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Leopold Ranke.
Prüfung begann. Oft hat Peretti später er-zählt, wie sehr ihn der Anblick dieses Mannes,mir seiuen strengen Braunen, den tiefliegendenAugen, den scharfmarkigen Gesichtszügen inFurcht gesetzt habe. Doch faßte er sich, ant-wortete gut und gab keine Blöße. Als Ghis-lieri sah, daß der Frate nicht allein unschuldig,sondern in der katholischen Lehre so gut begrün-det war, wurde er gleichsam ein anderer Mensch,er umarmte ihn mit Thränen; er ward seinzweiter Beschützer.
Auf das entschiedenste hielt sich seitdem FraFelice Peretti zu der strengen Partei, die soeben in der Kirche emporkam. Mit Jgnatio,Felino, Filippo Neri, welche alle drei den Na-men von Heiligen erworben, war er in ver-trautem Verhältniß. Daß er in seinem Orden,den er zu reformiren suchte, Widerstand fand,und von seinen Ordensbrudern einmal aus Ve-nedig vertrieben wurde, vermehrte nur sein An-sehen bei den Vertretern der zur Macht gelan-genden Gesinnung. Er ward bei Paul IV. ein-geführt und oft in schwierigen Fällen zu Rathegezogen: er arbeitete als Theolog in der Con-gregation für das tridenkinische Concilium, alsConsultor bei der Inquisition: an der Verur-teilung des Erzbischofs Carranza hakte er gro-ßen Antheil: er hat sich die Mühe nicht ver-drießen lassen, in den Schriften der Protestan-ten die Stellen aufzusuchen, welche Carranzain die seinen aufgenommen; das VertrauenPius V. erwarb er völlig. Dieser Papst er-nannte ihn zum Gcncralvikar der Franziskaner,— ausdrücklich in der Absicht, um ihn zurReformation des Ordens zu autorisiren — undin der That fuhr Peretti gewaltig durch: ersetzte die Generalkommiffäre ab, die bisher diehöchste Gewalt in demselben besessen; er stelltedie alte Verfassung her, nach welcher diese denProvinzialen zustand, und führte die strengsteVisitation aus. Pius sah seine Erwartungenübertreffen: die Zuneigung, die er für Perettihatte, hielt er für eine Art von göttlicher Ein-gebung: ohne auf die Afterreden zu hören, diedenselben verfolgten, ernannte er ihn zum Bi-schof von S. Agatha, im Jahre 1570 zumCardinal.
Auch das Bis thun, Fermo ward ihm er-theilt. In dem Purpur der Kirche kam FelicePeretti in sein Vaterland zurück, wo er einstObst und Vieh gehütet; doch waren die Vor-hersagungen seines Vaters und seine eignenHoffnungen noch nicht völlig erfüllt.
Es ist zwar unzählige Mal wiederholt wor-den, welche Ränke Cardinal Montalto — sonannte man ihn jetzt — angewendet habe, umzur Tiara zu gelangen; wie demüthig er sichangestellt, wie er gebeugt, hustend und amStocke einhergeschlichen: der Kenner wird vonvorn herein erachten, daß daran nicht vielWahres ist: nicht auf diese Weise werden diehöchsten Würden erworben.
Montalto lebte still, sparsam und fleißigfür sich hin. Sein Vergnügen war, in seinerVigna bei S. Maria Maggiore, die man nochbesucht. Bäume, Weinstg^x pflanzen, undseiner Vaterstadt einiges Gute zu erweisen.In ernsteren Stunden beschäftigten ihn dieWerke des Ambrosius, die er 1580 herausgab.
So vielen Fleiß er auch darauf wandte, so warseine Behandlung doch etwas willkührlich. SeinCharakter schien gar nicht so harmlos wie mangesagt hat. Bereits eine Relation von 15745 bezeichnete Montalto als gelehrt und klug, aberauch als arglistig und boshaft. Doch zeigte ereine ungemcine Selbstbeherrschung. Als seinNeffe, der Gemahl der Viktoria Accorambuonaermordet worden, war er der Erste, der den10 Papst bat, die Untersuchung fallen zu lassen.Diese Eigenschaft, die Jedermann bewunderte,hat vielleicht am Meisten dazu beigetragen, daßals die Intriguen des Conclaves von 1585 da-hin gediehen, ihn nenne» zu können, die Wahl15 wirklich auf ihn siel. Auch beachtete man, wiees in der unverfälschten Erzählung des Vor-gangs ausdrücklich heißt, daß er nach den Um-ständen »och in ziemlich frischem Alter, nämlich64 Jahre, und von starker und guter Comple-20 xion war. Jedermann gestand, daß man unterden damaligen Umständen vor allem eines kräf-tige» Mannes bedurfte.
Und so sah sich Fra Felice an seinem Ziele.Es mußte auch ein menschen - würdiges Gefühl25 sein, einen so erhabene» und legalen Ehrgeizerfüllt zu sehen. Ihm stellte sich alles vor dieSeele, worin er jemals eine höhere Bestimmungzu erkennen gemeint hatte. Er wählte zu sei-nem Sinnspruch: Bon Mutterleib an bist du,30 o Gott, mein Beschützer.
Auch in allen seinen Unternehmungen glaubteer fortan von Gott begünstigt zu werden. Sowie er den Thron bestiegen, erklärte er seinenBeschluß, die Banditen und Missethäter auszu-35 rotten. Sollte er dazu an sich nicht Kräftegenug haben, so wisse er, daß ihm Gott Legio-nen von Engeln zu Hülfe schicken werde.
Mit Entschlossenheit und Ueberlegung ginger sogleich an dieß schwere Werk.
40 Das Andenken Gregors war ihm zuwider;die Maßregeln desselben mochte er nicht fort-setzen : er entließ den größten Theil der Trup-pen, die er vorfand: die Sbirren verminderteer um die Hälfte. Dagegen entschloß er sich45 zu einer unnachsichtigen Bestrafung der ergrif-fenen Schuldigen.
Es war längst verboten, kurze Waffen, be-sonders eine gewisse Art von Büchsen zu tragen.Vier junge Menschen aus Cora, nahe VerwandteSO unter einander, ließen sich dennoch mit solchenGewehren ergreifen. Den andern Tag war dieKrönung: und ein so freudiges Ereigniß nahmman zum Anlaß für sie zu bitten. Sixtusentgegncte: „so lange er lebe, müsse jeder Ver-55 brccher sterben." Noch an demselben Tage sahman sie alle vier an einem Galgen bei der En-gelsbrücke aufgehängt.
Ein junger Transtiberiner war zum Todeverurlheilt, weil er sich den Sbirren widersetzt60 hatte, die ihm einen Esel wegführen wollten.Alles war voll Mitleiden, wie der Knabe wei-nend wegen so geringer Verschuldung auf denRichtplatz geführt wurde; man stellte dem Papstseine Jugend vor. »Ich will ihm ein paar65 Jahre von den meinen zulegen," soll er gesagthaben: er ließ das Urtheil vollstrecken.
Diese ersten Thaten Sixtus V. setzten Jeder-mann in Furcht: sie gaben den Verordnungen,die er nunmehr erließ, einen gewaltige» Nachdruck.