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Karl August Narnhage» von Ense.
die den dreißigjährigen Krieg so furchtbar be-zeichnet, kehrten über das unglückliche Landzurück. Die schwachen brandenburgischen Be-satzungen hielten sich eingezogen in Berlin undandern befestigten Städten; aber auch diesewagte der Uebermuth der Schweden anzugrei-fen. Küstrin, Spandau und Berlin wurdentapfer vertheidigt, viele andere Städte konntennicht behauptet werden. Seufzend flehte dasmißhandelte Volk nach seinem Retter, und nahmselbst hin und wieder die Waffen zur Hand.Die Bauern ordneten sich in Schaaren, derenFahnen die Inschrift trugen; „Wir sind Bau-ern von geringem Gut, und dienen unsermgnädigsten Kurfürsten mit unserm Blut." Dasganze Land wurde ein Schauplatz blutigerGefechte und gräuelhafter Verwüstung. Damochte Friedrich Wilhelm endlich nicht längersäumen, und beschloß, auch ohne Hülfe derBundesgenossen, für sich allein den ungleichenKampf getrost zu unternehmen. Zu Ende Maibrach er aus Franken mit seinem erfrischtenund verstärkten Heere plötzlich auf, und battemit schnellen Märschen Mittags am 11. Junischon Magdeburg erreicht. Sogleich wurdenalle Thore geschlossen, und zweckmäßige Wachenaufgestellt, damit keine Nachricht seiner Annä-herung zu dem Feinde gelangte; ein schwedi-scher Kundschafter wurde ergriffen, ein verrä-therischer brandenburgischer Oberst, dem jenerBriefe bringen sollte, auf dem Walle selbstverhaftet. Am folgenden Tage, nach gehaltenemGottesdienste, wobei Predigt und Fürbitten denUmständen gemäß vorgeschrieben waren, beriefder Kurfürst einen Kriegsrath, um über seinVorhaben die Meinung seiner Generale zu ver-nehmen. Derfflinger gleich zuerst stimmte demkühnen Entwürfe bei, auf den sorglos im Ha-vellande zerstreuten Feind, welcher den Kur-fürsten noch fern in Franke» wähnte, mit derReiterei in angestrengster Eile loszugehen, ihnin seinen Quartieren zu überfallen, und mitEinem Schlage zu vernichten. Zwar mußtedas Fußvolk, einer gleichen Schnelligkeit nichtfähig, auf diesem Zuge beträchtlich zurückblei-ben, allein Ueberraschung und Heftigkeit desAngriffs konnten diesen Mangel zum Theil er-setzen- Die Unternehmung wurde daher be-schlossen und ohne Zögern ausgeführt. Nochdenselben Tag, Abends um 9 Uhr, da dieDunkelheit eingetreten, zog eine Hcerschaar von5600 Reitern und 1000 Mann ausgewähltenFußvolks mit 13 Stücken Geschütz, worunter3 Zwölfpfünder, und mit 146 Wagen, welcherdas Fußvolk und jeder zugleich einen Kahnführten, von Magdeburg ab, ging über dieElbe, und rückte auf Nebenwegen jene Nachtund den folgenden Tag ohne Unterbrechungfünf starke Meilen vor. Am andern Morgenin aller Frühe folgte der Kurfürst dem Zugenach: in seiner Begleitung waren Derfflinger,der Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg,die Generale Görzke, Lütke, Götze und Pöllnitz.Durch anhaltenden Regen wurde der Marschsehr verzögert. Wagen und Pferde kamen aufden grundlosen Wegen, nur mühsam fort.Nachmittags wurde das Dorf Pärchen erreicht,und daselbst Halt gemacht. Der Kurfürst sandtevon hier am 14. Juni früh vor Tagesanbruch
drei Parteien aus, um die Gegend und denFeind zu erkunden, den Obersten von Larochegegen Brandenburg, den Oberstlieutenant vonStrauß gegen Plaue, und den Generaladjutan-5 ten von Kanoffski gegen Rathenau. Inzwischenkam der Landrath von Briest aus Bähne, demder Kurfürst schon von Magdeburg aus ge-heime Nachricht gegeben hatte, und brachte Be-richt über den Zustand von Rathenau. Seit dem10 8. Juni war daselbst ein schwedisches Drago-nerregiment unter dem Obersten von Wange-lin eingerückt, und sollte am morgenden Tagenach Brandenburg weiterziehen. Briest mußtesogleich nach Rathenau zurückeilen, um dort15 die angemessenen Vorkehrungen zu treffen. Er-ließ von seinem Gute Bähne ganze LadungenBier und Branntwein nach der Stadt fahren,und den schwedischen Soldaten austheilen. DieOffiziere lud er zu einem Trinkgelag, und trank20 ihnen wacker zu; ein Gerücht von des Kurfür-sten Tode wurde geflissentlich verbreitet. EinigeBürger von Rathenau, in das Geheimniß ge-zogen, wirkten ihrerseits getreulich mit. DerKurfürst indeß rückte über Genrhin gegen Ra-25 thenau vor, .zog sich aber, da es noch Tag war,wieder etwas zurück, »ach dem Dorfe Vieritz,eine Meile von der Stadt, um nicht von demFeinde entdeckt zu werden, bevor das in denschlechten Wegen wieder zwei Stunden zurück-30 gebliebene Geschütz und die Wagen mit demFußvolk nachgekommen wären. Man traf in-deß keinen Feind. Nur der Oberstlieutenantvon Strauß hatte an der Spitze weniger Mann-schaft einen Scharmützel mit 24 schwedischeng5 Reitern, von welche» der befehlführende Offizierund 12 Mann in Gefangenschaft geriethen, undnur 3 entkamen, die jedoch von der größer«Macht, die in der Nähe war, keine Kundebringen konnten. Als es später geworden und40 die zurückgebliebenen Truppen angeschlossen wa-ren, rückte der Kurfürst schnell bis dicht vorRathenau heran, uno ordnete sogleich den An-griff. Unter dem Oberstlieutenant von Kanneund dem Generaladjutanten von Kanoffski muß-45 ten 600 Mann Fußvolk auf den mitgebrachtenKähnen oberhalb der Stadt in größter Stilleüber die Havel setzen, um von der Mitlagsseitein die Stadt einzubrechen, während DerfflingersDragonnerregiment den Angriff von der Havel-50 seile unternähme. Derfflinger, die Wichtigkeitdes ersten Zusammentreffens, worauf hier allesankam, erwägend, trat selbst a» die Spitze desVortrupps, und versuchte den Zugang durcheine Kriegslist zu gewinnen. Er hatte dem55 gefangenen schwedischen Offizier mit der Pistoleauf der Brust das schwedische Feldgeschrei ab-geklungen, jetzt kleidete er einige seiner Leutein die schwedischen Röcke, und vor Tagesanbrucham 15. erschien er mit ihnen an der ersten60 kleineren Havelbrücke. Er gab das schwedischeFcldgeschrei, und forderte ungestüm Einlaß, daer mit seiner Schaar, dem schwedischen Regi-ment von Bülow angehörend, von einer bran-denburgischen Streifpartei verfolgt werde. Kaum65 aber war, nicht ohne lange Weigerung undSchwierigkeit, durch Schelte» und Bedrohe»die Niederlassung der Zugbrücke erlangt, so fielDerfflinger über die schwedische Wache her, dieaus 7 Mann bestand und niedergemacht wurde-