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Friedrich von Schiller.
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Aber dadurch allein glaubte der Herzog seinWerk noch nicht gegen alle Zufälle sicher gestelltzu haben. ES war zu erwarten, daß der Feindnichts unversucht lassen würde, den mittlernund schwächsten Theil der Brücke durch dieGewalt seiner Maschinen zu sprengen; diesemvorzubeugen, warf er längs der Schiffbrückeund in einiger Entfernung von derselben nocheine besondere Schutzwehr auf, welche die Ge-walt brechen sollte, die auf die Brücke selbstmöchte ausgeübt werden. Dieses Werk bestandaus drey und dreyßig Barken von beträchtlicherGröße, welche in Einer Reihe, quer über denStrom hingelagert, und die drey und drey mitMastbäumen an einander befestigt waren, so,daß sie eilf verschiedene Gruppen bildeten. Jedederselben streckte, gleich einem Gliede Pikenirer,in horizontaler Richtung, vierzehn lange höl-zerne Stange» aus, die dem herannahendenFeinde eine eiserne Spitze enlgegenkehrten.Diese Barken waren bloß mit Ballast ange-füllt, und hingen jede an einem doppelten aberschlaffen Ankcrlhaue, um dem anschwellendenStrome nachgeben zu können; daher sie auchin beständiger Bewegung waren, und davondie Namen Schwimmer bekamen. Die ganzeSchiffbrücke und noch ein Theil der Staketenwurden von diesen Schwimmern gedeckt, welchesowohl oberhalb als unterhalb der Brücke an-gebracht waren. Zu allen diesen Vertheidigungs-anstalren kam noch eine Anzahl von vierzigKriegsschiffen, welche an den beyden Ufernhielten und dem ganzen Werke zur Bedeckungdienten.
Dieses bewunderswürdige Werk war im Märzdes Jahres 1585 , als dem siebenten Monateder Belagerung, fertig, und der Tag, an demes vollendet wurde, war ein Jubelfest für dieTruppen. Durch ein wildes Freudenschießenwurde der große Borfall der belagerten Stadtverkündigt, und die Armee, als wollte sie sichihres Triumphs recht sinnlich versichern, brei-tete sich längs dem ganzen Gerüste aus, umden stolzen Strom, dem man das Joch aufge-legt hatte, friedfertig und gehorsam unter sichhinwegfließcn zu sehen. Alle ausgestandenenUnendlichen Mühseligkeiten waren bey diesemAnblicke vergessen, und keiner, dessen Hand nurirgend dabey geschäftig gewesen, war so ver-ächtlich und so klein, daß er sich nicht einenTheil der Ehre zueignete, die den großen Ur-heber lohnte. Nichts aber gleicht der Bestür-zung, welche die Bürger von Antwerpen er-griff, als ihnen die Nachricht gebracht wurde,daß die Scheide nun wirktich geschloffen, undulle Zufuhr aus Seeland abgeschnitten sey.Ünd zur Lermehrung ihres Schreckens mußtenüf zu derselben Zeit noch den Berlust der Stadt- Bruffel erfahren, welche endlich durch Hunger^nöthigt worden, sich zu ergeben. Ein Ver-buch , den der Graf von Hohenlohe in eben die-len Tagen auf Herzogenbusch gewagt, um ent-weder diese Stadt wegzunehmen, oder doch demfeinde eine Diversion zu machen, war gleich-es verunglückt, und so verlor das bedrängteAntwerpen zu gleicher Zeit alle Hoffnung einerZufuhr von der See und zu Lande.
Durch einige Flüchtlinge, welche sich durch^ spanischen Lorposten hindurch in die Stadt
geworfen, wurden diese unglücklichen Zeitun-gen darin ausgebreitet, und ein Kundschafter,den der Bürgermeister ausgeschickt hatte, umdie feindlichen Werke zu recognosciren, vergrö-ßerte durch seine Aussagen noch die allgemeineBestürzung. Er war ertappt und vor denHerzog von Parma gebracht worden, welcherBefehl gab, ihn überall herumzuführen, undbesonders die Einrichtung der Brücke aufs Ge-naueste besichtigen zu lassen. Nachdem dieß ge-schehen war, und er wieder vor den Feldherrngebracht wurde, schickte ihn dieser mit denWorten zurück: „Geh", rief er, „und hinter-bringe denen, die dich herschickten, was du ge-sehen hast. Melde ihnen aber dabey, daß esmein fester Entschluß sey, mich entweder unterden Trümmern dieser Brücke zu begraben, oderdurch diese Brücke in eure Stadt einzuziehen."
Aber die Gewißheit der Gefahr belebte nunauch auf einmal den Eifer der Verbundenen,und es lag nicht an ihren Anstalten, wenn dieerste Hälfte jenes Gelübdes nicht in Erfüllungging. Längst schon hatte der Herzog mit Un-ruhe den Bewegungen zugesehen, welche zumEntsatzc der Stadt in Seeland gemacht wur-den Es war ihm nicht verborgen, daß er dengefährlichsten Schlag von dorther zu fürchtenhabe, und daß gegen die vereinigte Macht derseeländischen und antwerpischen Flotten, wennsie zu gleicher Zeit und im rechten Momentauf ihn losdringen sollten, mit allen seinenWerken nicht viel würde auszurichten seyn.Eine Zeitlang hatten ihm die Zögerungen desseeländischen Admirals, die er auf alle Art zuunterhalte» bemüht war, Sicherheit verschafft;jetzt aber beschleunigte die dringende Noth aufeinmal die Rüstuug, und ohne länger auf denAdmiral zu warten, schickten die Staaten zuMittelburg den Grafen Justin von Nassau mitso viel Schiffen, als sie aufbringen konnten, denBelagerten zu Hülfe. Diese Flotte legte sichvor das Fort Lieskenshoek, welches der Feindim Besitz halte, und beschoß dasselbe, von eini-gen Schiffen aus dem gegenüberliegenden FortLillo unteerstützt, mit so glücklichem Erfolge,daß die Wälle in Kurzem zu Grunde gerichtetund mit stürmender Hand erstiegen wurden.Die darin zur Besatzung liegenden Wallonenzeigten die Festigkeit nicht, welche man vonSoldaten des Herzogs von Parma erwartete;sie überließen dem Feinde schimpflich die Festung,der sich in Kurzem der ganzen Insel Doel mitallen darauf liegenden Schanzen bemeisterle.Der Verlust dieser Plätze, die jedoch bald wieder-gewonnen waren, ging dem Herzoge von Par-ma so nahe, daß er die Befehlshaber vor dasKriegsgericht zog, und den Schuldigsten darun-ter enthaupten ließ. Indessen eröffnete diesewichtige Eroberung den Seeländern einen frey-ern Paß bis zur Brücke, und nunmehr warder Zeitpunkt vorhanden, nach genommener Ab-rede mit den Anrwerpern, gegen jenes Werkeinen entscheidenden Streich auszuführen. Mankam überein, daß, während man von Antwer-pen aus, durch schon berettgehaltene Maschinen,die Schiffbrücke sprengte, die seeländische Flottemit einem hinlänglichen Borrathe von Proviant inder Nähe seyn sollte, um sogleich durch die gemachteOeffnung hindurch nach der Stadt zu segeln.
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