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Jean Paul Friedrich Richter.
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vieler Mühe und Dinte ausgeschmückt haben,,vermittelst Schönheilwasser — mouolioir äsVenus und Schminklappen Waschlappen) —Puderkasten (Topf mit Sand> und anderemTeiletten-Schiff und Geschirr. Er war in der 5Nacht siebenmal aufgewacht, um sich siebenmalauf den Tag zu freuen; und zwei Stundenfrüher aufgestanden, um beide Minute für Mi-nute aufzuessen. Es ist mir als ging' ich mitdem Schulmeister zur Thür hinein, vor dem 1t»die Minuten des Tages hinstelln wie wie Ho-nigzellen — er schöpfet eine uin die andre ausund jede Minute trägt einen weitern Honig-kelch. Für eine Pension auf- Lebenslang ist den-noch der Kantor nicht vermögend, sich auf der 15ganzen Erde ein Haus zu denken, in dem jetzonicht Sonntag, Sonnenschein und Freude wäre;nein! — Das zweite, was er unten nach derThüre aufthat, war ein Oberfenster, um einenauf und niederwallenden Schmetterling - einen 2«schwimmenden Silberflilter, eine Blumen-Folieund Amors Ebenbild — aus Hymens Stubefortzulassen- Dann fütterte er seine Vogel-Kapelle in den Bauern zum Voraus auf denlärmenden Lag, und sidelte auf der väterlichen 25Geige die Schleifer znm Fenster hinaus, andenen er sich aus der Fastnacht an die Hoch-zeit herangetanzt. Es schlägt erst 5 Uhr, meinTrauter, wir haben uns nicht zu übereilen!Wir wollen die zwei Ellen lange Halsbinde 30(die Du Dir ebenfalls, wie früher die Braut,anranzest, indem die Mutter das andre Endehält) und das Zopfband glatt umhaben, »ochzwei völlige Stunden vor dem Läuten. Gerngab' ich den Großvaierstuhl und den Ofen, dessen 35Assessor ich bin, dafür, wenn ich mich undmeine Zuhörerschaft jetzt zu transparenten Syl-phiden zu verdünnen wüßte; damit unsere ganzeBrüderschaft )>em zappelnden Bräutigam ohneStörung seiner stillen Freude in den Garten 46nachflöge, wo er für ein weibliches Herz, dasweder ein diamantnes noch ein welsches ist, auchkeine Blumen, die es sind, abschneidet, sondernlebende — wo er die blitzenden Käfer und Thau-tropfen aus den Blumenblättern schüttelt und 45gern auf den Bienenrüffel wartet, den zumletztenmale der mütterliche Blumenbusen säuget -wo er an seine Knaben-Svnntagmorgen denktund an deck zu engen Schritt über die Beeteund an das kalte Kanzelpull, auf welches der 50Senior seinen Strauß auflegte. Gehe nachHaus, Sohn Deines Vorführers, und schaueam achten Junius Dich nicht gegen Abend um,wo der stumme sechs Fuß dicke Gottesacker überManchen Freunden liegt, sondern gegen Morgen, 55wo Du die Sonne, die Pfarrthüre und Deinehineinschlüpfende Justine sehen kannst, welchedie Frau Pathin nett ausfrisiren und einschnü-ren will. Ich merk' es leicht, daß meine Zuhörerwieder in Sylphiden verflüchtigt werden wollen, um 6gdie Braut zu umflattern ; aber sie sieht's nicht gern.
Endlich lag der himmelblaue Rock — dieLivreesarbe der Müller und Schulmeister -"iit geschwärzten Knopflöchern und die plättendeHand seiner Mutter, die alle Brüche hob, am 55Leibe des Schulmeisterleins und es darf nurHur und Gesangbuch nehme». Und jetzt - ich
l> I» manchen deutschen Gcgcnrc» trage» die Mädchen
weiß gewiß auch, was Pracht ist, fürstliche beifürstlichen Vermählungen, das Kanonieren, Jl-luminiren, Exerzieren und Frisieren dabei; abermit der Wuzischen Vermählung stell' ich dochdergleichen nie zusammen; sehet nur dem Mannhintennach, der den Sonnen- und Himmelwegzu seiner Braut geht und auf den andern Wegdrüben nach dem Alumneum schauet und denkt:„wer HStt's vor vier Jahren gedacht; " ich sage,sehet ihm nach! Thut es nicht auch die Auen-thaler Pfarrmagd, ob sie gleich Wasser trägt,und henkt einen solchen prächtigen vollen An-zug bis auf jede Franze in ihren Gehirn- undKleidekammern auf? Hat er nicht eine gepuderteNasen- und Schuhspitze? Sind nicht die rothenThorflügel seines Schwiegervaters aufgedrehtund schreitet er nicht durch diese ein, indeß dievon der Haarkräuslerin abgefertigte Verlobtedurch das Hofthürchen schleicht? Und stoßen sienicht so möblirt und überpudert auf einander,daß sie das Herz nicht haben, sich Guten Mor-gen zu bieten? Denn haben beide in ihrem Le-ben etwas prächtigeres und vornehmeres gese-hen, als sich einander heute? Ist in dieser ver-zeihlichen Verlegenheit nicht der lange Spähnein Glück, den der kleine Bruder zugeschnitztund den er der Schwester hinreckt, damit siedarum wie um einen Weinpfahl die Blumen-Staude und Geruch-Quaste für des KantorsKnopfloch winde und gürte? Werden neidsüch-tige Damen meine Freunde bleiben, wenn ichmeinen Pinsel eintunke und ihnen damit vor-färbe die Parüre der Braut, das zitternde Goldstatt der Zitlernadel im Haar, die drei golde-nen Medaillons auf der Brust mit den Minia-türbildern der deutschen Kaiser»), und tiefer- die inKnöpfe zergossenen Silberbarren? ... Ich könnt'aber den Pinsel fast jemand an den Kopf werden,wenn mir beifällt, mein Wuz und- seine guteBraut werden mir, wenn's abgedruckt ist, vonden Koketten und anderem Teufelszeuge gar aus-gelacht: glaubt Ihr denn aber, Ihr städtischendistillierten und tättowierten Seelenverkäuferin-nen, die Ihr alles an Mannspersonen messetund liebt, Ihr Herz ausgenommen, daß ich odermeine meisten Herren Leser dabei gleichgültigbleiben könnten, oder daß wir nicht alle Euregespannten Wangen, Eure zuckenden Lippen,Eure mit Witz und Begierde sengenden Augenund Eure jedem Zufall gefügigen Arme, undselber Euere empfindsamen Deklamatorien mitSpaß hingäben für einen einzigen Auftritt, wodie Liebe ihre Strahlen in dem Morgenroth desSchämens bricht, wo die unschuldige Seele sichvor jedem Aug' entkleidet, ihr eignes ausgenom-men, und wo hundert innere Kämpfe das durch-sichtige Angesicht beseelen, und kurz worin meinBrautpaar selbst agierte, da der alte lustigeKauz von Schwiegervater beider gekräuseltenund weißblühenden Köpfe habhaft wurde undsie gescheckt zu einem Kuß zusammenlenkte?Dein freudiges Erröthen, lieber Wuz: — undDein verschämtes, liebe Justine! -
Wer wird überhaupt diesen und dergleichenSachen kurz vor seinen Sponsalien schärfer Nach-denken und nachher delikater spielen als gegen-wärtiger Lebensbeschreiber selber!
Z Dukaten am Halft.