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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

und Gegenstand bade», über den sie arbeitet, genug angeschlagen werde» kann, denn es machtden sie verändert und neu formirr. Es ist nö- den Anfang der logischen Bildung aus; — einethig, daß wir uns die Welt des Alterthums Seite, die ich noch zuletzt berühre, weil sie bei-erwerben, so sehr, um sie zu besitzen, als noch nahe in Vergessenheit gekommen zu sein scheint,mehr, um etwas zu haben, das wir verarbei- 5 Die Grammatik hat nämlich die Kategorien,ten. — Um aber zum Gegenstände zu werden, die eigenthümlichen Erzeugnisse und Bestim-muß die Substanz der Natur und des Geistes münzen des Verstandes zu ihrem Inhalte; inuns gegenüber getreten sein, sie muß die Ge- ihr sängt also der Verstand selbst an, gelerntstatt von etwas Fremdartigem erhalten haben. zu werden. Diese geistigsten Wesenheiten, mit— unglücklich der, dem seine unmittelbare Welt 1» denen sie uns zuerst bekannt macht, sind etwasder Gefühle entfremdet wird; — denn dies heißt höchst Faßliches für die Jugend, und wohl nichtsnichts anders, als daß die individuellen Bande, Geistiges faßlicher als sie; denn die noch nichtdie das Gemüth und den Gedanken heilig mit umfassende Kraft dieses Alters vermag das Reichedem Leben befreunden, Glauben, Liebe und Ler- in seiner Mannigfaltigkeit nicht aufzunehmen;trauen, ihm zerrissen wird! — Für die Ent- 15 jene Abstraktionen aber sind das ganz Einfache,frcmdung, welche Bedingung der theoretischen Sie sind gleichsam die einzelnen Buchstaben,Bildung ist, fordert diese nicht diesen sittlichen und zwar die Vokale des Geistigen, mit denenSchmerz, nicht das Leiden des Herzens, sondern wir anfangen, um es buchstabiren, und dannden leichtern Schmerz und Anstrengung der lesen zu lernen. — Alsdann trägt die Gram-Vorstelluna, sich mit einem Nichl-Unmittelbaren, 20 matik sie auch auf eine diesem Alter angemes-einem Fremdartigen, mir etwas der Erinnerung, sene Art vor, indem sie dieselben durch äußerli-dcm Gedächtnisse und dem Denken Angehörigen che Hülfsmerkmale, welche die Sprache meistzu beschäftigen. — Diese Forderung der Tren- selbst enthält, unterscheiden lehrt; um etwasnung aber ist so nothwendig, daß sie sich als besser, als jedermann roth und blau unlcrschei-ein allgemeiner und bekannter Trieb in uns 25 den kann, ohne die Definition dieser Farbenäußert. Das Fremdartige, das Ferne führt das nach der newtonische» Hypothese oder einer son-anziehende Interesse mit sich, das uns zur Be- stigen Theorie angeben zu können, reicht jeneschäftigung und Bemühung lockt, und das Be- Kenntniß vorerst hin, und es ist höchst wichtig,gehrenswerthe steht im umgekehrten Verhält- auf diese Unterschiede aufmerksam gemacht wor-niffe mit der Nähe, in der es steht und ge- 30 den zu sein. Denn wenn die Verstandesbe-niein mit uns ist. Die Jugend stellt es sich stimmunge», weil wir verständige Wesen sind,als ein Glück vor, aus dem Einheimischen weg in uns sind, und wir dieselben unmittelbar ver-zu kommen, und mir Robinson eine ferne In- stehen: so besteht die erste Bildung darin, siesel zu bewohnen. Es ist eine nothwendige Täu- zu haben; d. h. sie zum Gegenstände des Be-schung, das Tiefe zuerst in der Gestalt der Ent- 35 wußlseins gemacht zu haben, und sie durch Merk-fernung suchen zu müssen; aber die Tiefe und male unterscheiden zu können.

Kraft, die wir erlangen, kann nur durch die Indem wir durch die grammatische Termi-

Weite gemessen werden, in die wir von dem nologie uns in Abstraktionen bewegen lernen,Mittelpunkte hinwegflohen, in welchen wir uns und dies Studium als die elemenrarische Phi-zuerst versenkt befanden, und dem wir wieder 40 losophie anzusehen ist, so wird es wesentlichzustreben. nicht bloß als ein Mittel, sondern als Zweck —

Aus diesen Centrifugal-Lrieb der Seele grün- sowohl bei dem lateinischen als bei dem deut-del sich nun überhaupt die Nothwendigkeit, die scheu Sprachunterricht - betrachtet. Der all-Scheidung, die sie von ihrem natürlichen Wesen gemeine oberflächliche Leichtsinn, den zu vertrei-und Zustande sucht, ihr selbst darreichen, und 45 den der ganze Ernst und die Gewalt der Er-eine ferne, fremde Welt in den jungen Geist schütterungen, die wir erlebt, erforderlich war,

hineinstelle» zu müssen. Die Scheidewand aber, hatte, wie im Uebrigen, so bekanntlich auch

wodurch diese Trennung für die Bildung, wo- hier, das Verhältniß von Mittel und Zweck

von hier die Rede ist, bewerkstelligt wird, ist verkehrt, und das materielle Wissen einer Sprache

die Welt und Sprache der Alten; aber sie, die 50 höher, als ihre verständige Seile, geachtet. —uns von uns trennt, enthält zugleich alle An- Das grammatische Erlernen einer alten Sprache

fangspunkte und Fäden der Rückkehr zu uns hat zugleich den Vortheil, anhaltende und un-

selbst, der Bcfreundung mit ihr, und des Wie- ausgesetzte Vernunftrhärigkeit sein zu müssen;

dcrsindens unserer selbst, aber unsrer nach dem indem hier nicht, wie bei der Muttersprache,wahrhaften allgemeinen Wesen des Geistes. 55 die unrefleklirte Gewohnheit die richtige Wort-Wenn wir diese allgemeine Nothwendigkeit, fügung herbeiführt, sondern es nothwendig ist,welche die Welt der Vorstellung so sehr als den durch den Verstand bestimmten Werth der

die Sprache als solche umfaßt, auf die Erler- Redelheile vor Augen zu nehmen, und die Re-

nting der letzter» anwenden, so erhellt von selbst, gel zu ihrer Verbindung zu Hülfe zu rufen,daß die mechanische Seite davon mehr als bloß 60 Somit aber findet ein beständiges Subsumirenein nothwendiges Uebel ist. Denn das Mecha- des Besondern unter das Allgemeine und Be-

nische ist das dem Geiste Fremde, für den es sonderung des Allgemeinen Statt, als worin ja

Interesse hat, das in ihn hineingelegte Unver- die Form der Lernunftthäligkeit besteht. —

baute zu verdauen, das in ihm noch Leblose zu Das strenge grammatische Studium ergiebt sich

verständigen und zu seinem Eigenthums zu 65 also als eines der allgemeinsten und edelstenmachen. Bildungsmittel.

Mit diesem mechanischen Momente der Sprach- Dies zusammen, das Studium der Allen in

erlernung verbindet sich ohnehin sogleich das ihrer eigenthümlichen Sprache und das gram-grammalische Studium, dessen Werth nicht hoch malische Studium, macht die Grundzüge des