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Friedrich von Schlegel.
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an den Adel deutscher Nation, findet sich diese jene Absichten recht wohl bemerkt, und sich soSuchern eigene Kraft revolutionärer Beredsam- leicht nicht leiten läßt. Des größte» Verbre-
keit, sondern auch in allen seinen übrigen Wer- chens aber machen sich wohl diejenigen schul-ten. Denn fast in ollen sehen wir seinen in- dig, welche jene in ihrem Ursprung chrwür-
nern großen Kampf lebendig uns vor Augen 5 dige Naturkrast des Buttes, muthwillig nurgestellt. Es liegen so zu sagen zwei Welten zum Spiel der Zerstörung in Bewegung z»mit einander in Streit in dieser durch Gott setzen sich erkühnen; eine Kraft, die in ihren
und durch die Natur so starken, so reich aus- Wirkungen immer furchtbar sein wird, sobald
gestatteten Männerseele, und wollen sie beide sie von ihrem einzigen wahren Ziel, dem Ge-
an sich reißen. Es ist überall in seinen Schrif- 10 horsam und Glauben Gottes abgewichen ist-
ten, wie ein Kampf zwischen Licht und Fin- Beschränkt ist auch das Urtheil derer, welchesterniß, zwischen einem unerschütterlich festen glauben, diese Kraft, weil sie dieselbe nicht zuGlauben, und seiner eben so unbezwinglich mit- achten wissen, sei gar nicht vorhanden, oder
den Leidenschaft, zwischen Gott und ihm selber. könne vertilgt werden, wo sie doch von Alters
Welche Wahl er nun an diesem Scheidewege 15 her und ursprünglich, wie in Deutschland vor-getroffen, welchen Gebrauch er von seiner gro- Handen ist, weil sie wie manche andere Kraft
ßen Geisteskraft gemacht, darüber kann auch der Natur, nur in seltner» Fällen sich äußert,
jetzt sowie damals das Urtheil nicht anders als Nicht bloß die Religion war wie in Luthers
verschieden und ganz entgegengesetzt ausfallen. und anderer Werken im protestantische» Deutsch-Was mich selbst und mein Urtheil über ihn 20 lande Gegenstand und Angelegenheit der Volks-anbetriffc, so darf ich es wohl kaum erst er- schriststeller, sondern auch die Dichtkunst siel
wähnen, daß mir seine Schriften wie sein Le- vorzüglich ihnen anheim, ja sogar die Philoso-
ben, keinen andern Eindruck machen können, phie- 3ch erwähne hier nur als die merkwür-
als jenes Mitgefühl, welches wir immer em- digsten, den bekannten Meistersinger von Rürn-psinden, wenn wir sehen, wie eine große erha- 25 berg, und dann jenen zur Zeit des dreißigjäh-bene Natur durch eigene Schuld zu Grunde rigcn Krieges unter dem Namen des teutoni-
gehl, und sieb zum Verderben neigt. Was schen Philosophen in den protestantischen Län-
Luthers Geisteskraft und Größe, abgesehen von der» und dem übrigen nördlichen Europa be-
deut Gebrauch und der nachmaligen Enlwick- rühmten christlichen Naturdenker und Seher,lung seiner Denkkraft betrifft, so scheint es 30 An Volksliedern und Volksdichtungen besitztmir in der That, daß noch keiner seiner mo- Deutschland einen großen Reichthum. Die
dernen Anhänger und Bewunderer, ihn von Volksdichtung überhaupt ist von zwiefacher Art;
Seilen der Kraft, die er wirklich hatte, nach theils sind es Lieder, einzelne Verlorne An-
Würden anerkannt und gepriesen habe. Die klänge von der untergegangenen Poesie einer
andern, welche zu ähnlichen Zwecken mit ihm 35 älteren Helden- und Ritterzcit, wen» derenwirkten, waren meistens nur gelehrte, mäßig- Ueberlieferung durch spätere Revolutionen un-
dcnkende und aufgeklärte Männer von der ge- terbrochen, oder bei einer neuen bürgerlichen
wöhnlichen Art. Er war eigentlich der, auf Einrichtung des Lebens verdrängt und «er-den es ankam, und auf dessen Seele es gelegt geffe» worden ist. Theils aber wird die Dicht-
war, was aus dem Zeitalter werde» sollte; er 40 kunst in solchen Zeiten auch vom Volke, fürwar der alles entscheidende Mann des Zeitalters sein Bedürfniß unv nach seiner Art selbst ge-
und der Nation. übt, obwohl nicht ohne Erfindung und Geist,
Luther war durchaus ein Volksschriftsteller. doch im Aeußern handwerksmäßig, und das ist
So merkwürdige, umfassende, vielwirkende, durch eben das Eigenthümliche des spätern deutschen
Geisteskraft außerordentliche Bolksschriftstcller 45 Meistergesanges. Ein Handwerker in der Poesiehat kein anderes Land in dem neuern Europa wie im Leben ist dieser Meister von Nürnberg,
gehabt, als Deutschland. Es war auch, wie Hans Sachs, nicht bloß der fruchtbarste, son-
sehr die gelehrten und gebildeten Stände in der» auch wohl der kraftvollste in seiner Art,
Deutschland denen anderer Länder in manchen besonders reich an Witz und von gesundem
Zeiten nachstehen, ihnen kaum gleich kommen, 50 Verstand, und wenn man von andern Nationen
oder sie doch erst später übertreffen haben mö- anführen will, was diese bei sich in der Litera-gen, in keinem andern Lande das Volk von tur ihrer ältern Zeit gar nicht hintansetzen
jeher im Innern mit solcher geistigen Kraft und wohl zu achten wissen, wenigstens ersin-
ausgerüstet, als Volk das erste, ja das einzige derischcr als Chaucer, reicher als Marot, poe-
in Europa, an welchem sich diese in den Tie- 55 tischer als beide. Für die Sprache enthält ersen der Menschheit ruhende Naturkraft so einen reichen, noch gar nicht benutzten Schatz,
offenbart und bewährt hätte, als das deutsche. Eben dies gilt auch von Jakob Böhme,
Es ist ein alter Spruch, daß die Gewalt der jenem deutschen Natur-Philosophen, der von
Könige von Gott eingesetzt sei; aber auch das den gewöhnlichen Lileratoren meistens übel b^
ist eine Bemerkung aller Zeiten, daß aus dem 60 handelt wird. Worin sein gutes, und auch
Rufe des Volks, die Stimme Gottes sich ver- sein irriges bestand, davon bekennen sie wohl
nehmen lasse. Beides ist wohlverstanden, voll- selbst, nichts zu verstehen; aber auch von dem
kommen wahr; Wehe denen, welche diese Got- äußern Verhältniß des Mannes, wie er zu
tesstimme mißdeuten oder verwirren wollen. seinem Zeitalter stand, und durch welchen ZU/
Mitleiden verdienen diejenigen, welche einer 65 sammenhang damals , diese und ähnliche Met-leeren, todten Politik ergeben, wähne», sie nungen sich verbreiteten, davon wissen »n
könnten das Volk leiten, nach ihren eigcnnützi- ahnen sie gar nichts. Wie wenig es an stm
gen, kleinlichen Absichten lenken; da das Volk, das rechte Verhältniß sei, wenn unter den 0"-
klüger als sie denken, und als sie selber sind, lehrten »nd Gebildeten, und in der eigentlichen