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aus meinem engumgränzten Lebe». — Aberhier, hier sollren und müßten wir nun eigent-lich heut noch etwas Wunderbares oder Gräß-liches erleben, denn dieser Ort ist doch der ver-rufenste im ganzen Lande. Es ergötzt die Phan-tasie ungemein, sich das Abscheuliche, Verzerrteund Gespenstische recht nahe zu rücken und da-ran zu glauben; und meinen Sie nicht auch,daß wir Neuere» so ein Paar der schlimmstenFurien unter die Musen gemischt haben, dienun mit einander im Chorgcsang Front machenmüssen? Es ist auch so natürlich und reizend,daß dies geschehn, besonders in der Tragödie,die erst dadurch die wahre, für uns Modernengroße und innige Bedeutung erhalt. Es gibteine eigne zarte Wohlbehaglichkeit, den fürchter-lichsten Mord zwischen Sohn und Vater, diegräßlichsten Verhältnisse zwischen Geschwisternund Blutsverwandten, die grausamsten Tyran-neien eines kalten und doch furchtbar verruch-ten BösewichlS, dessen Verzweiflung nachherum so hitziger ausfällt, mit den geistigsten Spi-tzen unsers Empfindungsvermögens, mit densublimsten Regungen, und möcht ich doch sagen,mit den himmlischen Fasern unsers verklärtenHerzens in schmelzender Rührung so innig zuvermählen, da? wir auch in Hölle Himmel, undauch im Himmel das Entsetzlichste wahrneh-men."
„O wie trefflich!" rief Mansfeld, „wahrlich,so muß man über Poesie und Tragödie sprechenhören, damit wir gewöhnlichen Menschen innewerden, daß wir noch niemals von der Sacheetwas verstanden haben."
„Hier ist einer meiner neuesten Versuche,"rief die Muse begeistert, „der Erste Act einesTrauerspiels; da Sie gerade in der Stimmungsind, will ich es Ihnen vortragen."
Schwiegcr seufzte laut. „Immer noch,"rief er verdrüßlich, „kommen die verdammtenWagen nicht! das ist ein Trödeln und Tren-teln mir dem Freimund, daß man ihm manch-mal alle Freundschaft aufkündigen möchte."
„Darum," sagte die Dichterin —
„Wie L-chade," siel Mansfeld ein, der einenleidenschaftlichen Ausbruch seines verdrüßlichenFreundes befürchtete, „wenn wir so mitten imLaumelgenuß und hehrem Aufschwung durchdie prosaischen gemeinen Karren, herbeigeschlepp-ten Proviant, das Abladen von Dienern undKutscher» unterbrochen würden! Für mich istwenigstens dergleichen fürchterlicher, als diegräßlichste Gespenstergeschichte. So vom hohenParnaß herunter in eine Rebhuhn- oder Aal-pastete mit der Nase zu fallen, ist ein Evenc-ment, daß man wohl in Verzweiflung grinsendMit den Zähnen knirschend, in das irdische Ge-füllsel hinein arbeiten muß, und sich am Thie-rischen sättigen, um nur die Verlegenheit etwaszu maekiren, in die uns dieser so oft wieder-kehrende Abfall vom Himmel versetzt.' Manmuß sich am Irdischen rächen, es bestrafen,verzehren und scheinbar i» sich selbst verwan-beln, weil es die Menschheit schon vor uralte»Zeiten um die süße Lauterkeit des reinen Him-mels betrog- So erkläre ich mir wenigstensdie Gier, mit der ich oft sonst edle Menschenüber Austern oder andre animalische Leckerbissenberfallen sehe."
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„O wie schön!" sagte die gerührte Frau mitschwimmenden Augen, die sich unwillkührlich zumHimmel lenkten. „Diese zarte Empfindung,Herr Mansfeld, hätte ich Ihnen nicht zuge-5 traut. Wohl ist es unsre räthselhafte Bestim-mung, daß wir mit dem genießbaren Elementauf so vertrauten Fuß von intimer Bekannt-schaft stehn muffen, daß die unschuldige sanfteTaube, wie sie als silberner Punkt im Azur10 uns ein lichtes Bild der Liebe und Andachtwird, doch an demselben Tage von uns alsBraten verspeiset wird. Auch darüber habe ichein Idyll —"
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15 „Aber schlimm ist es doch," fiel Mansfeldein, „daß sich von unsern Freunden, die wirhier erwarten, noch gar Nichts bemerken läßt,denn außer dem Hunger und Durst, die wirerleiden müssen, ist, so fürchte ich, ein Gewitter2» im Anzüge. Die schwüle Hitze war fast uner-träglich, jetzt ziehn elektrische Wolken auf, undein plötzlicher Wind weht stoßweise über dasFeld, und treibt den Staub vor sich her."
„O weh! weh! wenn sie wahr gesagt hät-25 ten,„ rief die Dichterin; „ein Gewitter hier imFreien! Ich ängstige mich vor allen Gewittern,dazu, wenn Regen einbrechen sollte, würde»meine Manuskripte verderben und auch meinAnzug, der sehr dünn und leicht und nur für30 die größte Sommerhitze eingerichtet ist."
„Ich fürchte," fuhr Mansfeld fort, „unserguter Freimund hat in seiner Zerstreuung eswieder einmal ganz vergessen, daß er uns hie-her beordert hat, daß er ein Fest der Verlobung35 feiern will, daß er eine Tochter zur Verzweiflungbringt, und uns hier in der Einsamkeit, woin einer Meile kein Wirthshaus und Dorf, undkein Mensch zu errufen ist, den ElementenPreis gibt, daß wir hier in der Wildniß, so70 wie der ansgestoßene Lear, nach Herzenslustherumrasen können."
„Himmel!" rief die Sängerin, „es fallenschon Tropfen! Es wird plötzlich kühl, derWind ipehr stärker, das Gewitter kommt aus75 der Ebene herüber. Kann denn ein Mensch soabscheulich zerstreut sein?"
„O dieser," antwortete Schwieger, sich ver-drießlich in der Landschaft umsehend, „hat wohlschon andere, noch ärgere Dinge möglich ge-50 macht. Aber in der That, es ist außer allemSpaß. Die Bäume hier werden uns vor Sturmund Gewitter nur wenig schützen können, auchmuß man daran etwas denken, daß es in dieseam ersten einzuschlagen pflegt."
55 Jetzt erhob sich ein Sturm, die Bäume krau-seren heftig, es wurde finster und große Tropfenfielen dicht und dichter, nur in Pausen vomSturme wieder hinweggeweht. „Das Haus istverschlossen, dit Grotte dort schützt uns nicht,00 aber hier im Kirschbaum werde ich eine Leitergewahr," rief der junge Mann.
Mansfeld hob sie aus dem Baum und setztesie an das Haus. „Ich steige," rief er aus,„auf den kleinen Balkon, vielleicht ist die Glns-65 thür offen, so kann ich entweder von innendas Haus eröffnen, oder ibr müßt mir nachklettern, und wir sind wenigstens gegen dieAnfälle des Sturmes geschützt."
Er kletterte hinauf, ohngcachtcc der Einwen-