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Friedrich von Schlegel.
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klärt und erläutert, aber nicht das Werk selbstund der Geist des Ganzen, sondern nur einzelneStellen aus ihm sind in lebendiger Wirkunggeblieben. Kein anderer Dichter seiner Nationkommt ihm an kühnen und große» Zügen, in 5Schilderung des Charakters und der Leiden-schaften auch nur von ferne gleich, und keinerhat den italienischen Geist und Charakter sotief ergriffen und so sprechend darzustellen ge-wußt. Das einzige, was man in dieser Hin- 10ficht an ihm vermissen, oder tadelhast findenkönnte, ist die überall verbreitete ghibellinischeHärte. Es zeichnete diese im spätern Mittel-alter für die überwiegende Allgewalt der welt-lichen Herrschaft kämpfenden Ghibellinen, ein 15ganz eigner stolzer, hochfahrender Geist und einefast grausame Strenge und Härte des Gemüthsaus, welche man aus den Geschichten und Denk-mahlen jener Zeit kennen muß, um sich einenBegriff davon zu machen. Auch die späternZeilen bis aus die unsrige haben ihre Ghibelli-nen gehabt, die alles Heil der Menschheit voneiner bloß auf das Weltliche gerichteten Herr-schaft erwarten, und die Macht des Unsichtba-ren läugnen möchten, die sich doch immer zurrechten Zeit fühlbar macht und deutlich ansLicht tritt; aber diese Ghibellinen einer spätern
überfeinerten Zeit zeichnen sich mehr durch dieBiegsamkeit und die Bereitwilligkeit aus, mitwelcher sie wie eine weiche Masse den Stempelannehmen, den eine überlegene Kraft ihnenaufdrückt, die ihnen um so größer und herrli-cher erscheint, je mehr sie sich auch durch zer-störende Wirkungen bewährt. Von ähnlicherHerrschbegier entbrannt, war unter jenen altenGhibellinen Stolz und heroische Kraft zu all-gemein verbreitet, es waren der Kämpfer, diegegeneinander standen, und der großen Charak-tere, die sich einer den andern hemmten, zuviele, als daß der Erfolg ein solcher hätte seinkönnen. Es entstand nur eine kraftvolle Anar-chie, ein allgemeines Ringen und Gähren ge-waltiger Charaktere und Kräfte, aber zunächstnoch nicht die gleichförmige Erschlaffung, welchenicht bloß Folge und Nachwirkung, sondern auchveranlassende Gelegenheit und mitwirkende Ur-sache des Despotismus ist. Immer aber bleibtdie ghibellinische Härte, welche sich im Dantegewiß in einer nicht unedlen, und wohl erha-benen Gestalt darstellt, am Dichter ein Tadel,da sie nicht bloß auf die äußere Schönheit und25 Form, sondern auch auf die innere Schönheitund Gefühlsweise ihren rauhen Einfluß er-streckt.
Luther und seine Bibelübersetzung -
Zwar hat das sechzehnte und siebzehnteJahrhundert nur wenige ausgezeichnete Schrift- 35steller in deutscher Sprache hervorgebracht, aberdiese wenigen sind desto merkwürdiger und au-ßerordentlicher. Wie die alte Ritterpoesie unddie Kunst des Mittelalters in den Streitigkei-ten des sechszehnten Jahrhunderts in Vergessen- 40heit gerathen, wie in den Bürgerkriegen dieses,und des siebzehnten Jahrhunderts selbst dieSprache verwildert sei, das ist schon erwähntworden. Was noch ein Gegenmittel gegen dieseeinreihende Verwilderung gewährte und einen 45Ersatz für den Verlust alles Allen wenigstensin der Sprache, das war die deutsche Bibel-übersetzung. Es ist bekannt, daß alle gründli-chen Sprachforscher diese als die Norm undden Grundiert eines in hochdeutscher Sprache 50klassischen Ausdrucks ansehen, und nicht bloßKlopstock, sondern noch viele andere Schrift-steller von der ersten Größe haben ihren Stylvorzüglich nach dieser Norm gebildet, und ausdieser Quelle geschöpft. Es ist bemerkenswerth, 55daß überhaupt in keine neuere Sprache so vielebiblische Wendungen und Ausdrücke ausgenom-men worden und ganz ins Leben übergegangensind, wie in die deutsche- Ich stimme denjeni-gen Sprachforschern vollkommen bei, welche, 60dies für sehr glücklich hallen, und glaube ebendaher einen Theil von der fortdauernd sich er-haltenden geistigen Kraft, dem Leben und derEinfalt herleiten zu müssen, welche das Deutschein unsern besten Schriften vor allen andern 65neuern Sprachen so sichtbar auszeichnen- Wasder Katholik, was der neuere protestantischeGelehrte an Luthers Bibelübersetzung zu tadelnfindet, betrifft in der That nur einzelne Stel-
Hans Sachs — Jakob Böhme.
lcn, wo er entweder nach seinem besondernSinn, anders als die alten Lehrer der Kirchees verstanden, gedeutet und übersetzt hat, oderauch für das Einzelne geschichtliche, naturhisto-rische, geographische und andere Hülfsmittelzum richtigen Verständniß entbehrte- Je mehrman aber in der neuern Zeit vor etwa dreißigJahren die Versuche wiederholte, auch die Bi-bel durch vernünftig auflösende Uebersetzungenin ein Noth- und Hülfsbüchlein der Aufklärungzu verwandeln, ein Beispiel, welches selbst un-ter angeblichen Katholiken Nachfolge gefundenhat; jemchr hat man, nachdem man von dieserModethorheit zurückgekommen war, die Lor-trefflichkeit dieser altdeutschen Bibelübersetzunganzuerkennen sich bewogen gefühlt. Zwar ge-hört sie nicht eigentlich Luther» allein an, sieist bekanntlich nur durch Auswahl des Bestenaus so vielen schon vor ihm vorhandenen Ueber-setzungen entstanden, wobei ihm, was die Er-klärung selbst betrifft, noch mancher seiner ge-lehrten Freunde, besonders Melanchthon, bei-gestanden. Nichts desto weniger bleibt ihm selbst,was die Kraft der Sprache, und den eignenGeist, diese große und starke Art des deutschenAusdrucks betrifft, ein unverkennbares Ver-dienst. Denn auch in seinen eignen Schriftenfindet sich eine Beredsamkeit, wie sie im Laufder Jahrhunderte unter allen Völkern nur sel-ten in dieser Kraft hervortritt. Freilich hatdieselbe auch alle die Eigenschaften an sich,die man einer durchaus revolutionären Bered-samkeit immer wird nachsehen müssen. Abernicht bloß in solchen halb politischen, das öffent-liche Leben heftig ergreifenden, und in den in-nersten Fugen erschütternden Schriften, wie die