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Jean Paul Friedrich Richter.
lo's und Lenusgestalten, denen sich mein Augeansaugt — das erhabne Vaterland, für dasich das Leben hingebe, das es vorher geadelthat — das Brautbett, in das ich einsteige, allesdas ist von fremden oder eignen Fingern blos —gemalt mit Dinte oder Druckerschwärze: undwenn nur du. Du Himmlische, der ich treubleibe, die mir treu bleibt, mit der ich in ar-kadischen Julius-Nächten spatzieren gehe, mitder ich vor der untergehenden Sonne und vordem aufsteigenden Monde stehe und um derenwillen ich alle Deine Schwestern liebe, wennnur Du - wärest; aber Du bist ein Alrarblattund ich finde Dich nicht.
Dem Nil, dem Herkules und andern Göt-tern brachte man zwar auch wie mir, nur nach-boffierie Mädchen dar; aber vorher bekamensie doch reelle.
Wir müssen schon am Sonnabend ins Schul-und Hochzeilhaus gucke», um die Primissendieses Rüstlags zum Hochzeittag ein wenig vor-her wegzuhaben: am Sonntag haben wir keineZeit dazu - so ging auch die Schöpfung derWelt (nach den ältern Theologen) darum in 6Tagwerken und nicht in Einer Minute vor,damit die Engel das Naturbuch, wenn es all-mälig aufgeblättert würde, leichter zu übersehenhätten. Am Sonnabend rennt der Bräutigamauffallend in zwei oorporibus piis aus undein, im Pfarr- und im Schnlhaus, um vierSessel aus jenem in dieses zu schaffen. Erborgte diese Gestelle dem Senior ab, um denKommodalor selbst daraus zu weisen, als seinenFürstbischof, und die Seniorin als Frau Pathin'der Braut, und den Subpräfektus aus demAlumneum und die Braut selbst. Ich weiß sogut als andre, in wie weit dieser miethendeLuxus des Bräutigams nicht in Schutz zu neh-men ist; allerdings papillotirten die gigantischenMiethstühle iMenschen und Sessel schrumpfenjetzt ein) ihre falschen Rindhaar-Touren an Lehneund Sitz, mit blauem Luche, Milchstraßen vongelbe» Rägeln sprangen aus gelben Schnürenals Blitze herum und es bleibt gewiß, daß manso weich auf den Rändern dieser Stühle auf-saß, als trüge man einen Doppelstciß — wiegesagt, diesen Steiß-Luxus des Gläubigers undSchuldners hab' ich niemals zum Muster an-gepriesen ; aber auf der and'ern Seite muß dochjeder, der in den „Schulz von Paris" hinein-gesehen, bekennen, daß die Verschwendung imPalais rc>)'»> und an allen Höfen offenbar grö-ßer ist. Wie werd' ich vollends solche Metho-disten von der strengen Observanz auf die Seitedes Großvater- oder Sorgestuhls Wuzens brin-gen, der mit vier hölzernen Löwentatzen dieErde ergreift, welche mit vier Querhölzern —den Sitz-Konsolen munterer Finken und Gim-pel — gesponselt sind, und dessen Haar-Chignonsich mit einer geblümten ledernen Schwarte mehrals zu prächtig besohlet, und welcher zwei höl-zerne behaarte Arme, die das Alter wie mensch-liche , dürrer gemacht, nach einem Jnsaß aus-streckt ? . . - Dieses Fragzeichen kann manchen,weil er den langen Perioden vergessen, frappiren.
Das zinnene Tafel-Service, das der Bräu-tigam noch von seinem Fürstbischof holte, kanndas Publikum beim Auktionsproklamator, wennes anders versteigert wird, besser kennen lernen,
als bei mir: so sieh wissen die Hochzeitgäste,die Salaüiörs, die 8aueißro, die Assivtts zuKäse und die Senfdose war ein Einziger Teller,der aber vor jeder Rolle einmal abgescheuert wurde.5 Ein ganzer Nil und Alpheus schoß überjedes Stubenbrel, wovon gute Gartenerde weg-zuspülen war, an jede Bettpfoste und an denFensterstock hinan und ließ den gewöhnlichenBodensatz der Flut zurück — Sand. Die Ge-lt) setze des Romans würden verlangen, daß dasSchulmeisterlein sich anzöge und sich auf eineWiese unter ein wogendes Zudeck von Grasund Blumen streckte und da durch einen Traumder Liebe nach dem andern hindurch sänk' und15 bräche — allein er rupfte Hühner und Entenab, spaltete Kasse- und Bratenholz und dieBraten selbst, kredenzte am Sonnabend denSonntag und dekrelirte und vollzog in derblauen Schürze seiner Schwiegermutter fünfzig20 Küchenverordnungen und sprang, den Kopf mirPapillvten gehörnt und das Haar wie einenEichhörnchenschwanz empor gebunden, hintenund vorne» und überall herum: „denn ich machenicht alle Sonntage Hochzeit," sagt' er.
25 Nichts ist widriger als hundert Vorläuferund Vorreiter zu einer winzigen Lust zu sehenund zu hören; nichts ist aber süßer, als selbermit vorzureiten und vorzulaufen; die Geschäf-tigkeit, die wir nicht bloß sehen, sondern thei-lt) len, macht nachher das Vergnügen zu einer vonuns selbst gesäeten, besprengten und ausgezog-nen Frucht; und obendrein befällt uns das Herz-gespann des Paffens nicht.
Aber, lieber Himmel, ich brauchte einenOZ ganzen Sonnabend, um diesen nur zu rappor-liren: denn ich that nur einen vorbeifliegendenBlick in die Wuzische Küche — was da zap-pelt! was da raucht! — Warum ist sich Mordund Hochzeit so nahe, wie die zwei Gebote, die40 davon reden? Warum ist nicht bloß eine fürst-liche Vermählung oft für Menschen, warum istauch eine bürgerliche für Geflügel eine Parisi-sche Bluthochzeic?
Niemand brachte aber im Hochzeithaus diese45 zwei Frcudentage mißvergnügter und fatalerzu als zwei Stechsinken und drei Gimpel: dieseinhaftirte der reinliche und vogelfreundliche Bräu-tigam sämmtlich — vermittelst eines Treibjagensmit Schürzen und geworfenen Nachtmützen —50 und nöthigte sie, aus ihrem Tanz-Saale in einPaar Draht-Karlhansen zu fahren und an derWand in Mansarden springend herabzuhängen.
Wuz berichtet sowol in seiner „WuzischenUrgeschichte," als „in seinem Lesebuch für Kin-55 der mittleren Alters," daß Abends um 7 Uhr,da der Schneider dem Hymen neue Hosen undGillet und Rock anprobirte, schon alles blankund metrisch und neugeboren, war, ihn selberausgenommen. Eine unbeschreibliche Ruhe sitzt60 auf jedem Stuhl und Tisch eines neugestelllenbrillantirten Zimmers! I» einem chaotischendenkt man, man müsse noch diesen Morgen aus-ziehen aus dem aufgekündigten Logement.
Ueber seine Nacht (so wie über die folgende)65 fliegen ich und die Sonne hinüber und wir be-gegne» ihm, wenn er am Sonntage, geröthct,und elektrisirt vom Gedanken des heutigen Him-mels, die Treppe herab läuft in die anlachendeHochzeitstube hinein, die wir alle gestern mit so