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Leopold Ranke.
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Barone und Gemeinden wurden angewiesen,ihre Schlösser und Städte von den Banditenrein zu halten: — den Schaden, den die Ban-diten anrichten würden, sollten der Herr oderdie Gemeinde, in deren Gebiet er vorfalle, selberzu ersetzen haben.
Man hatte die Gewohnheit, aus den Kopfeines Banditen einen Preis zu setzen- Sirtusverordnete, daß diese Preise nicht mehr von derKammer, sondern vielmehr von den Verwand-ten des Banditen, oder wenn diese zu arm, vonder Gemeinde, aus der er stamme, zu tragenseien.
Es leuchtet ein, daß er das Interesse derHerren, der Gemeinden, der Verwandten fürseine Zwecke in Anspruch zu nehmen suchte.Das Interesse der Banditen selbst bemühte ersich zu erwecken. Er versprach einem Jeden,der einen Genossen todt oder lebendig einliefernwürde, nicht nur die eigene Begnadigung, son-dern auch die Begnadigung einiger seiner Freun-de, die er nennen könne, und überdieß ein Geld-geschenk.
Nachdem diese Anordnungen getroffen wor-den, und man ihre strenge Handhabung an einpaar Beispielen erlebt hatte, bekam die Verfol-gung der Banditen in Kurzem eine andere Gestalt.
Es war ein Glück, daß es bald im Anfangmit ein paar Oberhäuptern gelang.
Es ließ den Papst nicht schlafen, daß derPrete Guercino, der sich König der Campagnanannte, der einmal den Unterthanen des Bischofsvon Viterbo verboten halte, ihrem Herrn zugehorchen, noch immer sein Handwerk fortsetzte,und neue Plünderungen vorgenommen hatte.„Er betete," sagt Galesinus, „Gott möge denKirchenstaat von diesem Räuber befreien:" denandern Morgen lief die Nachricht ein, Guer-cino sei gefangen. Der Kopf ward mit einervergoldeten Krone an der Engelsburg ausge-stellt; der Uebcrbringer empfing seinen Preis,2000 Scudi; das Volk lobte die gute Rechts-pflege Seiner Heiligkeit.
Dennoch wagte ein Anderer, della Fara, einstdes Nachts die Wächter an der Porta Salara her-auszuklopfen; er nannte sich und bat sie, demPapst und dem Governatore seinen Gruß zubringen. Hierauf gebot Sirius den Verwand-ten desselben, ihn herbeizuschaffen; bei eigenerLeibesstrafe gebot cr's ihnen. Es verging keinMonat, so brachte man den Kopf des Fara ein.
Zuweilen war es fast noch etwas anders.
als Gerechtigkeit, was man gegen die Banditenübte-
Bei Urbino hatten sich ihrer dreißig aufeiner Anhöhe verschanzt; der Herzog ließ Maul-thiere mit Lebensmitteln beladen in ihre Nähetreiben; sie verfehlten nicht, den Zug zu plün-dern. Aber die Lebensmittel waren vergiftet;die Räuber starben sämmtlich. „Bei der Nach-richt hiervon," sagt ein Geschichtschreiber Sir-ius V., „empfand der Papst eine große Zufrie-denheit."
I» Rom führte man Vater und Sohn zumTode, obwohl sie ihre Unschuld fortwährend be-theuerten. Die Hausmutter stellte sich in denWeg: sie bat nur um einen geringen Verzug:sie könne die Unschuld der Ihrigen augenblick-lich beweisen. Der Senator schlug es ihr ab.„Weil ihr denn nach Blut dürstet, rief sie, „sowill ich euch sättigen," und stürzte sich ausdem Fenster des Kapitals. Indessen kamenjene Beiden auf den Richtplatz: jeder wollteden Tod zuerst erleiden; der Vater wollte nichtden Sohn, der Sohn nichr den Vater sterbensehen. Das Volk schrie auf vor Mitleid. Derwilde Henker schalt auf ihren unnützen Verzug.
Da galt kein Ansehen der Person. DerGraf Johann Pepoli, aus einem der erstenHäuser von Bologna, der aber an dem Ban-ditenwesen viel Antheil genommen, ward indem Gefängniß ftrangulirt; seine Güter, sei»baares Geld zog der Fiscus ein. Kein Tagwar ohne Hinrichtung: aller Orten in Waldund Feld traf man auf Pfähle, auf denen Ban-ditenköpse staken. Nur diejenigen von seinenLegaten und Governatore» lobte der Papst,die ihm hierin genug thaten, und ihm vieleKöpfe einsendeten. Es ist zugleich etwas Bar-barisch-orientalisches in dieser Justiz.
Wen sie aber nicht erreichte, der fiel durchdie Räuber selbst. Die Versprechungen desPapstes hatten sie uneins gemacht: keiner krautedem andern; sie mordeten sich unter einander.
Und so verging kein Jahr, so waren dieBewegungen des Kirchenstaates, wenn nicht inihren Quellen erstickt, doch in ihrem Ausbruchbezwungen. Im Jahr 158» halte man dieNachricht, daß auch die letzten Anführer Mon-tcbrandano und Arara getödtet worden.
Glücklich fühlte sich der Papst, wenn ihmnun die eintreffenden Gesandten bemerkten, siefeien in seinem Staate allenthalben durch einsicheres friedliches Land gereist.
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