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Karl August Varnhagen von Ensc.
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auch dergleichen zu haben vermeinetet, habetIhr uns selber solches anzuzeigen, so wollenWir demselben schon remediren: Ihr wisset,wie Wir allezeit in Euerm Besten gewesen, undsogar diejenigen, welche euch nicht wie sechsgebühret begegnet, entweder disgraciret, undaus Unseren Diensten erlassen, oder nit enoampaxno gebrauchet haben. Wir seind auchversichert, Ihr werdet Euch über Uns im Ge-ringsten nicht beschweren können; dann wir jaallezeit geslisscn gewesen, die große und nütz-liche Dienste, so Ihr uns geleistet, zu erkennen.Bei unserer Miliz haben wir Euch zu demhöchsten Ehrenamte, darüber keines erhoben,auch Unsere Dankbarkeit in anderen Stückenspüren lassen, und sollte dennoch etwas daranfehlen, so sind Wir noch begierig und geneiget, Euchund den Eurigen alle crsinnliche Gnade wider-fahren zu lassen. Wir zweifeln nicht, Ihr wer-det solches alles der Gebühr erwägen, und inUnseren Kriegsdiensten nach wie vor, bis UnsGott nach Verleihung ruhigerer Zeiten auchvor unsere Person die Ruhe gönnen wird, un-verdrossen und mit behöriger Applikation kon-tinuiren, in welchem Vertrauen wir Euch u. s. w.Geben Köln u. s. w. den 11. März 1678."
Wie Derfflinger diese abschlägige Antwortaufgenommen, erhellt aus seiner gleich am Tagedes Empfanges an den Geheimen Staatssekre-tär Fuchs gerichteten Herzcnscrgicßung, in wel-cher der treuherzige Sinn, das gute Bewußt-sein , und der rege Eifer des Mannes, bei allemVerdrusse über den Anschein, welchen sein Ge-such tragen sollte, aus das schönste hervorleuch-ten. Sein Brief lautete, wie folgt: „Wvhl-edlcr, hochgeehrter Herr und Freund! Ich habeSein Schreiben nebst der beigefügten Resolu-tion auf mein untcrthänigstcs Memorial heutwohl erhalten, hätte mir aber eher den Falldes Himmels versehen, denn daß ich vermeinensollen, eine so gar abschlägige Antwort, die zumTheil in nachdenklichen lorminis bestehen, zuerlangen, allermaßcn ich mein Bitten auf meinevon Seiner Kurfürstlichen Durch!, mir ausge-stellte Kapitulation gegründet habe, welche aus-drücklich im Munde führet, daß wenn ich we-gen Heranuahung hohen Alters unvermögend,und die schweren Lravaillen im Kriege auszu-stehen inkapabel wäre, denn würde Seine Kur-fürstliche Durchlaucht alsdann ohne alle Wider-rede und Schwürigkeit mich in Gnaden erlas-sen wollen. Jtzo aber empfinde ich leider dasconlrariun,, und muß darzu vorlieb nehmen,daß man in den Gedanken stehet, und mir vor-wirft, ich würde, wenn ich bei itztgestalten Sa-chen abdanketc, meine Ehre beflecken, und beialler Welt mir eine Blame zuziehen. DieseWorte schmerzen mich fürwahr nicht wenig,meine getreuen Dienste sind bei der Welt viel-leicht mehr bekannt, als in Berlin, und dieWelt weiß es besser, denn daß sie übel von mirzu blamiern sollte Ursach haben. Ich habe mei-ner Ehre zuwider nie etwas in der Well vor-genommen, sondern dieselbe meinem Blute gleichgeschähet, werde sie auch dadurch nicht beflecken,da ich aus Antrieb meines hohen Alters meineKriegsdienste zu quitliren und die Ruhe zu er-langen suche. Seine Kurfürstliche Durch!, stel-len sich selbst mir zum Exempel für, es kommt
aber, wenn ich so frei reden darf, in keinenVergleich: Seine Kurfürstliche Durchlaucht seindEiner, und Gott verhüte es in Gnaden, daßDieselbe ja nicht bald abdanken; ich aber binnicht der Einige, es seind vielleicht qualisizir-tere Leute, die diese Charge hinwieder bekleidenkönnen, und denen zum Theil darnach verlan-gen mag. Da aber auch Seine KurfürstlicheDurch!, mich zu diesem hohen Ehrenamte, da-rüber keines ist, erhoben haben, (für welcheGnade ich bis in mein Grab unterthänigst dan-ken werde), zweifle ich nicht, Dieselben werdenmich dazu kapabel gefunden haben, sonst mires nicht wäre konferiret worden, ich hätte esauch mit gutem Gewissen nicht über mich neh-men können, und hoffe, ich werde bei demsel-ben alles so treulich verrichtet haben, daß SeineKurfürst!. Durchlaucht jedesmal ein gnädigesKontentcment darüber werden empfunden haben.Daß ich das Saure und Süße gekostet, solchesmuß man im Kriege vorlieb nehmen, das Sauereaber stehet voran, und wird , wenn es zur Bi-lance kommen sollte, das Süße weit überwiegen.Ich habe des Süßen wenig genossen, und magmir vielleicht zu meiner Gesundheit nicht ge-dicnet haben, die stettinische Belagerung kanndessen ein Exempel sein, weil es mir noch itzodavon bitter schmecket. Daß ferner Seine Kur-fürstliche Durch!, anführen, Sie hätten diejeni-gen , die mir nicht wie sichs gebühret begegnet,entweder disgraciret und aus Ihre Dienste er-lassen, oder solche im Felde nie gebrauchet, daskann ich nicht begreifen, ich habe so vieles nie-mals prätcndiret, es wäre dann, daß Einigedurch den Spruch des Rechten dahin gebrachtworden, oder daß Seine Kurfürstliche Durchl.selbst dahin gnädigst inkliniret, und Dero hoherRespekt und Interesse darunter vcrsiret hätte.Sonst ist es auch nicht unrecht gewesen, daßichs denenjcnigen verdacht, und übel von ihnengesprochen habe, die ihren Abschied zur Unzeitund ohne Erheblichkeit gefordert haben, inma-ßen selbige die Zeit hätten erwarten, oder ge-nügsame Ursachen anführen sollen. Ich aberweiß, daß die Ursach meines Verlangens validegenug, und die Zeit, darin ich meinen Zweckzu erlangen arbeite, nicht verwerflich ist. Wes-halb ich bei meinem Vorsatz beruhe, und nichtsmehr als die Ruhe und neben derselben einengnädigen Herren verlange, das Uebrige alleshabe ich dem lieben Gott anheim gcstellet, derwird es herrlich hinauszuführen wissen. Leidists mir zwar, daß ich Seine Kurfürstliche Durchl.den lieben Herren verlassen muß, weil abermeine täglich abnehmende Kräfte sich gegen soeiner schweren Last nicht mehr wollen animirennoch anfrischen lassen, so hoffe ich gleichwohlannoch, daß Seine Kurfürstliche Durchl. michnicht gar über» Haufen werfen und ruinirenwerden. Ich will den Samen meiner schwerenArbeit gerne gestreuel haben, wiewohl ich denersten Grund zu dem, was wir itzo empfinden,nicht legen helfen, und will einem Andern esvon Herzen gönnen, daß er die besten Früchtean meiner Statt genieße. Ich bin vergnügtgenug, wenn Seine Kurfürstliche Durchl. mirDero Gnade sehen und mich in die verlangteRuhe kommen lassen, welchen Zweck zu erlan-gen mein hochgeehrter Herr das Seinige all-
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