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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
485-486
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Johann Gottlieb Fichte.

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wart paffe, ich Ihnen überlasse. Diese Denk-und Handelsweise entsteht der inwendigen Er-storbenheit, wie oft erinnere worden, nur da-durch, daß sie über sich selbst klar wird, dage-gen sie, so lange sie im Dunkeln bleibt, denGlauben an Freiheit, der an sich wahr, undnur in Anwendung auf ihr dermaliges SepnWahn ist, beibehalt. Es erhellet hier deutlichder Nachtheil der Klarheit bei innerer Schlech-tigkeit. So lange diese Schlechtigkeit dunkelbleibt, wird sie durch die fortdauernde Anfor-derung an Freiheit immerfort beunruhigt, ge-stachelt und getrieben, und bietet den Versuchensie zu verbessern, einen Angriffspunkt dar. DieKlarheit aber vollendet sie, und rundet sie insich selbst ab; sie fügt ihr die freudige Erge-bung, die Ruhe eines guten Gewissens, dasWohlgefallen an sich selber hinzu; es geschiehtihnen, wie sie glauben, sie sind von nun anl» der That unverbesserlich, und höchstens, umbei den Bessern den unbarmherzigen Abscheugegen das Schlechte, oder die Ergebung in denWillen Gottes rege zu erhalten, zznd außerdemzu keinem Ding in der Welt nütze.

Und so trete denn endlich in seiner vollen-deten Klarheit heraus, was wir in unsrer bis-herigen Schilderung unter Deutschen verstandenhaben. Der eigentliche UnterscheidungSgrundliegt darin, ob man an ein absolut erstes undursprüngliches im Menschen selber, an Freiheit,an unendliche Verbefferlichkeit, an ewiges Fort-schreiten unsers Geschlechts glaube, oder ob manan alles dieses nicht glaube, ja wohl deutlicheinzusehen, und zu begreifen vermeine, daß dasGegentheil von diesem allen statt finde. Alle,die entweder selbst, schöpferisch und hervorbrin-gend das neue, leben, oder, die, falls ihnendies nicht zu Theil geworden wäre, das nich-tige wenigstens entschieden fallen lassen, undaufmerkend da stehen, ob irgendwo der Flußursprünglichen Lebens sie ergreifen werde, oderdie, falls sie auch nicht so weit wären, die Frei-heit wenigstens ahnden, und sie nicht Haffe»,oder vor ihr erschrecken, sondern sie lieben: allediese sind ursprüngliche Menschen, sie sind, wennsie als ein Volk betrachtet werden, ein Urvolk,das Volk schlechtweg. Deutsche. Alle, die sichdarein ergeben ein zweites zu seyn, und abge-stammtes, und die deutlich sich also kennen undbegreifen, sind es in k>er That und werden esimmer mehr durch diesen ihren Glauben, siesind ein Anhang zum Leben, das vor ihnen,oder neben ihnen, aus eignem Triebe sich regte,ein vom Felsen zurücktönender Nachhall einerschon verstummten Stimme, sie sind, als Volkbetrachtet, außerhalb des Urvolks, und für das-selbe Fremde, und Ausländer. I» der Ratio»,bie bis aus diesen Tag sich das Volk schlecht-tbsg, oder Deutsche nennt, ist in der neuenZeit wenigstens bis jetzt ursprüngliches, an denhervorgebrochen, und Schöpferkraft desbeuen hat sich gezeigt; jetzt wird endlich dieserNation durch eine in sich selbst klar gewordenePhilosophie der Spiegel vorgehalten, in welchemste mit klarem Begriffe erkenne, was sie bisherohne deutliches Bewußtseyn durch die Naturward, und wozu sie von derselben bestimmtund es wird ihr der Antrag gemacht, nachdiesem klaren Begriffe, und mit besonnener

und freier Kunst, vollendet und ganz, sich selbstzu dem zu mache», was sie seyn soll, den Bundzu erneuern, und ihren Kreis zu schließen. DerGrundsatz, nachdem sie diesen zu schließen hat,ist ihr vorgelegt; was an Geistigkeir, und Frei-heil dieser Griffigkeit glaubt, und die ewigeFortbildung dieser Geistigkeir durch Freiheitwill, das, wo es auch geboren sey, und in wel-cher Sprache es rede, ist unsers Geschlechts,es gehört uns an, und es wird sich zu unsthun. Was an Stillstand, Rückgang, undZirkeltanz glaubt, oder gar eine todte Naturan das Ruder der Weltregierung setzt, dieses,wo es auch geboren sey, und welche Sprachees rede, ist undrutsch, und fremd für uns,und es ist zu wünschen, daß es je eher je liebersich gänzlich von uns abtrenne.

Und so trete denn bei dieser Gelegenheit,gestützt aus das oben über die Freiheit gesagte,endlich auch einmal vernehmlich heraus, undwer noch Ohren hat zu hören, der höre, wasdiejenige Philosopie, die mit gutem Fuge sichdie deutsche nennt, eigentlich wolle, und worinsie jeder ausländischen, und todgläubigen Phi-losophie mit ernster und unerbittlicher Strengesich entgegensetze; und zwar trete'dieses herauskeineswegs darum, damit auch das lobte es ver-stehe, was unmöglich ist, sondern damit es die-sem schwerer werde, ihr die Worte zu verdre-hen, und sich das Ansehn zu geben, als ob esselbst eben auch ohngcfähr dasselbe wolle undiin Grunde meine. Diese deutsche Philosophieerhebt sich wirklich und durch die Thal ihresDenkens, keinesweges prahlt sie es bloß, zufolgeeiner dunkeln Ahndung, daß es so seyn müsse,ohne es jedoch bewerkstelligen zu können, —sie hebt sich zu dem unwandelbaren „Mehrdenn alle Unendlichkeit/' und findet allein indiesem das wahrhafte Seyn. Zeit, und Ewig-keit, und Unendlichkeit erblickt sie in ihrer Ent-stehung auS dem Grscheinen und Sichtbarwer-den jenes Einen, das an sich schlechthin unsicht-bar ist, und nur in dieser seiner Unsichtbarkeiterfaßt, richtig erfaßt wird. Schon die Unend-lichkeit ist, nach dieser Philosophie nichts ansich, und es kommt ihr durchaus kein wahr-haftes Seyn zu -. sie ist lediglich das Mittel,woran das einzige, das da ist, und das nur inseiner Unsichtbarkeit ist, sichtbar wird, und wor-aus ihm ei» Bild, ein Schemen und Schatte»seiner selbst, im Umkreise der Bildlichkeit erbautwird. Alles, was innerhalb dieser Unendlich-keit der Bilderwelc noch weiter sichtbar werdenmag, ist nun vollends ein Nichts des Nichts,ein Schatten d.s Schatten, und lediglich dasMittel, woran jenes erste Nichts der Unend-lichkeit und der Zeit lelber sichtbar werde, unddem Gedanken der ^Ausflug zu dem unbildlichen,und unsichtbaren Seyn sich eröffne.

Innerhalb dieses einzig möglichen Bildesder Unendlichkeit tritt nun das unsichtbare un-mittelbar heraus nur als freies und ursprüng-liches Leben des Sehens; oder als Willens-Entschluß eures vernünftigen Wesens, und kanndurchaus nicht anders heraustreten und erschei-nen. Alles als nicht geistiges Leben erscheinendebeharrliche Daseyn ist nur ein aus dem Sehe»hingeworfener, vielfach durch das Nichts ver-mittelter, leerer Schatten, im Gegensatze mir

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