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Karl August Varnhagen von Ense.
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Karl August Burnhugen von Ense.
Freiherr Georg von Derfflinger.
Nicht minder als die heimischerzeugten Hel- 15den eines Staates gehören der Eigenkraft des-selben zu Ruhm und Ehre die fremdgebornenan, welche der Machlanziehung solchen Kreisesfolgend, in dessen Eigentliches Wesen durchThat und Leben übergegangen und verschinol- 20zen sind. Der preußische Feldmarschall GeorgReichsfreiherr von Derfflinger war von Geburtkein Preuße; ihm aber, wie dem Fürsten Leo-pold von Anhalt-Dessau und dem FürstenBlücher wurde der bildungsreiche Staat, für 25welchen ohnehin kein Deutscher je billig alsFremder anzusehen sein mag, zum Vaterlandsder Wahl, zum Schauplatze des Verdienstes undzur Heimath der Gesinnungen.
Derfflingers Geburt und Herkunft sind, zygleich der vieler andern Kriegshelden, in dunk-ler Niedrigkeit fast verdeckt geblieben. Manweiß nur, daß er im März des Jahres 1606in Oesterreich ob der Enns geboren worden.Seine Eltern, evangelische Bauersleute, verlie- g 5ßen um ihres Glaubens willen jene Heimath,wo die Katholischen jede Gewalt und Unter-drückung gegen die Protestanten ausübten, inwelchen sie nur Abtrünnige und Aufrührer sehnwollten, die von ihren Irrwegen zur alten Ord- 4 gnung durch alle Mittel zurückzubringen Rechtund Pflicht sei. Die Bedrängten aber zogenmeistentheils alle Härte der Verfolgung undNoth und Elend einem Rückwege vor, der fürsie nur mit Verletzung des Gewissens möglich 4 gwar. Die mit Stürmen und Leiden aller Artverbundene Auswanderung mag für Derfflin-ger schon in früher Kindheit eine lehrreicheSchule der Erfahrung gewesen sein, diese Folgevon ersten Eindrücken die Richtung seines Le- 5 gbens tief entschieden haben. Die Reformationrückte damals, nach großen Vorkämpfen, denmachtvollen Geschichtsbewegungen entgegen, durchwelche die kirchlichen Streitvcrhältniffe für langeZeit zu einer Art gesetzlicher Ausgleichung ge- 55langen sollten, und Derfflinger war bestimmt,in jenen Bewegungen die Bahn seines Lebensund seiner Schicksale zu finden. Ueber seinefrühere Jugend ist nichts weiter bekannt; Erzie-hung und Unterricht scheint er nur aus den zu- gofälligen Darbietungen eines dürftigen Umher-treibens empfangen zu haben- Er selbst warin spätere» Jahren über seine frühesten Schick-sale geheimnißvoll, und schon damals verzichteteman, je darüber etwas Zuverlässiges zu ersah- 65ren. Der Sage nach, die schon zu seinen Leb-zeiten in Aller Munde war, und lange nach-her noch als Wahrheit galt, kam er als armerSchneidergesell in seinem sechszchnten Jahre
eben aus der Lehre, und wollte von Tanger-münde über die Elbe seinen Weg nach Berlinnehmen, die Schiffer aber wiesen ihn zurück,weil er nicht vermögend war, das Fährgeld zubezahlen. Traurig am Ufer stehend, sah erjedoch, daß viele Leute gleichwohl unent-geltlich übergesetzt wurden; die Kriegsleute,hieß es, kämen überall frei durch. Da meinteDerfflinger, so wäre es ja besser, in der Weltein Kriegsmann zu sein, als ein Schneider,warf unwillig sein Bündel mit dem Handwerks-zeug in den Strom, wandte sich zu den Trup-pen, und ließ sich auf der Stelle als Reiteranwerben. Die Namen Tangermünde und Ber-lin dürften in dieser Erzählung wohl am we-nigsten Zuverlässigkeit haben; eher möchte derHergang nach Böhmen zu versetzen sein, wo-hin Derfflingers Eltern auf der Auswanderungihre Zuflucht genommen haben sollen, und wo-her die folgenden Angaben ihn selbst als Krie-ger zuerst hervortreten lassen.
Welcherlei Kriegsdienste er zuerst genom-men, ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Furcht-bare Zeitläufte, im Jahre 1618 zu Prag inblutigen Kämpfen begonnen, hatten schon denwilden Sturm dreißigjähriger Zerrüttungen er-öffnet, in welchen die Fahnen vieler Parteienund Anführer den Streitern mannigfache Wahlund oftmaligen Wechsel boten. Die Böhmen,in ihrer Glaubensfreiheit und andern heiligstenGerechtsamen sich verletzt haltend, erklärten ihrePflichten gegen den Kaiser für aufgehoben, undriefen Friedrich V. Kurfürsten von der Pfalz,als ihren neugewählten König aus. Durch dieSchlacht auf dem weißen Berge bei Prag am8 . November 1620 verlor dieser jedoch baldwieder das Reich, zu dessen Behauptung seineKraft nicht ausreichte, und nur seine Anhän-ger setzten für die Sache, die er selbst verlorengab, noch eine Zeitlang den Krieg beharrlichfort. Unerschütterlichen Muthes kämpfte der tapfreGraf Matthäus von Thurn in Schlesien gegendie Kaiserlichen Kriegsvölker, bis er endlichdurch deren Uebermacht eingeschlossen, in Glatznach tapferer Gegenwehr im Oktober 1622 dieBedingung freien Abzugs erhielt. Mit 500Dragonern zog er nach Sachsen, wo sich denprotestantischen Waffen ein neuer Sammelortzeigte; unter diesen Begleitern des Grafen vonThurn soll Derfflinger gewesen sein.
Im sächsischen Kriegsdienste, zu welchemjene Schaar größtentheils übertrat, wurdeDerfflinger, der sich durch Muth und Wohl-verhalten auszeichnete, alsbald befördert, undwar schon Offizier, als Gustav Adolf König