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August Wilhelm vou Schlegel.
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Tiefe halte. Dieser hieß das Logeum, auf La- gegen die Orchestra zu halle, und die allerlei
leinisch pulpitum, und dessen Mitte war die »ach Beschaffenheit der Umstände bedeuten konnte,
gewöhnliche Stelle für die redenden Personen. Der Eintritt mit Bezug auf die Seitendecora-
Hinler dieser Mitte ging die Scene hineinwärts, tionen erklärte also schon, von woher die Schau-in viereckiger Form, jedoch mit weniger Tiefe 5 spieler als kommend gedacht werden mußten;
als Breite. Der davon umfaßte Raum hieß natürlich konnten auch die Hauptpersonen in dem
das Proscenium. Der übrige Theil des Logeum, Fall sein, sich der beiden zuletzt erwähnten Ein-
rechts und links von der Scene, halle, so wie gänge bedienen zu müssen. Aus der Lage dieser
vorn den zur Orchestra hinuntergehenden Rand, Eingänge muß man sich manche Stelle in den
so hinter sich eine nicht scenisch, sondern bloß 10 alten Dramen erklären, wo die in der Mitte
architektonisch verzierte oder auch ganz einfache stehenden Personen lange zuvor jemand kom-
Mauer, welche bis zu gleicher Höhe mit den men sehen, ehe er sich ihnen nähert,obersten Stufen für die Zuschauer reichte. Unter den Sitzen der Zuschauer war irgend-
Die Decoralion war so eingerichtet, daß wo eine Stiege angebracht, welche die Charo-der nahe liegende Hauptgegenstand den Hinter- 15 nische hieß, und wodurch, den Zuschauern un-grund einnahm, und die Aussichten in die Ferne bemerkt, die Schatten Abgeschiedener in diezu beiden Seiten angebracht waren, da man es Orchestra herauskamen, die sich dann durch denbei uns geradezu umgekehrt zu machen pflegt. Aufgang auf die Bühne begaben. Der vordereDies halle auch seine gewisse Regel: links war Rand des Logeum mußte zuweilen das Ufer desdie Stadt abgebildet, wozu der Pallast, Tempel 20 Meeres vorstellen- Ueberhaupt wußten die Grie-oder was sonst die Mitte einnahm, gehörte; chen, was jenseits der scenischen Dekoration lag,rechts das freie Feld, Landschaft, Gebirge, See- dennoch für sie zu benutzen und mitspielen zuküste u. s. w- Die Seitendecorationen waren lassen. So zweifle ich nicht, daß in den Eu-aus Dreiecken zusammengesetzt, welche sich auf meniden die Zuschauer zweimal als versammel-einer unten befestigten Are drehten, und auf 25 tes gegenwärtiges Volk angeredet worden : ein-diese Art Verwandlungen der Scene bewerkstel- mal von der Pylhia, wie sie die Hellenen auf-ligen konnten.'! Bei der Hintern Decoralion fordert, sich zu Befragung des Orakels zu
war vermuthlich manches körperlich ausgeführt, melden; das zweikemal, wie Pallas durch den
was bei uns nur gemahlt wird. Stellte sie Herold bei dem zu haltenden Gericht Stille ge-
einen Pallast oder Tempel vor, so befand sich 30 bieten läßt. So wurden die häufigen Anreden
auf dem Proscenium noch ein Altar, der bei an den Himmel unstreitig gegen den wirklichender Aufführung der Stücke zu mancherlei Ge- Himmel gerichtet, und wenn Electra beim er-brauch diente. sten Hervortreten ausruft: „O heiliges Licht
Die Dekoration war in den meisten Fällen und der Erde gleich verbreitete Luft!" so hatarchitektonisch, oft aber auch wahre Landschaft- 35 sie sich vielleicht gegen die eben aufgehendemaleret, wie im Prometheus, wo sie den Kau- Sonne gewandt. Dies ganze Verfahren ist sehr
kasus, oder im Philoctet, wo sie die wüste In- zu loben; neuere Kunstrichter möchten zwar
sel Lemnos und den Felsen mit seiner Höhle die Vermischung des Wirklichen und Nachge-
vorstellte. Aus einer Stelle des Plato erhellet, ahmten tadeln, als der Täuschung nachlheilig,daß die Griechen es in den Täuschungen der 40 allein sie mißverstehen das Wesen der Täuschung,theatralischen Perspektive viel weiter gebracht in so fern eine künstlerische Darstellung sie be-halten, als man ihnen nach einigen schlechten zwecken wollen kann. Soll ein Gemählde ei-
in Herculanum entdeckten Landschaften hat zu- gentlich täuschen, d. h. das Gesicht betrügen
gestehen wollen. als wirklich, so muß man seine Gränzen nicht
An der Hinterwand der Scene war ein gro- 45 sehen, sondern es durch irgend eine Oeffnungßer Haupleingang und zwei Nebeneingänge be- erblicken; der Rahmen erklärt es gleich für einsindlich. Nach den Angaben hat man daran Gemälde. Bei der scenischen Verzierung ist es
schon sehen können, ob der Schauspieler eine nun unvermeidlich eine dem Rahmen ähnliche
Haupt- oder Nebenrolle zu spielen hatte, daß Veranstaltung anzubringen, nämlich eine archi-
er in jenem Falle durch den mittleren, in die- 50 tektonische Einfassung. Es ist also weit besser,sem durch einen der Seitengänge hereinkam. dies nicht verkleiden zu wollen, sondern mitAllein dieß muß mit Unterscheidung verstanden Verzichlleistung auf jene Art von Täuschung,werden, daß es sich nach der Anordnung der wo es sonst Vortheil bringt, über die GrenzenStücke gerichtet haben wird. Da die Hinter- des Verzierten eingestandener Weise hinauszu-decoracion häufig ein Pallast war, in welchem 55 gehen. Ueberhaupt war es griechischer Grund-die königlichen Hauptpersonen wohnten, so ka- satz, von allem auf der Bühne Nachgebildetenwen diese natürlich durch die große Thür, da entweder eine gründliche Darstellung zu verlan-Bediente hingegen in Nebengebäuden wohnten. gen, oder, wo diese nicht möglich war, sich mitEs gab aber noch zwei andere Eingänge: der bloß symbolischen Andeutungen zu begnügen,eine war am einen Ende des Logeum, von wo- 60 Das Maschinenwerk, um Götter in der Lufther die Bewohner der Stadt kamen; der andre Herabschweben zu lassen, oder Menschen von der
Unten an der Orchestra, dies war die Seite Erde zu entrücken, war oben hinter den Mau-
für solche, die aus der Ferne kommen sollten: ern zu beiden Seiten der Scene angebracht, und
sie stiegen eine Treppe hinauf, welche das Logeum also den Augen der Zuschauer entzogen. Schon
1) Nach einer Anmerkung des Scrvius znm Virgil geschah die Verwandlung der Scene theils durch Umdrehe»,'Heils durch Wegziehe». Jenes gilt von den Seitcndckorationen, dieses von der mittleren des Hintergrundes. Esöffnete sich nämlich die Bretterwand in der Mitte, verschwand zu beiden Seiten, und ließ ein inneres neneö Ge-Uiälde erblicken Doch wurden nicht immer alle Theile der Scene zugleich verwandelt.