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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
347-348
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Friedrich von Schiller.

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Hoffnung verloren. Sie vertheidigte dabey mitedler Wärme das Gedächtniß des Prinzen vonOranien, ihres Wohlthäters und Retters, in-dem sie die wahren Ursachen aufzählte, welchediesen traurigen Krieg herbeygesührt und dieProvinzen von der spanischen Krone abtrünniggemacht hätten. Zugleich verhehlte sie nicht,daß sie eben jetzt Hoffnung habe, an dem Kö-nige von Frankreich einen neuen und einengütigern Herrn zu finden, und auch schon die-ser Ursache wegen, keinen Vergleich mit demspanischen Monarchen eingehen könne, ohne sichdes strafbarsten Leichtsinns und der Undankbar-keit schuldig zu machen.

Die vereinigten Provinzen nämlich, durcheine Reihe von Unglücksfällen kleinmüthig ge-macht, hatten endlich den Entschluß gefaßt,unter die Oberhoheit Frankreichs zu treten,und durch Aufopferung ihrer Unabhängigkeitihre Existenz und ihre alten Privilegien zuretten. Mit diesem Auftrage war vor nichtlanger Zeit eine Gesandtschaft nach Paris ab-gegangen , und die Aussicht auf diesen mächti-gen Beystand war es vorzüglich, was den Muthder Anlwerper stärkte. Heinrich der Drille,König von Frankreich, war für seine Personauch nicht ungcneigr, dieses Anerbieten sich zuNutze zu machen; aber die Unruhen, welcheihm die Intriguen der Spanier in seinem ei-genen Königreiche zu erregen wußten, nöthig-ten ihn wider seinen Willen, davon abzustehen.Die Niederländer wandten sich nunmehr mitihrem Gesuche an die Königin Elisabeth vonEngland, die ihnen auch wirklich, aber nur zuspät für Antwerpens Rettung, einen thätigenBeystand leistete. Während daß man in dieserSradr den Erfolg dieser Unterhandlungen ab-wartete, und nach einer fremden Hülfe in dieFerne blickte, halte man die natürlichsten undnächsten Mittel zu seiner Rettung versäumt,und den ganzen Winter verloren, den der Feinddesto besser zu benutzen verstand.

Zwar hatte es der Bürgermeister von Ant-werpen, St. Aldegonde, nicht an wiederholtenAufforderungen fehlen lassen, die seeländischeFlotte zu einem Angriffe auf die feindlichenWerke zu vermögen, während daß man vonAntwerpen aus diese Expedition unterstützenwürde. Die langen upd öfters stürmischenNächte konnten diese Versuche begünstigen,und wenn zugleich die Besatzung zu Lillo einenAusfall wagte, so würde es dem Feinde kaummöglich gewesen seyn, diesem dreyfachen An-falle zu widerstehen. Aber unglücklicherweisewaren zwischen dem Anführer jener Flotte,Wilhelm von Blois, von Lreslong, und derAdmiralität von Seeland Irrungen entstanden,welche Ursache waren, daß die Ausrüstung derFlotte auf eine ganz unbegreifliche Weise ver-zögert wurde. Um solche zu beschleunigen, entschloßsich endlich Teligny, selbst nach Middelburg zugehen, wo die Staaten von Seeland ver-sammelt waren aber weil der Feind alle Pässebesetzt hatte, so kostete ihn dieser Versuch seineFreyheit, und mir ihm verlor die Republikihren tapfersten Vertheidiger. Indessen fehltees nicht an unternehmenden Schiffern, welcheunter Begünstigung der Nacht , und mit ein-tretender Fluth, trotz des feindliche,, Feuers,

durch die damals noch offene Brücke sich schlu-gen, Proviant in die Stadt warfen, und mirder Ebbe wieder zurückkehrten. Weil aber dochmehrere solcher Fahrzeuge dem Feinde in die5 Hände sielen, so verordnete der Rath, daß inS-künftige die Schiffe nie unter einer bestimmtenAnzahl sich hinauswagen sollten; welches dieFolge hatte, daß Alles unterblieb, weil die er-forderte Anzahl niemals voll werden wollte.10 Auch geschahen von Antwerpen aus einige nichtganz unglückliche Versuche auf die Schiffe derSpanier; einige der letzter,, wurden erobert,andere versenkt, und es kam bloß darauf an,dergleichen Versuche im Großen fortzusetzen.15 Aber so eifrig auch St. Aldegonde dieses be-trieb, so fand sich doch kein Schiffer, der einFahrzeug besteigen wollte.

Unter diesen Zögerunge» verstrich der Win-ter und kaum bemerkte man, daß das Eis sich20 verlor, so wurde von den Belagerern der Bauder Schiffbrücke nun mit allem Ernste vorge-nommen. Zwischen beyden Staketen blieb nochein Raum von mehr als sechshundert Schrit-ten auszufüllen, welches auf folgende Art be-25 werkstelligt wurde. Man nahm zwey und drey-ßig Playten lplatle Fahrzeuge), jede sechs undscchszig Fuß lang und zwanzig breit, und diesefügte man am Vorder- und Hintertheile mitstarke» Kabeltauen und eisernen Kellen an30 einander, doch so, daß sie noch gegen zwanzigFuß von einander abstanden, und dem Stromeeinen freyen Durchzug verstatteten. Jede Playtehing noch außerdem an zwey Ankertauen, so-wohl aufwärts, als unterwärts des Stroms,35 welche aber, je nachdem das Wasser mit derFluth stieg oder mit der Ebbe sank, nachgelas-sen und angezogen werden konnten. Ueberdie Schiffe hinweg wurden große Mastbäumegelegt, welche von einem zum andtrn reichte»,40 und, mit Planken überdeckt, eine ordentlicheStraße bildeten, auch, wie die Staketen, miteinem Geländer eingefaßt waren. Diese Schimbrücke, davon beyde Staketen nur eine Fort-setzung ausmachten, hatte, mit diesen zusam-45 mengenomme», eine Länge von zwcytausendvierhundert Schritten. Dabey war diese furch^vare Maschine so künstlich organisirt und soreichlich mit Werkzeugen des Todesstet, daß sie gleich einem lebendigen Wesen M50 selbst vertheidigen, auf das Kommandowor

Flammen speyen, und auf Alles, was ihr »»bkam, Verderben ausschütten konnte.den behden Forts, Sr. Maria und St. P^pp'welche die Brücke an beyden Ufern begründe55 und außer den beyden hölzernen Basteyen »der Brücke selbst, welche mit Soldatenfüllt und in allen vier Ecken mit Kanonen .setzt waren, enthielt Jedes der zwey »»d bßig Schiffe noch dreißig Bewaffnete, »sbst00 Matrosen zu seiner Bedeckung, und uf

Feinde, er mochte nun von Seelandoder von Antwerpen Herunterschiffen, die atdüng einer Kanone. Man zählte in allem ^ben und neunzig Kanonen, die sowohl üb"

05 Brücke, als unter derselben vertheiltund mehr als fünfzehnhundert Mann, die bdie Basteye», theils die Schiffe besetzten,wenn es Noth that, ein furchtbares M»sfeuer auf den Feind unterhalten konnten