Band 
Dritter Band.
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Kirchenlied.

und bald hatte Luther schon über ungeschickte Köpfe zu klagen, die ihrenMäusemist unter den Pfeffer mengten. Wirklich dichteten alsbald nichtblos Geistliche, sondern auch Soldaten, Handwerker, Juristen, Regentenund Leute aller Stände, und auch darin ward das Kirchenlied demVolksliede ähnlich, daß es ohne den Namen des Verfassers umging, weilwie Luther sagte, Gottes Name darin allein gepriesen werden sollte.Was vielleicht im ersten Anfange noch an Masse fehlte, das ersetzte dergroße Eifer im Verbreiten des Vorhandenen. Dies war von außer-ordentlicher Folge, denn nicht allein lernten viele tausend Menschen, wieCornelius Becker sagt, die Glaubensartikel der rechten Lehre aus diesenLiedern richtig, sondern sie waren besonders darum so tief eingreifend,weil man ihnen nicht so wie den andern Schriften Luther's den Wegverhauen konnte, da sie in Briefen und im Gedächtniß weiter gingen^).So drangen gerade Luthers Lieder im Besondern in Kirche und Schulezugleich, wurden in Haus und Werkstatt, auf Märkten, Gassen undFeldern gesungen, ja sie drangen in den katholischen und resormirtcnGottesdienst ein, und Katholiken selbst gestanden ihre große Wirksamkeitein^). Es war aber auch gerade in Luther's Liedern jene heitere Zuver-sichtlichkeit, und jene Kraft des Vertrauens, die ihn überhaupt so herr-lich macht; und wenn wir auch die Wärme, mit der damals ein Spangen-berg oder heute ein Gebauer^) diese Lieder beurtheilen, nicht theilenwollen, so können wir doch begreifen, wie schnell sie dem Volke seineweltlichen Lieder ersetzten, denn sie waren aus dem frohen, kräftigenGeiste gesungen, der dem Volke wohl thut; sie waren gegen den altenunfröhlichen Gott der Juden gerichtet, aus dem Glauben, daß uns Gottwieder fröhlich gemacht durch den Glauben an den Erlöser-Sohn; undsie sollten dem Heulen, Trauer und Leid, das der Pabst in aller Weltangerichtet, Abbruch und Schaden thun. Selbst bei Begräbnissen solltennicht mehr die Greuel vom Fegefeuer und dergleichen gesungen werden,

23) In einem Liede von Blaurer heißt es :

Obgleich miswan die tyrannen's Gotswort wnrdint wider bannen,die predig nnd die bibel weren,so magiiu dich diff Vorrats nereN,und was du gesamlet hast mit truwenwie ein reins Thierle widerkuwen.

24) Rambach, über Luther's Verdienste rc. S. IKK. Note.

2ö) Jener in der Vorrede zu seiner Litbara Imtkeri; dieser in dem deutschenDichtersaale und in Luther und seinen Zeitgenossen rc.