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August Wilhelm von Schlegel.
lich in einem Stücke des Sophokles, sep miteinem schwarzen Auge erschienen. Auch Zu-fälligkeiten wurden nachgeahmt, z. B. die mitBlut unterlaufenen Wangen der Tyro, von denMißhandlungen ihrer Stiefmutter. Freylichmußte der Kopf durch die Maskenbekleidungetwas groß gegen die Höhe der Figur ausfallen:jedoch wurde dieß Mißverhältniß, bey den tra-gischen Schauspielern wenigstens durch die Er-höhung des Colhurns wieder gehoben.
Die ganze Erscheinung der tragischen Fi-guren kann man sich nicht leicht schön und wür-dig genug denken. Man wird wohl thun, sichdabey die alte Sculptur gegenwärtig zu erhal-ten, und vielleicht ist es das treffendste Bildsich jene als belebte, bewegliche Statuen im gro-ßen Styl zu denken. Nur da die Sculptur sogern sich der Bekleidung entledigte, um diewesentlichere Schönheit des Körpers abzubilden,wird die scenische Plastik dem entgegengesetztenGrundsätze gefolgt seyn, so viel möglich zu be-kleiden; so wohl der Anständigkeit wegen, alsweil die wirklichen Formen des Körpers nichtedel und schön genug gegen die des Gesichtsgewesen wären. Man wird also auch diejenigenGottheiten, welche die Sculptur immer ganzoder halb entkleidet bilden, in vollständiger Be-kleidung haben auftreten lassen. Unter dieserwandte man aber mancherley Mittel an, dieFormen der Glieder aus die geschickteste Artscheinbar zu verstärken, und so in der künstlichvergrößerten Gestalt des Schauspielers dasEben-maaß herzustellen.
Die große Breite des Theaters im Verhält-niß zu der geringen Tiefe mußte der Gruppi-rung der Figuren die einfache und einleuchtendeAnordnung des Basrelief geben. Wir ziehenauf der Bühne wie überall die mehr gedrängten,sich selbst zum Theil deckenden und in die Fernefliehenden mahlerischen Gruppen vor; die Altenhingegen liebten die Verkürzungen so wenig,daß sie sogar in ihrer Mahlerey sie meistensvermieden. Die Bewegungen begleiteten denRhythmus der Deklamation, und es wurde da-rin die höchste Schönheit und Anmuth gesucht.Der poetischen Behandlung gemäß mußte indem Spiel Ruhe seyn, und alles in Massen ge-halten werden, so, daß es eine Folge plastischfestgehaltener Momente darbot, und der Schau-spieler vermuthlich nicht selten einige Zeit langin derselben Stellung unbeweglich verweilte.Doch darf man ja nicht denken, als, ob dieGriechen sich deswegen mit einer kalten kraft-losen Darstellung der Leidenschaften begnügthätten: dieß würde damit schlecht übereinge-stimmt haben, daß oft ganze Zeilen der Tra-gödien unarticulirten Ausrufen des Schmerzesgewidmet sind, für die unsre heutigen Sprachenkeine entsprechenden haben.
Ich habe verschiedentlich die Vermuthunggelesen, der Vortrag des Dialogs möchte un-serm heurigen Recitativ ähnlich gewesen seyn.Das einzige, worauf sich dieß gründen läßt, ist,daß die griechische Sprache, so wie die südlichenüberhaupt, mir mehr musikalischen Biegungender Stimme als unsre nordischen Sprachen vor-getragen worden seyn muß. Sonst aber, glaubeich, wird ihre tragische Declamalion durchausdem Recitativ unähnlich gewesen seyn; auf ver-
einen Seile viel abgemessener, auf der andernweit entfernt von dessen gelehrten und künst-lichen Modulationen.
So wird auch auf die allgemeine Angabe2 hin, die alte Tragödie sey mit Musik und Tanzbegleitet gewesen, noch oft die Verglcichungzwischen ihr und der Oper erneuert, welche dochdie unpassendste von der Welt ist, und vongänzlicher Unbekanntschaft mit dem Geiste des10 classischen Alterthumes zeugt. Jener Tanz,jene Musik haben mit dem, was bey uns soheißt, nichts als den Namen gemein- In derTragödie war die Poesie die Hauptsache: allesübrige war nur dazu da, ihr, und zwar in der15 strengsten Unterordnung zu dienen. In derOper hingegen ist die Poesie nur Nebensache,Mittel das übrige anzuknüpfen ; sie wird unterihren Umgebungen fast ertränkt. Die besteVorschrift für einen Opertext ist daher, eine20 poetische Skizze zu liefern, deren Umrisse nach-her durch die übrigen Künste ausgefüllt undgefärbt werden. Diese Anarchie der Künste, daMusik, Tanz und Dekoration durch Verschwen-dung ihrer üppigsten Reize sich gegenseitig zu25 überbieten suchen, ist das eigentliche Wesen derOper. Welch eine Opermusik wäre das, welchedie Worte mit den einfachsten Modulationenbloß rhythmisch begleitete? In dem schwelge-rischen Wetteifer der Darstellungsmittel, u>30 der Verwirrung des Ueberfluffes liegt geradeder fantastische Zauber. Dieser würde durch An-näherung an die Strenge des antiken Geschmacksin irgend einem Punkte, wäre es auch nur imCostum, gestört werden; denn nun wäre jene35 Buntheit in allem übrigen auch nicht zu dulden-Vielmehr passen sich für die Oper glänzende,mit Flitterputz überladene Trachten: dadurchwerden so manche gerügte Unnatürlichkeicen,z. B. daß die Helden in der höchsten Lerzwei-40 felung mit Koloraturen und Trillern abgehn,wieder gehoben. Es sind keine wirklichen Men-schen , sondern eine seltsame Art singenber Ge-schöpfe bevölkert diese Fcenwelt. Auch schadetes nicht, daß die Oper uns in einer meist nicht45 verstandene» Sprache vorgetragen wird: dcrText geht ja ohnehin in solcher Musik verlohren,es kommt bloß darauf an, welche Sprache dietönendste und wohllautendste ist, die für deeArien am meisten offene Vocale und lebhafte50 Accente für das Recitativ hat. Man würde alsoeben so Unrecht haben, wenn man die Ope-der Einfachheit der griechischen Tragödie an'nähern wollte, als es verkehrt ist, diese mit 1--ner zu vergleichen. ,
55 Bey der syllabischen Composition, tvelm 'damals wenigstens in der griechischen M»Idurchgängig galt, hat der feyerliche Chorgesa"^dessen Anmuth wir uns an manchen, desa»dgottesdienstlichen, so kunstlos scheinenden a60 kionalgesängcn einigermaßen vorstellen könn -ohne andre Begleitung von Instrumentendie einer einzigen Flore, gewiß die Deutli«
der Worte nicht im mindesten verdunkelt. »v ^die Chöre und die lyrischen Gesänge über» ^65 sind der schwerverständlichste Theil der aTragödie, und mußten es auch für die « ^bcndcn Zuhörer seyn. Es kommen dar»'verschlungenstcn Wortfügungen, die Cs"'Ausdrücke, die kühnsten Bilder und Anspielt» v