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Ängust Wilhelm von Schlegel.
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Anfang bis zu Ende in derselben Verfassung,wie wir sie an den in Stein gehauenen antikenMasken sehen können. Für den Ausdruck derLeidenschaft blieben die Blicke, die Bewegungender Arme und Hände, die Stellungen, endlichder Ton der Stimme übrig. Man beklagt denVerlust des Mienenspicls, ohne zu bemerken,daß es bey der großen Entfernung dennochwürde vcrlohren gegangen se»?n.
Davon ist hier nicht die Frage, ob nichtohne Masken eine höhere abgesonderte Ausbil-dung der Mimik Start finden könne, welchesman gern bejahen mag. Zwar redet Cicerovon der Bedeutsamkeit, Anmuth und Feinheitim Spiel des Roscius, wie ei» neuerer Kunst-kenner nur irgend an den Darstellungen einesGarrik oder Schröder alles dieß entwickelnkönnte. Allein ich will mich nicht aus diesendurch seine Vortrefflichkeit zum'Sprichwort ge-wordenen Schauspieler berufen, weil aus einerStelle Cicero's hervorgehet, daß er häufig ohneMaske gespielt, und daß seine Zeitgenossen dießvorgezogen. Ich zweifle, ob dieß je bey denGriechen geschehen ist. Derselbe Schriftstellererzählt aber, wie die Schauspieler überhaupt,um zu vollkommner Reinheit und Biegsamkeitder Stimme zu gelangen fund zwar nicht bloßder Singstimme, sonst hätte das Beyspiel demRedner nicht taugen können), sich anhaltendsolchen Uebungen unterzogen, welche unsernheutigen Schauspielern, selbst den französischen,die noch am meiste» Schule haben, eine uner-hörte Aumuthung dünken würden. Für dieDarlegung mimischer Künstler-Fertigkeit fürsich allein ohne den Vertrag der Worte habendie Alten wohl durch ihre Pantomimen in einerden Neueren ganz unbekannten Vollkommenheitgesorgt. Bey der Tragödie war aber strengekünstlerische Unterordnung die Hauptsache: dasGanze sollte von Einem Geiste beseelt seyn,und deswegen ging nicht bloß die Dichtung,sondern auch die musikalische Begleitung, diescenische Verzierung und Darstellung von demDichter selbst aus. Der Schauspieler war bloßWerkzeug, und sein Verdienst bestand in derGenauigkeit, womit er seine Stelle ausfüllte,gar nicht in willkührlicher Bravur und demPrunk besondrer Meisterschaft.
Weil man wegen der Beschaffenheit derSchreibmaterialien noch nicht die Bequemlich-keit des häufigen Abschreibens hatte, so wurdendie Rollen durch wiederhohltes Vorsagen desDichters einstudirt, und der Chor ebenfalls aufdiese Weise geübt. Dieß hieß ein Stück lehren.Da der Dichter zugleich Musiker, meistens auch
Schauspieler war, so mußte es zur Vollkom-menheit der Ausführnng viel beytragen.
Die größere Schwierigkeit der Aufgabe desheutigen Schauspielers, der sein Individuum5 verwandeln soll, ohne es verstecken zu dürfen,kann man leicht eingestehen; allein sie giebtkeinen ächten Maaßstab der Kunstbeurlheilungab, nach welchem doch wohl die Ausstellungdes Edelsten und Schönsten den Vorzug ver-10 dienen möchte.
Wie die Züge des Schauspielers durch dieMaske entschiedener bezeichnet wurden, wie seineStimme durch eine darin angebrachte Vorrich-tung verstärkt ward, so erhöhere der Cothurn,15 der aus mehrern beträchtlichen Unterlagen un-ter den Sohlen bestand, wie man sie noch anantiken Bildnissen der Melpomene sieht, seineGestalt über das gewöhnliche Maaß. Auch dieFranenrollen wurden von Männern gespielt,20 da weibliche Haltung und Stimme nicht hin-gereicht hätte, die tragischen Heldinnen mit demgehörigen Nachdruck auszustatten.
Die Formen der Masken lernt man an denauf uns gekommenen Nachbildungen in Stein25 kennen. Sie sind zugleich schön und mannich-faltig. Daß eine große Mannichfaltigkeir auchim tragischen Fache sim komischen versteht essich von selbst) Statt gefunden habe, davon mußuns der reiche Lorrath von Kunstausdrücken,30 welche die griechische Sprache für alle Abstu-fungen des Alters und Charakters der Maske»darbietet, überzeugen. Was man aber an denmarmornen Masken nicht sehen kann, ist diedünne Masse, woraus die wirklichen gearbeitet35 waren, die zarte Färbung und die geschickteAnfügung. Der Ueberfluß Athens an vortreff-lichen Arbeitern in allem, was auf die bildendenKünste Bezug hat, läßt uns vermuthen, daßsie hierin unübertrefflich gewesen seyen. Wenn40 man beym römischen Carnaval die vor kurzemaufgekommenen wächsernen Masken im edlenSlyl, welche zum Theil auch den ganzen Kopfumschließen, gesehen hat, so kann man sich ziem-lich eine Vorstellung von den theatralische» der45 Alken machen. Jene ahmen das Leben bis aufdie Bewegung meisterlich nach, und täuschenin der Entfernung, wo man etwa die Schau-spieler sah', vollkommen. Auch ist an ihnenimmer das Weiße des Augapfels befindlich, wie50 wir es an den Antiken in Marmor sehen, undder Verlarvle sieht bloß durch die für den Au-genstern gelassene Oeffnung. Die Alten müssenzuweilen noch weiter gegangen seyn, und derMaske sogar eine Iris eingefügt haben, nach55 der Angabe, der Sänger Thamyris, vermuth-
uäinlich) ne fält pnroitro ->on »ntours -mr .1.-^ .spannn ü'nolnmnon, tu rintijzo ,'ou vi't <l'»n mangno, gai oxsirln,« I.»Couleur il'u» ,'<>ts nt In )»>>' so l'nntro. Bey der gewissenhaften Nachforschung, auf welche Zeugnisse sich eine so^cift ausgesprochene allen Glauben übersteigende Angabe gründen möchte, finde ich durchaus nichts als eine Stellekch», Quiuctiliau lab. XI. ca,>. 1, »nd eine noch unbestimmtere Andeutung des PlatoniuS. lS. 4rmt»p>>. mt. xüntor.deolngttin. X.) Beyde Stellen beziehen sich bloß auf die neuere Komödie, und geben nur an, daß in einigen Rol'leii die Augcnbraunen ungleich gewesen. In welcher Absicht dieß Statt gefunden haben mag, darüber werde ichweiter nntcn bey der neueren griechischen Komödie noch ein Wort sagen. Voltaire bleibt dennoch obne Entschuldi-gung, da die Erwähnung des Kothurns keinen Zweifel übrig läßt, daß er von den tragischen Maske» hat spreche»Zollen. Auch hatte wohl schwerlich sein Irrthum einen so gelehrten Ursprung. Cs dürfte bey Voltaire in denNteiftcn Fallen eilte brvdlvse Mühe seyn, den Duellen seiner Unwissenheit nachzuspüren. Jene ganze Beschreibungdb griechischen Tragödie so wie die dcS Kothurns insbesondre, ist des Altcrthilmskcniicrö würdig, der sich rühmt linAbhandlung über das Trauerspiel, vor seinem Brutus) den römischen Senat in rothen Mänrel n ans dieühnc gebracht zu haben.