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Christoph Friedrich Schlosser.
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Das Privatleben Friedrich Wilhelms zeigtuns das Bild einer wohlhabenden Bürgerhaus-haltung jener Zeit. Wenn seine Tochter ihndeshalb schmäht und behauptet, daß man nurRüben und Kohl, nur Speck und Erbsen an 5seinem Tische bekommen habe, so werden wirgleich zeigen, daß das Uebertreibung ist; eherhat sie Recht, wenn sie sich über die bürgerlicheTagesordnung beschwert, der sie und ihre Mut-ter sich unterwerfen mußten. Der im Tone 10des Lobredners im Kanzleistyl oft sehr bittereFaßmann nimmt den König wegen seinerTafel in Schutz. Zuckerwerk, sagt er, seiallerdings nicht aus die Tafel gekommen, auchkeine feinen und ausländischen Speisen, außerfür die Königin und die Prinzessinnen; dage-gen Wildpret und Fische in Fülle.
Wenn man die Sachen genauer untersucht,so findet man, daß die ganze Einrichtung derbwar, wie der König selbst, doch ist ein teutsch- 20patriotisches Wesen auch in Kleinigkeiten nichtzu verkennen. Er duldete z. B. keine franzö-sischen oder spanischen Weine, hatte dagegen be-deutende Verrathe von Rheinweinen und ließauch ungarische Weine kommen. Wenn man 25der etwas boshaften Beschreibung seiner Toch-ter trauen darf, so waren seine Lustschlösser dasBild der Sitze der pommerschen Landjunker, sowie man ihre Art Geselligkeit und Unterhal-tung in der Abendgesellschaft des Königs wie- 30dersindet. Dorr wurden die wichtigsten Dingegesprächsweise abgethan; in der Regel warennur vier bis fünf Männer gegenwärtig, doch warsie zuweilen auch sehr zahlreich. Man saß dortauf hölzernen Stühlen, rauchte Taback undzündete die Pfeifen nach holländischer Weise miteiner Torfkohle an, die deßhalb in einem Beckendastand. Die Bewirlhung war dem Uebrigenganz angemessen.
Wenn man bedenkt, wie es in Sachsen aus-sah und welchen Zustand Friedrich Wilhelm beiseines Vaters Tode in Preußen antraf, so wirdman einsehen, daß diese wunderliche Einfachheitund Sparsamkeit, diese Darstellung der höchstendemokratischen, ja radikalen Entfernung von 45Prunk und Etikette höchst wohlthätig auf diearmen Teutschen wirken mußte. Friedrich Wil-helm, so große Achtung er vor seinem Kaiserhatte, nahm doch großen Anstoß an dessen ängst-licher Förmlichkeit, als sie einmal zusammen SOkamen, und hatte seitdem eine weniger guteMeinung von ihm. Als ihn der Herr vonHopfgarten in Leipzig mit Hofkomplimentenüberschüttete, entsagte er dem Mittagessen, daser in Leipzig hatte einnehmen wollen, aus Furcht 55vor den galanten Manieren des Mannes, demKönig August seinen Empfang übertragen hatte,und eilte davon. Er hatte daher auch alleLakaien, Pagen, Heyducken, Läufer, Kammer-herrn und Hofbeamten seines Vaters sogleichfortgeschickt. Seine despotische Härte befreitedas Volk von der Nothwendigkeit, alle dieseMüßiggänger mit Jahrgeldern dafür zu beloh-
nen, daß sie vorher die königliche Küche und denKeller zu den jJhrigen gemacht hatten, undzwar nicht bloß zu ihrem und ihrer FamilienGebrauch, sondern zu einem ins Große getrie-benen Handel. Loben wird es übrigens nie-mand, daß auf der einen Seite ein königlicherHof bestehen, und doch auf der andern unterFriedrich Wilhelm alle Ausgaben mit viertau-send Thaler monatlich sollten bcstritten werden.Der König gab dem Einen seiner Minister nurzweitausend Thaler Besoldung; sein Vater hattedie seinigen in den Stand gesetzt, königlichenAufwand zu machen. Friedrich Wilhelm hatteweder Hoftrompeter noch Pauker; sein Vater15 hielt deren vierundzwanzig, von denen jederaußer der kostbaren Unterhaltung mit den ge-wöhnlichen und besondern Prachtkleidungen mo-natlich dreißig Thaler erhielt. Friedrich Wil-helms Bedienung versahen sechszehn Pagen, vondenen immer je zwei den Dienst hatten, undneben ihnen sechs Lakaien.
Leider zeigte sich Friedrich Wilhelm in Be-ziehung auf die Jagd wie im Leben als Musterder rohen Landjunker seiner Zeit, und es wardnicht allein Alles, was unter seinem Vater derPracht wegen für die Jagd geschehen war, auf-recht erhalten, sondern um Wusterhausen undPotsdam wurde ein sogenannter Parforcegartenvon mehreren teutschen Meilen im Umfangeangelegt.
Die Grausamkeit der abscheulichen Parforce-jagden, die barbarische willkührliche Verschärfungder Urtheile der Gerichte oder auch eigenmächtigeVerhängung harter Bestrafung wegen ganz un-35 bedeutender Vergehen, die unvernünftige Strengedes Königs gegen seine eigene Familie, der ge-waltsame oder hinterlistige Menschenraub, derauf seinen Befehl überall getrieben wurde, woei» Mann von großem Körperwuchs, weß Stan-40 des er auch immer sein mochte, konnte erbeutetwerden, steht mit der Frömmigkeit, der FriedrichWilhelm sich befliß, in sonderbarem Widerspruch.Wir berühren dies, weil eine neue Erscheinungdes damaligen teutschen Lebens daraus hervor-geht, nämlich die Verbindung der Rohheit undBarbarei mit den Formen und Formeln dertiefsten äußerlichen Frömmigkeit und eines Glau-bens, dem kein Punkt der überlieferten Dogma-tik zu schwer war.
Der König bezeugte den Geistlichen diegrößte Ehrfurcht; er korrespondirte nicht nurmit den Pietisten in Halle, sondern er be-kümmerte sich um die Anstellung einzelner Geist-lichen eben so genau, als um seine Offiziereund Pächter. Aus seinen Briefen an den ProbstReinbeck geht hervor, daß er diesen mir ebenso viel Aufmerksamkeit behandelte, als den Für-sten Leopold von Anhalt Dessau, den Begründerder Einrichtung und Disciplin desjenigen Preu-60 ßischen Heers,, welches Friedrich hernach sovortrefflich gebrauchte, der aber bei allen mili-tärische» Vorzüge» an Gemeinheit und Schlech-tigkeit seines Gleichen suchte.