch zuletzt, als er mit seinernordischen Freundin sich zur Vertreibung derTürken von der Donau, oder vielleicht ausEuropa, verband.

Seine Slaalskunst, seine Gerechtigkeit undseine Oekonomie brachten die privilegirten Ständewider ihn aus; seine Wahrheitsliebe beleidigtedie päpstliche Hierarchie; seine Vcrgrößerungs-plane gaben dem allen Mißtrauen gegen dasHaus Oestreich neue Nahrung. Preußen wi-dersetzte sich seinen Forderungen an den Nach-laß des Kurfürsten Maximilian von Bayern,und erlangte seinen Zweck bey der damals nochlebenden Mutter des Kaisers; Preußen verei-telte auch jenes Lauschprojekl, und hielt dieLage der Sachen sür wichtig genug, um mitden mächtigsten Deutschen Fürsten ein engesBündniß zu schließe», welches die Reichever-fassung unverletzt erhalten und der heranwach-senden Macht des Kaisers von dieser Seiteeinen Damm entgegensetzen sollte; Preußen end-lich schlug sich ins Mittel, als Josephs undKaiharinens siegreiche Waffen die Pforte ge-dehinulhigt und mit unermeßlichen Kosten nunwirklich der Erreichung ihres Endzwecks sich ge-nähert hatten. Die Oestreichischen Niederlandeempörten sich; die Ungarn drohetc» mit nahemAufruhr, und in diesem kritischen Zeitpunktenahm der Kaiser, der das Opfer seiner Thä-tigkeit und seiner Grundsätze ward, alle seineEntwürfe mit sich ins Grab.

Längere Lebensdauer war das Einzige, wasihm zur Ausführung seiner Plane das Schick-sal versagte; denn was es sonst so selten auchden besten Herrschern verleihet: die Fähigkeitihr Unrecht einzugestehen und falsche Maßregelnzu andern — das halte Joseph mit seinembrennenden Verlangen Recht zu thun, undseiner gränzenlosen Thätigkeit, von ihm erhal-len. Vor dem überlegenen Geiste eines solchenKönigs zitterten die Ungarn; nie hauen sie,wäre nicht das Gift ihrer Sumpfe ihm lödtlichgeworden, es gewagt, ihm die Spitze zu bie-ten ; der gemißhandelte Bürger und Bauerhalte» ihn zum Freunde, und warteten nurauf seinen Wink, um ihre Freiheit zu erkäm-pf». Joseph häue in Böhmen und Schlesienum feine Niederlande und um Belgrad gefoch-ten, und Frankreich hätte müssen ruhig werdenohne fremde Dazwischenkunft. Viel hangt vondem Zeitpunkt ab, in welchem man lebt; Für-sten von geringer persönlicher Bedeutung habenoft glücklich regiert, weil sie keinen größernNebenbuhler halten. Unter seinen Zeitgenossenbehauptete Joseph eine ausgezeichnete Stelle:er Hai Friedrich von Preußen überlebt, denHeide», vor dessen Genius allein der seinigesich beugte.

Das Maß der Kräfte und ihre erste Aus-

bildung durch die Hand der Erzieher, zweyPunkte, von denen die ganze künftige Laufbahndes Menschen abhängt, hat das Schicksal sichvorbehalten. In der Anlage begränzt, in ihrer5 Uebung gemißlritet, wird es oft des MannesHauptgeschäft, die falsche Richtung seiner Ju-gend umzuändern, die Schranken seiner indi-viduellen Natur kennen zu lernen, und sichdarnach zu bequeme» : glücklich, wenn ihm dann10 noch Mutb übrig bleibt, seinen Wirkungskreisauszufüllen, und durch Anstrengungen undAufopferungen jeder Art um eine Tugend undeine Harmonie in seinem Innern zu kämpfen,die Andern unentgeldlich zugetheilt ward! Was15 Joseph aus der Hand der Natur mit auf dieWelt brachte, war ein feuriger, rascher Geist,ein reges Gefühl, eine vielseitige Empfänglich-keit, ein gesunder Körper. Er ward erzogenwie ein Prinz; dieses Wort sagt hier alles.2» Der Adel seiner Seele überlebte tiefen Zeit-raum; allein er behielt die Narben des harte»Kampfes bis an sei» Ende. Seine Flüchtig-keit, sein Witz, sein Scharfsinn spielten mitseinen Erziehern; sie wußten ihm nur maschi-25 nenmäßig vorzusprechen, was sie gelernt hallen:den künftigen Regenten zu bilden, ihren Unter-richt in ein zusammenhangende», beziehungö-volles Ganze zu vereinigen, große, richtige,umfassende Gesichtspunkte anzugeben: das alles30 verstanden sie nicht. Als er seine Regierungantrat, besaß er hinreichende Kenntniß undBeurtheilungskraft, um die Mängel der Men-schen um ihn der gleichsam mit Einem Blickezu entdecke»; aber er konnte sich auch nie seine35 Werkzeuge aus ihnen ziehen. In seinen wei-le» Reichen fand er keine Seele, die ihm Ge-nüge leisten tonn e, keine, deren Größe undReinheit ihn: völliges Vertrauen abgewonnenhätte. Alles durch sich selbst thun zu müssen,40 war das Resultat aller seiner Menschenprüfung,und eine der Hauptursachen, weshalb ihm I»vieles mißlang. Unaufhörlich getäuscht in derHoffnung, Menschen nach seinem Herzen i»finden, ließ er sie in seiner Hand nur Mascha45 nen seyn; und auch in dieser Rücksicht wurde»sie desto unbrauchbarer, je deutlicher sein Be-nehmen diese Meinung gegen sie selbst verriet»-Die gemißbrauchle Güte seiner Mutter flöß ^ihm überdies: ein unvertilgbares Mißtrauen50 gen alle Höflinge ein, und stärkte durchleiden die väterliche» Gesinnungen, womit .das Volk, die zahlreiche ehrwürdige Klaffe sincr armen, arbeitende» Unterthanen, in Ist» .Herzen trug. Der strenge Begriff von si»»^55 Regentenpflicht führte ikn natürlich daist»--,man seiner Hülfe und seines Schutzes ai» ^sten bedurfte; aus Vorsorge für das .^eseine bis ins kleinste und zuweilen unwithDetail gehende Theilnahme; aus der00 berzeugung, ihm sey das Glück vnler

nen Menschen anvertrauet, der Unlerlh» ,,nicht um seinetwillen da, erklärt sich I»eher Zug von Harte und Unbilligkeit, ^-!§glS-despolischc Verordnung, womit er seine» ^^»ig05 beamteu Furcht, oder auch gar Hcf

aegen sich, einflößte. Die unbeschrelöl>cm „tigkeil, womit er die Ausführung eui" < ^»Einrichtung be.rirb, von deren Nutzen lSiaar und den Unterthan er überzeuge z