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Friedrich von Schiller.
unterwerfen, aber man rechnet hier auch billigauf einige Selbstvei-lLugnnng, und auf einenernstlichen Entschluß des Zuhörers oder Lesers,um der Sache willen die Schwierigkeiten nichtzu achten, welche von der Form unzertrennlich sind.
Wo sich aber ein solcher Entschluß nichtvoraussehen läßt, und wo man sich keine Hoff-nung machen kann, daß das Interesse an demInhalt stark genug sein werde, um zu dieserAnstrengung Muth zu machen, da wird manfreylich auf Mittheilung einer wissenschaftlichenErkenntniß Verzicht thun muffen, dafür aber,in Ansehung des Vortraas, etwas mehr Frey-heit gewinnen. Man verläßt in diesem Falledie Form der Wissenschaft, die zu viel Gewaltgegen die Einbildungskraft ausübt, und nurdurch die Wichtigkeit des Zwecks kann annehm-lich gemacht werden, und erwählt dafür dieForm der Schönheit, die unabhängig von allemInhalt, sich schon durch sich selbst empfiehlt. Weildie Sache die Form nicht in Schutz nehmenwill, so muß die Form die Sache vertreten.
Der populäre unterricht verträgt sich mirdieser Freyheit. Da der Volksredner oder Volks-schriststeller seine Benennung, unter der ichJeden befasse, der nicht ausschließend an denGelehrten sich wendet) zu keinem vorbereitetenPublikum spricht, und seine Leser nicht wie Ver-ändere auswählt, sondern sie nehmen muß, wieer sie findet, so kann er auch blos die allge-meinen Bedingungen des Denkens und bloß die all-gemeinen Antriebe zur Aufmerksamkeit, aber nochkeine besondere Denkfertigkeit, noch keineBekanntschaft mir bestimmten Begriffen, nochkein Interesse an bestimmten Gegenständen beydenselben voraussetzen. Er kann es also auchnicht daraufankommen lassen, ob die Einbildungs-kraft derer, die er unterrichten will, mir seinenAbstraktionen den gehörigen Sinn verknüpfen,und zu den allgemeinen Begriffen, auf die derwissenschaftliche Vortrag sich einschränkt, einenInhalt darbieten werde. Um sicher zu gehen,gibt er daher lieber die Anschauungen und ein-zelnen Fälle gleich mit, auf welche sich jeneBegriffe beziehen, und überläßt es dem Ver-stand seiner Leser, den Begriff aus dem Steg-reif daraus zu bilden. Die Einbildungskraftwird also bey dem populären Vortrag schon weitMehr in's Spiel gemischt, aber doch immer nurreproduktiv, (empfangene Vorstellungen er-neuernd), nicht aber p ro d uk ti v, < ihre selbst-bildendc Kraft beweisend). Jene einzelnen Fälleoder Anschauungen sind für den gegenwärtigenZweck viel zu genau berechnet, und für denGebrauch, der davon gemacht werden soll, vieliu bestimmt Angerichtet, als daß die Einbil-dungskraft es vergessen könnte, daß sie bloßemDienst des Versta ndes handelt. Der Vor-lag hält sich zwar etwas näher an das Lebenund an die Sinnenwelt, aber er verliert sichu°ch nicht in derselben. Die Darstellung istukso noch immer bloß didaktisch: denn, umschön zu seyn, fehlen ihr noch die zwey vor-nehmsten Eigenschaften, Sinnlichkeit imAusdruck und. Freyheit in der Bewie-st u n g.
„ Frey wird die Darstellung, wenn der Ver-wand den Zusammenhang der Ideen zwar be-ulmmt, aber mit so versteckter Gesetzmäßigkeit,
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daß die Einbildungskraft dabey völlig willkür-lich zu verfahren, und bloß dem Zufall der Zeit-verknüpfung zu folgen scheint. Sinnlichwird die Darstellung, wenn sie das Allgemeine5 in das Besondere versteckt, und der Phantasiedas lebendige Bild (die ganze Vorstellung)hingibt, wo es bloß um den Begriff (die Theil-vorstellung) zu thun ist. Die sinnliche Dar-stellung ist also, von der Einen Seite betraft)10 ret, reich, weil sie da, wo nur e i n e Bestim-mung verlangt wird, ein vollständiges Bild,ein Ganzes von Bestimmungen, ein Individuumgibt; sie ist aber von einer andern Seite be-trachtet wieder eingesch r ä n k t und a r m,15 weil sie nur von einem Individuum und voneinem einzelnen Fall behauptet, was doch voneiner ganzen Sphäre zu verstehen ist. Sie ver-kürzt also den Verstand gerade um so viel, alssie der Imagination im Ueberfluß darbietet,denn je vollständiger an Inhalt eine Vorstel-lung ist, desto kleiner ist ihr Umfang.
Das Interesse der Einbildungskraft ist, ihreGegenstände nach Willkür zu wechseln; das In-teresse des Verstandes ist, die seinigen mir streu-25 ger Nothwendigkeit zu verknüpfen. So sehrdiese beyden Interessen mit einander zu streitenscheinen, so gibt es doch zwischen beyden einenPunkt der Vereinigung, und diesen auszusinden,ist das eigentliche Verdienst der schönen Schreib-30 art.
Um der Imagination Genüge zu thun, mußdie Rede einen materiellen Theil oder Körper-haben, und diesen machen die Anschauungenaus, von denen der Verstand die einzelnen Merk-35 male oder Begriffe absondert; denn so abstraktwir auch denken mögen, so ist es doch immerzuletzt etwas Sinnliches, was unserm Denkenzum Grund liegt. Nur will die Imaginationungebunden und regellos von Anschauung zu40 Anschauung überspringen, und sich an keinenandern Zusammenhang, als den der Zeiifolgebinden. Stehen also die Anschauungen, welcheden körperlichen Theil zu der Rede bergeben,in keiner Sachverknüpfung unter einander, schei-45 nen sie vielmehr als unabhängige Glieder undals eigene Ganze für sich selbst zu bestehen, ver-,rathen sie die ganze Unordnung einer spielendenund bloß sich selbst gehorchenden Einbildungs-kraft, so hat die Einkleidung ästhetische Frey-st) heil, und das Bedürfniß der Phantasie ist be-friedigt. Eine solche Darstellung, könnte mansagen, ist ein organisches Produkt, wo nichtbloß das Ganze lebt, sondern auch die einzel-nen Theile ihr cigentbümliches Leben haben; die55 bloß wissenschaftliche Darstellung ist ein me-chanisches Werk, wo die Theile, leblos fürsich selbst, dem Ganzen durch ihre Zuiammen-stimmung ein künstliches Leben ertheilen
Um auf der andern Seile dem Verstände60 Genüge zu thun und Erkenntniß hervorzubrin-gen, muß die Rede einen geistigen Theil, Be-deutung, haben, und diese erhält sie durchdie Begriffe, vermittelst welcher jene Anschau-ungen auf einander bezogen und in ein Ganzes65 verbunden werden. Findet nun zwischen diesenBegriffen, als dem geistigen Theil der Rede,der genaueste Zusammenhang Statt, wahrenddaß sich die ihnen korrespondirenden Anschauun-gen, als der sinnliche Theil der Rede, bloß