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Friedrich von Schlegel.
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auf ihre Werke, so hieß e6: unwissende Möncheseien sie gewesen, welche keine Geschichte schrei-ben konnten, weit sie die Welt nicht kannten.Die beste Lage für einen Geschichtschreiber istaber gerade eine solche, wo er wohl Gelegen-heit hat, die Welt und ihre Geschäfte aus Er-fahrung kennen zu lernen, aber doch auch wie-der unabhängig von ihr ist, und die Freiheit
behält, sich zurückzuziehen aus dem Gedrängedes Lebens, und die Begebenheiten ruhig alsbloßer Zuschauer zu beobachten. Gerade indieser Lage befanden sich mehrere von jenen Ge-schichtschreibern, deren Werth jetzt, je mehr dasStudium der Geschichte selbst fortgeschritten ist,auch wieder fast allgemein anerkannt wird, be-sonders derer aus der Zeit der sächsischen Kaiser,
«II Einfluß der Libel aus die Literatur — Dante.
Betrachte» wir die Bibel nach dem großenEinfluß, welchen sie auf die gesammle Littera-tur und Poesie des Mittelalters und der neuernZeit wirklich gehabt hat, oder auch nach denWirkungen, welche sie als ein Buch, und inRücksicht der äußern Form auf Sprache, Kunstund Geist der Darstellung, haben mußte, undan sich haben könnte, so sind vorzüglich zweiEigenschaften daran auffallend. Die erste istdie Einfalt des Ausdrucks, die Entfernung vonaller Künstelei. Zudem alle diese Schriften vor-züglich oder fast ausschließend von Gott undvon dem innern Menschen handeln, ist der Aus-druck doch überall durchaus lebendig, es findetsich nirgends, was man eigentlich Metaphysiknennen könnte, jene Zergliederungen und Ge-gensätze, rodle» Begriffe und leeren Abstrak-tionen, von denen die Philosophie aller Völker,von den Jndiern und Griechen bis auf dieneuern Europäer, sich niemals frei erhaltentonnte, so oft sie es unternahm, jene höchstenGegenstände alles Nachdenkens, Gott und denMenschen, mit ihren eigenen Kräften ergreifenund darstellen zu wollen. Sie konnte dem an-geerbien Uebel unauflöslicher Verwirrung, undeines stets mit sich selbst streitenden Denkens undder Lerstandeskünstelei auch dann nicht entge-hen, wenn sie, um ihm zu entfliehen, jenenhohen Fragen und Gegenständen entsagend, sichganz in die Sinnenwell zurückwarf, oder indas Bekenntniß der Unwissenheit einhüllte.Dieselbe Einfalt und Entfernung von Künste-lei zeichnet auch den poetischen Lheil der hei-ligen Schrift aus, so reich die dichterilchcn Bü-cher desselben auch an schönen und besondersan erhabenen Zügen sind. In Rücksicht aufdie kunstreiche Form und Entfaltung kann dieEinfall dieser heiligen Poesie der Hebräer aufkeine Weise mit dem Reichthum der griechischenDarstellungen verglichen werden. Dagegengränzlin diesen, an die vollkommenste Blüthe derSchönheit fast immer unmittelbar schon dieEntartung, und der höchsten Vollendung derKunst folgt nicht selten, ja meistentheils einüppiger und ausschweifender Geschmack, der sichin überflüssigem Schmuck, in Ueberladungenund in Künsteleien gefällt. Es liegen vieleGründe in der Einbildungskraft des Menschen,in seiner ganzen Sinnesart, und in dem Gangeseiner Neigungen und Gefühle, um diese all-gemeine Erscheinung in der Kunstgeschichte her-beizuführen und zu erklären; viele Einflüsse,welche auf die zarte Blume der Schönheit,wenn sie kaum entfaltet ist, verderblich einwir-kn und sie im Innersten vergiften, und welche
15 den edlen Ausdruck, wo er auch schon wirklicherreicht war, sofort wieder verfälschen und inKünstelei verkehren. Daher sind auch die christ-lichen Dichter der neuern Zeit, welche die Poesieder heiligen Schrift für ihre Dichtung benutzt,20 oder zum Vorbilde genommen haben, Dante,Lasso, Milron und Klopstock, ihrem Vorbildeweit mehr durch einzelne Züge von Erhabenheilähnlich, als daß sie ihm in Rücksicht jener ed-len Einfalt und Entfernung von aller Künste-25 Ici durchaus gleich kämen. Eine zweite unter-scheidende Eigenschaft der Schrift in Rücksichtauf die äußere Form und Darstellungsweise,welche den größten Einfluß auf unsere neuereSprache und Poesie gehabt har, ist die durch-30 gehende Bildlichkeit und Sinnbildlichkcir, dienicht bloß in den dichterischen, sondern auch inden lehrenden und geschichtlichen Büchern undAbschriften herrscht. Bei den Hebräern kannman sie zum Lheil als eine nationale Eigen-35 schaft betrachten, welche mehrern orientalischenVölkern, wie den nächsten Stammverwandtender Hebräer, den Arabern, mir ihnen gemeinist. Das Verbot einer sinnlichen Abbildungder Gottheit, konnte bei den Hebräern dazu40 beigetragen haben diesen Hang zu verstärken,weil die Einbildungskraft auf der einen Seilebeschränkt, desto mehr auf der andern einenfreien Ausweg sucht. Eben dieselbe Wirkunghat das Verbot bildlicher Darstellung bei den45 neuern Mahomedanern hervorgebracht. Woaber auch jene orientalische Bildlichkeit und ei-gentliche Poesie viel weniger oder gar nichtStatt findet, wie in den christlichen Büchern derSchrift, da ist gleichwohl ein sinnbildlicher sym-50 bolischer Geist herrschend. Dieser hat seinenEinfluß lief eingreifend und allgemein über dieganze Denkart und Geistesbildung aller christ-lichen Völker verbreitet. Durch diesen symbo-lischen Geist, und den daher erzeugten Hang55 zur Allegorie, ist die Bibel für die Poesie undbildende Kunst des Mittelalters, ja auch derneueren Zeit auf andere Weise dasselbe gewor-den, was Homer für das Alterthum: Quelle,Norm und Ziel aller bildlichen Ansichten und60 Dichtungen. Freilich, wo der tiefere Sinnjener sinnbildlichen Geheimnisse nicht vollkom-men verstanden ward, oder wo der Zweck undGedanke, welchem das Symbol diente, nichtmehr so ernst und heilig blieb, entartete dieser65 Hang sehr oft in eine bloß willkührliche, mitBegriffen spielende und inhaltsleere Allegorie;weil sinnreicher Schmuck leichter ist als edleEinfalt, und auch die glänzendste Kunst un-gleich gewöhnlicher, als die Tiefe der Wahrheit.