Verfall der Malerei seit dem II. bis zum XIV. Jahrhundert.
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Taf. (III.
Miniaturen eines lateinischen Mann-scripts , durch einen italienischen Maler ,Schüler einer griechischen Schule , an-gefertigt. XII. oder XIII. Jahrh.
1) Christus redet zu den Aposteln; dieses Ge-mälde ist aus dem berühmten griechischen Menologder Bibliothek des Yatican, eine Arbeit aus dem IX.oder X. Jahrh., dessen schon so häufig erwähnt ist.Die Tafeln XXXI., XXXII. und XXXIII. zeigendie interessantesten Gemälde aus demselben. Dieseshier, welches auf dem Original durchgezeichnet ist,ist das erste von allen und deshalb auf dieser Tafelabgedruckt, um es mit dem auf der folgenden Num-mer vergleichen zu können.
2) Derselbe Gegenstand, durchgezeichnet aufder Kehrseite des 95. Blattes eines lateinischen Ma-nuscripts. Obgleich die Composition von viel gerin-gerem Werthe ist, so erkennt man in derselben dochdie Nachahmung der griechischen Malcnveise.
Das Manuscript, aus dem diese Malerei genom-men ist, findet sich in der Bibliothek des Vaticanunter No. 39.; es ist ein neues Testament auf ziem-lich feinem Pergament geschrieben, in Holz gebun-den, welches mit rothein Leder überzogen ist. DerBand ist ziemlich wohlerhalten, und enthält 172 Blät-ter von 7 Zoll 9 Linien Höhe und 5 Zoll 9 LinienBreite. Die Schrift ist auf jeder Seite in zwei Spal-ten getheilt. Die Alphabete und die Specimina so-wohl der grofsen Buchstaben als auch der Cursiv-schrift, welche in dem ganzen Text dieselbe ist,sind durchgezcichnet und unter diesem Gemälde ab-gedruckt. Wenn man sie mit denen des Manuscriptsder Gräfin Mathildis vergleicht, welche auf TafelLXVI. abgedruckt sind, oder mit denen des Manu-scripts des Peter Comestor unter No. 927. der Bib-liothek des Vatican, wovon das Alphabet und dasSpeciinen auf Tafel LXVII. No. 8. abgedruckt sind,so kann man hiernach schliefsen, dafs diese Buchstabenaus dem XII. oder den ersten Jahren des XIII Jahr-hunderts sind; besonders w'enn man bedenkt, dafsdie Namen der heil. Franciscus und Dominicus sichnoch nicht in dem Kalender befinden, welcher diesemManuscript beigefügt ist.
Die Anfangsbuchstaben der Paragraphen habendie sogenannte gothische Form und 6 Linien Höhe;sie sind in roth und blau geschrieben und so zu sa-gen, in verschlungene Züge cingehüllt, in dem Ge-schmack der Anfangsbuchstaben des Manuscripts vomSeneca, welche unter No. 8. auf Tafel LXXII. ab-gedruckt sind.
Die grofsen Buchstaben sind 2 Zoll hoch und
Malerei.
mit denselben Zügen geschmückt; andere noch vielgröfsere Anfangsbuchstaben, welche häufig sogardie ganze Seite einnehmen, sind mit gebräuntemGolde verziert; sie zeichnen sich durch Laubwerkund Thiergestalten aus; einige sind sogar mit mensch-lichen Gestalten geschmückt, wie man solche in denBuchstaben F und P unter No. 4. sicht.
Was die Gegenstände der andern Malereien die-ses Manuscripts betrifft, welche auf dieser Tafel ab-gedruckt sind, so sind folgende die ausgezeichnetstenderselben: Man sieht auf der Zeile No. 3. das Gast-mahl der Herodias nach der Enthauptung Johannesdes Täufers; den Einzug Christi in Jerusalem ; eineLnterredung Christi und seine Taufe. Auf ZeileNo. 4. sieht man die Vertreibung der Wechsler ausdem Tempel; Christus, wie er mit den Schriftgelehr-ten, disputirt, und die Krippe. Auf Linie No. 5. ;Christus bei Martha und Maria; das Gastmahl desreichen Mannes; unter dem Tische ist die Seele desReichen dargestellt, wie sic vom Teufel entführtw ird, während die des Lazarus von einem Engel em-pfangen wird; die heiligen Frauen am Grabe u.s. w.Die sechste Zeile endlich zeigt die Wiedererwek-kung des Lazarus, die Apostel beim Abendmahl; dieBekehrung Pauli, die des Kämmerers der KöniginCandace und die Einkerkerung Petri und Pauli.
Der gröfste Theil der andern Gemälde stelltsymbolische und bizarre Handlungen dar, welcheaus der Offenbarung entlehnt zu sein scheinen; die,welche unten auf der Tafel abgedruckt sind, zeigenbesonders die gröfsesten Eigenthümlichkeiten; siewaren bis jetzt noch nicht edirt.
Taf. ( IV.
Proben der Nachahmung des griechi-schen Styls durch die italienische Schulein den Miniaturen der Manuscripte,
Der Zweck dieser Tafel ist, dem Leser die Ab-stammung der lateinischen oder italienischen Schuleklar vor Augen zu stellen, d. h. ein vergleichendesGemälde der Productionen der griechischen und la-teinischen Schule zu entwerfen, welches beweist,dafs der Styl der Letztem sich durch Nachahmungder Erstem gebildet hat.
Zu diesem Zweck sind aus den griechischen undlateinischen Manuscripten dieses Zeitraums einmaleinzelne Figuren, dann auch ganze Compositionenausgewählt. Da die Gegenstände dieselben sind, sokann man sie leicht vergleichen und daraus die Fol-gerungen ziehen.
1) Der Prophet Nahum; Figur aus einem grie-chischen Menolog der Bibliothek des Vatican unterNo. 1013. IX. oder X. Jahrh. Sie ist auf dem 216.
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