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Ludwig Ticck.
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schauten um sich, und wurden von den Schön-heit des Landes überrascht; selbst Schwiegergestand, so wenig ihm diese Gegend fremd sei,so habe er doch noch niemals, sei es nun diezufällige Erleuchtung, oder sei es durch dieAnstrengung sein Sinn für Natur erhöht, die-sen Standpunkt so malerisch gefunden. DasHaus war verschlossen, Niemand zugegen, Stallund Nebengebäude ebenfalls zu, Fenster undThüren verriegelt. Sie gingen um die Woh-nung , die sich an den Hügel lehnte, der von derRückseite des Hauses bis zum Gipfel mit Wald-bäumen besetzt war. An der Hinterseite desHauses war eine kleine Nische angebracht, die,so schien es, eine Art von Grotte hatte werdensollen, sie war aber von so weniger Liefe, daßman wohl sah, die Anlage war nicht vollendetworden, denn diese kleine Vertiefung in derMauer konnte weder vor Sonne noch Regenschützen. Vorn halte das Häuschen einen klei-nen Balkon und aus beiden Seiten zwei gothischverzierte Lhürmchen, in dem einen lief die Wen-deltreppe hinauf, zu welcher wan aus dem un-tern Saal durch eine Lhür und einige Stufengelangte. Die einsame Lage, dieses gothischeAnsehen des Hauses, das durch Erker und Thür-me das Ansehen einer alten Ritterburg gewann,die ziemlich steile Anhöhe, auf welcher es stand,der finstre Wald oben und in der Nähe, allesdiente dazu, dieser Stelle, so unmuthig sie war,doch auch den Charakter des Abenteuerlichenzu geben.
„Sonderlich!" rief Schwieger aus, „keinMensch zu erhören und zu ersehen! Alles wieausgestorbcn! Wahrlich, man könnte an alledie Sagen glauben, die man sich von diesemHause erzählt, so still, einsam, fast schauerliches nun hier ist. Die Fichten da oben säuselnso wunderlich, da unken die Linden und Bu-chen so poetisch, das Haus nimmt von unskeine Notiz, wir stehen verdutzt hier vor derlieben Natur, und diese scheint uns, statt an-zulachen, zu verhöhnen nnd auszulachen. Nunfehlt nur noch, daß da oder dort plötzlich eineweiße Erscheinung austanchte, um unsere Ima-gination völlig zu verschüchtern."
Sie bogen um die Ecke und fuhren zurück,denn wirklich saß unter einer jungen Linde auseiner Bank eine seltsame Gestalt, die sie vorhernicht bemerkt hatten. Ein weibliches Wesen,weiß gekleidet, blaß, nicht mehr jung, die schwar-zen vollen Haare über Schultern und Rückenfließend, laut sprechend, mit wilder Gebcrde,indem die linke Hand ein Blatt hielt, welchessie zu lesen schien; der Strohhut lag auf derBank. Als sie näher traten und die Ueberra-schung überwunden hatten, erkannten sie dieFrau, die für die beste Dichterin jener Provinzgalt. Sie trat den Männern entgegen undsagte: „nicht wahr, meine Herrn, Sie hättenmich hier nicht erwartet? Ich habe aber zufäl-lig erfahren, daß heute hier die Verlobung einesedlen Paares gefeiert werden soll, da habe ichmich bei dem schönen Wetter aufgemacht, umdie Familie hier zu überraschen; so eben decla-mirte ich wir mein Gedicht vor, das ich denGlücklichen geben und rccitircn will. So imFreien, mit lauter Stimme vorgetragen, fühltman erst recht die Kraft und Bedeutsamkeit
des Verses. O Natur, Natur! Holdeste! Sü-ßeste ! laß mich immer wandeln auf deiner Spur;leite mich an deiner Hand, wie das Kind amGängelband: — — nicht wahr? Nur keine5 Affekiation, keine Ziererei und widrige Empfind-samkeit, oder Modegefühle und so weiter; nichtwahr; O Natur! Natur! Sehen Sie, wielieblich es hier ist! Kann man die Wagen nochnicht kommen sehn? Werden wir auch heut kein10 Gewitter bekommen? Ich habe mit Sicherheitdraus gerechnet, daß die Familie für mich einenPlatz in ihrer Equipage haben wird: ein gutesSouper wird uns Allen recht erquicklich sein.Ich bin wohl etwas heiß geworden, nicht wahr?15 O Natur! Natur! Sind Sie nicht auch derMeinung? "
Schwieger machte ein komisches Gesicht undsetzte sich vcrdrüßlich nieder, Mansfeld abersagte: „immer bin ich Ihrer Meinung gewe-ilt) sen, und um so mehr, weil Sie, Tbeure, einendeutlichen Beweis geben, der der ziemlich allge-mein verbreiteten Meinung widerspricht, daßden Damen mehr Phantasie und Gemüth alseigentliche strenge Philosophie zu Gebote stehe.25 In Ihnen ist aber Alles so sehr im schönstenGleichgewicht, daß man beständig zweifelt, welcheGabe man erheben, welche man vermissenmöchte."
„Soll ich mein Gedicht jetzt gleich vorlesen?"30 fragte die Sängerin.
Schwieger rückte auf der Bank ungeduldighin und her. „Warum das?" nahm Mans-feld das Wort; „ warum wollen Sie uns dieschöne Ueberraschung mißgönnen und rauben,35 daß der Strom der Verse sich in sein natürli-ches Bette ergieße, indem Vater und Muttervor uns stehn, die Braut dort mit schaam- undfreudegerölhelen Wangen, der männliche Bräu-tigam hold und ernst dareinblickcnd, und wir4V gerührte Zuhörer Alle im harmonischen Einklangmit Poesie und Natur."
„O! Natur! Natur!" rief die Dichterinwieder begeistert aus; „wer ist, der dich ver-kennen könnte! Ich muß immer lachen, wenn45 ich die Menschen beobachte, die nur der Co»-venienz dienen, die der steifen Etikette fröhnen,die der Natur, der himmlischen, gleichsam ge-flissenllich, aus dem Wege gehen. Aber siebleiben wirklich recht lange aus, die Guten-50 Heule, in dem schönen Sommerwelter ist esaber gar nicht ein Bischen schauerlich hier:Mücken und Fliegen spielen und summen tMso alltäglich wie irgendwo. O so eine rechtgrausige Gespenstererscheinung möchte ich g"t55 zu gern einmal sehn: versteht sich, in so gut«*Gesellschaft, wie wir jetzt beisammen sind, und,wo möglich, am hellen Lage. Haben Sckschon etwas dergleichen gesehn? Oder Sie,Schwieger?"
60 „Es begegnet einem wohl, selbst bei Lage,etwas Unerwartetes und Fürchterliches," ant-wortete Mansfeld, indem er seinen allen Freund,dessen Ungeduld fast schon den höchsten Gca°erreicht hatte, mit einem bedeutenden und bo»65 haften Blicke ansah. , .
„O erzählen Sie, erzählen Sie!" nes °Sängerin, „es scheint, wir haben noch SIch trage Ihnen nachher auch wohl etwas H 'des und Idyllisches vor, auch ein kleines -o