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Jcan Paul Friedrich Richter.
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Heinrich kam an. Aber nach fünf dunkelnTage voll Reue und Pein sehnt' er sich zumFreunde des Vaters zurück und schmachtete,ihn durch die Erstlinge seiner Veränderungzu trösten. Der Mensch feiert seinen Geliebtenein schöneres Todtenfest, wenn er fremde Thrä-nen trocknet, als wenn er seine vergießet; undder schönste Blumen- und Cypressenkranz, denwir an theuere Grabmäler hängen können, istein Fruchtgewinde aus guten Thaten.
Er wollte erst Nachts mit seiner Schaam-röthe in die Tranerwohnung treten. Als erdurch das Wäldchen ging, stand die weiße Py-ramide des väterlichen Grabes schaucrhaft zwi-schen dem lebendigen Gezweig, wie im Blaudes reinen Himmels die graue Dampfwolkeeines zusammengebrannten Dorfes schwimmt.Er lehnte das sinkende Haupt an die hartekalte Säule und konnte nur dumpf und sprach-los weinen, und im dunkeln mir Martern an-gefüllten Herzen war kein Gedanke sichtbar.Hier stand er verlassen; keine sanfte Stimmesagte: weine nicht mehr! Kein Batcrherzzerschmolz und sagte: du bist genug gestraft.Das Rauschen der Gipfel schien ein Zürnenund die Dunkelheit ein Abgrund. Dieses soUnwiederbringliche im Verlust lagerte sich wieein Meer weit um ihn, das niemals rückt undniemals fällt.
Endlich erblickte er nach dem Fall einerThräne einen sanften Stern am Himmel, dermilde wie das Auge eines himmlischen Geisteszwischen die Gipfel hereinblickte; da kam einweicherer Schmerz in die Brust, er dachte anden Schwur der Besserung, -den der Tod zer-
rissen hatte, und nun sank er langsam auf dieKnie und blickte zum Stern hinauf und sagte:„O Vater, Vater ! (Und die Wchmuth erdrücktelange diestt Stimme) Hier liegt dein armes Kind5 an deinem Grabe und schwöret dir — Ja, rei-ner frommer Geist, ich werde anders werden;nimm mich wieder an! — — Ach könntest duei» Zeichen geben, daß du mich gehöret hast!"10 Es rauschte um ihn; — eine langsame Ge-stalt schlug die Zweige zurück — und sagten„ich habe dich gehört und hoffe wieder!" Es^war sein Vater.
Das Mittelding -zwischen Tod und Schlaf,15 die Schwester des Todes, die Ohnmacht hattewie ein gesunder tiefer Schlummer ihm dasLeben wieder bescheert; und er war dem Todewieder entgangen. Guter Vater! und hätteder Tod dich in den Glanz der zweiten Welt2» getragen, dein Herz hätte nicht froher zitternund süßer überströmen können als in dieserAufcrstchungsminute, wo dein vom schärfstenSchmerze umgeänderter Sohn mit dem bessernan deines sank und dir die schönste Hoffnung25 eines Vaters wieder brachte?
Aber indem der Vorhang dieser kurzenScene fället, so frag' ich euch, geliebte jungeLeser: habt ihr Eltern, denen ihr die schönsteHoffnung noch nicht gegeben habt? O dann30 erinnere ich euch wie ei» Gewissen daran, daßeinmal ein Tag kommen wird, wo ihr keinenTrost habt und wo ihr ausruft: „Ach sie ha-ben mich am meisten geliebt, aber ich ließ sieohne Hoffnung sterben und ich war ihr letzter35 Schmerz!"
IV. Die Ncikjahrsnacht eines Unglücklichen.
„Ein alter Mann stand in der Neujahr-mitternacht am Fenster und schauete mit demBlick einer langen Verzweiflung auf zum un-beweglichen ewig blühenden Himmel und herab 45auf die stille reine weiße Erde, worauf jetztniemand so freuden- und schlaflos war als er.Denn sein Grab stand nahe an ihm, es warblos vom Schnee des Alters, nicht vom Gründer Jugend verdeckt, und er brachte nichts mit 50aus dem ganzen reichen Leben, nichts mit alsIrrthümer, Sünden und Krankheit, einen ver-heerten Körper, eine verödete Seele, die Brustvoll Gift und ein Alter voll Reue. Seineschönen Jugendtage wandten sich heute als Ge- 55lpenster um und zogen ihn wieder vor denhellen Morgen hin, wo ihn sein Vater zuerstd»f den Scheideweg des Lebens gestellt, derRechts auf der Sonnenbahn der Tugend in einTeiles ruhiges Land voll Licht und Ernten und ooEngel bringt, und welcher links in dieastaulwurfgänge des Lasters hinabzieht, in eine
schwarze Höhle, voll heruntertropfcndem Gift,zielender Schlangen und finsterer schwülerdämpfe.« 65
„Ach, die Schlangen hingen um seine Brustad die Gifttropfen auf seiner Zunge und er'«üble nun, wo er war."
„Sinnlos und mit unaussprechlichem Grame
rief er zum Himmel hinauf: gib mir die Ju-gend wieder! O Vater, stelle mich auf denScheideweg wieder, damit ich anders wähle!"
„Aber sein Vater und seine Jugend warenlängst dahin. Er sah Irrlichter aus Sümpfentanzen und auf dem Gottesacker erlöschen under sagte: es sind meine thörichten Lage. - Ersah einen Stern aus dem Himmel fliehen undim Falle schimmern und auf der Erde zerrin-nen : „Das bin ich, sagte sein blutendes Herzund die Schlangenzähne der Reue gruben da-rin in den Wunden weiter."
„Die lodernde Phantasie zeigte ihm schlei-chende Nachtwandler auf den Dächern und dieWindmühle hob ihre Arme drohend zum Zer-schlagen auf und eine im leeren Todtenhausezurückgebliebene Larve nahm allmälig seine Zü-ge an."
„Mitten in den Krampf floß plötzlich die Mu-sik für das Neujahr vom Thurm hernieder wieferner Kirchengesang. Er wurde sanfter be-wegt — er schauete um den Horizont herumund über die weite Erde und er dachte an seineJugendfreunde, die nun, glücklicher und besscrals er, Lehrer der Erde, Vater glücklicher Kin-dbs und gesegnete Mensche» waren und er sagte:o ich konnte auch, wie ihr, diese erste Nachtmit trocknen Augen verschlummern, wenn ich