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Ludwig Tieck.
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kommen, wo er ihm in der Garderobe, oderhinter den Coulissen Alles das mittheilen wolle,woran ihnen Beiden sehr viel gelegen sei unddas keinen Aufschub vertrage- Zur bestimmtenStunde kam Freimund, und der Bediente mei-nes Vaters führte ihn hinter den Scenen zuder Coulisse heraus, wo mein Vater schon, aufdem Theater an einem Tische saß und durcheinen extemporsten Monolog die Zwischenzeitausgefüllt hatte. Der zerstreute Freimund, derwohl noch niemals auf einem Theater gewesenwar, setzte sich ruhig und sicher meinem Vatergegenüber, und verlangte das so nöthige unddringende Anliegen zu erfahren. Mein Vatertrug nun eine Sache vor, die im Stücke selbstauch abgehandelt wurde und die spielenden Per-sonen in Verlegenheit setzte. Frcimund gab alsRechtsgelchrter Rath und Entscheidung, sprachbestimmt, ganz in seinem Charakter, mit demmürrischen Humor, den er nur selten ablegt,und ergötzte die Zuschauer, die über sein Auf-treten höchlichst erfreut waren, ungemein. MeinVater, der immer gefürchtet hatte. Freimundwürde gleich in der ersten Rede die Hinterlistbemerken und den Saal voller Zuschauer wahr-nehmen, spann nun die Scene weiter aus, dader arglose Mitspieler in dem festen Vertrauenwar, er säße weit hinter der Bühne, und keinenBlick nach den Zuschauern hinwendete. DieFreude dieser wurde aber bis zum Entzückenerhöht, als in übermüthigster Laune mein Vater,nachdem das erste Thema erschöpft war, dieBosheit so weit trieb, jene Bitte, daß Frei-inund sein schönes Talent doch einmal auf demTheater versuchen möge, jetzt zu wiederholen.Freimund gerieth in seinen gewöhnlichen Eifer,stand auf und sagte im Zorn alle die Redenund Betrachtungen her, die man von ihm schonsonst gehört hakte: er soll, so erzählte man da-mals, ganz vortrefflich gespielt haben. Als dieScene lange genug zum allgemeinen Ergötzengewährt halte, brach er auf, und rief nach demBedienten, der ihn wieder aus den labyrinthi-schen Gängen des dummen, dämmernden unddoch blendenden Theaters auf die verständige,redliche Straße hinaus geleiten sollte. Der Be-diente erschien und er ging. Aber nun erhobsich vom Saale her ein so rauschender Beifall,ein solches Schreien, Bravorufen und Toben,daß der arme Getäuschte wohl seine Blicke da-hin richten mußte, von woher dieser lauteSturm brüllte. Nun merkte er, daß er dieganze Zeit über auf dem Theater gestanden undgehandelt hatte. Er schoß einen wüthendenBlick auf meinen Vater und lief ab, nachdemer im Zorn erst mit dem Kopf gegen die Cou-lisse gerannt war. Ein ungeheures Schreien:Herr Freimund heraus! ertönte aus allen Keh-len. Fächer klatschten, Tücher wehten, Stöckeund Hände und Füße arbeiteten und das wilde,erschreckende Geschrei der lachenden und begei-sterten Zuschauer vermehrte sich mit jeder Mi-nute. Betäubt stand Freimund an der Scene,ein Mitspielender faßte ihn an der Hand undführte jenen, der nicht wußte, wie ihm geschah,an das Proscenium, wo der Jubel, das Klat-schen und Bravorufen ihn von neuem, wo mög-lich noch verstärkt, empfing. Mein Vater be-reute jetzt den zu weit getriebenen Scherz, und
wollte den geängsteten Freund zurückführen,dieser stieß ihn aber mit dem Ausdruck des größ-ten Abscheues von sich und rannte nach seinerWohnung. Am folgenden Morgen erhielt mein5 Vater von Freimund jene ansehnliche Summe,um welche sie gewettet hatten, nebst einem kur-zen Billet, in welchem statt des vertraulichenDu, welches unter den Freunden geherrschthat, das fremdere Sie sich vernehmen ließ. Frei-10 mund schrieb, er könne virllcicht als Advokatgegen den Gewinn der Wette Einwendungenmachen, da es noch nicht so ausgemacht sei, ober eigentlich als Komödiant gespielt habe, in-dessen sei ihm unter den jetzigen Umständen die-15 ser Verlust gleichgültig, und er sende ihn dahergern, zugleich schicke er aber auch die bisherigeFreundschaft mit, die ihnen Beiden jetzt nurlästig fallen könne. Er ließ sich nicht wiederöffentlich sehen und die Regierung gab seinen20 dringenden Bitten nach, ihn nach zwei Wochendorthin zu versetzen, wo er seitdem gelebt hat.Alle Versuche meines Vaters, sich ihm wiederzu nähern, alle seine Bitten, wie die von Be-freundeten, sind vergeblich gewesen. Mein Va-25 ter war mit seinem ansehnlichen Gewinn, derdiesen Verlust nach sich zog, nur sehr wenigzufrieden, das Theater machte ihm keine Freudemehr, welches auch einging, da er es nicht mehrbetreten wollte, und so machte mein Vater die30 traurige Erfahrung, daß auch der heitere Muthsich, trunken und über das Maß hinausgelrie-ben, am gutmüthigen Freunde so versündigenkönne, wie Neid, Bosheit und alle finstern Lei-denschaften in ihrer Empörung es nur vermö-35 gen. Wissen konnte er damals freilich nicht,daß dieser zu weil getriebene Scherz auch dieFreude meines Lebens vergiften würde."
„Armer Freund!" rief Ferdinand nach dieserErzählung aus. „Der Haß des Mannes läßt40 sich freilich auf diese Weise erklären und auchentschuldigen."
Sie wollten das Zimmmer verlassen, alsihnen der Reitknecht des Generals entgegentratund dem Hauptmann einen Brief überreichte-45 Schnell löste dieser das Siegel und las zu sei-nem Erstaunen folgende Zeilen:
„Geliebter Sohn,
„Dein Elend geht mir zu Herzen. Kannman unglücklicher sein, als Du es bist? Und50 das trostlose Gefühl, daß ich Dir nicht helfe»kann, und mich in dieser Hinsicht so ganz ohn-mächtig fühlen muß! Was deinen Wunsch be-trifft, Dir das bezeichnete Capital zu überwa-chen, so bin ich dermalen völlig unfähig, diesesDein Gesuch zu erfüllen. Ich weiß wohl, und55 verstehe Dich, wenn Du mir schreibst, daß nachBezahlung dieser Deiner Schulden Du ein fri-sches, andres, besseres Leben von vorn anfangenkönntest. Weiß ich es doch auch aus meiner60 Jugend, daß man niemals so viel Credit t>at,als wenn man alte, oft bemahnte Schufenendlich abstößt; die vormaligen unhöfliche"Gläubiger werden dann plötzlich so artig / lEsie dem noch kürzlich mit Verlegenheit Bitte»'65 den die rückgezahltcn Summen fast aufdrängs»und neue Gelder hinzufügen wollen. Dos 0aber alsdann das Gefährliche der neuen Lebens-bahn, daß sie nach einem Jahre, kommt vollend»Regenwetter und vielfältiges Gewitter oder g»r