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Dritter Band.
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24 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

sondern tröstliche Lieder von Auferstehung und Vergebung der Sünden.Eben so betrachtete auch Erasmus Alberus den deutschen Kirchengesang;er zürnte den Karlstädtern, die so gar voll Geistes seien, daß sie keinendeutschen Gesang in ihren Kirchen dulden wollten, welches alles daherkäme, daß ihr Gott ein Gott der Traurigkeit und sauersehender Mönchsei, dem sie mit Verachtung der edlen Gabe Gottes hofirten. So stelltesich der lutherische Kirchengesang in die richtige Mitte zwischen dem da-maligen frivolen der katholischen Kirche, und dem trockenen der reformir-ten, die den Verstand und die Predigt mehr im Auge hatte. Doch hieltdies nicht aus. Es kam im l7. Jahrh, eine Zeit, wo man von diesemfröhlichen Gesänge wieder ganz zu einem finsteren rückkehrte, der eineMenge Kennzeichen der alten katholischen Dichtung trägt.

Da auch das Zufällige und Unbedachte, was Luther je that, alsein Beispiel und Muster wirkte, so war eö natürlich, daß die erste Kraftund Würde seines Liedes nicht lange anhalten konnte. Die Art undWeise, wie er aus eigner Lage und aus dem Bedürfnisse der Zeit Liedersang oder Psalmen sich aneignete, befolgten nur seine nächsten Freundeund Nachciferer; bald wurden die Psalmen nicht mehr bearbeitet, son-dern übersetzt, bald ohne Wahl übersetzt und handwerksmäßig hingereimt.Daß er auch das Vaterunser, die zehn Gebote und den Glauben inReime brachte, gab nachher jedem dürftigen Kopfe den Muth, sich anBibelstellen, an Evangelien und Episteln zu versuchen. Daß er lateinischeHymnen übertrug, war für den Augenblick vortrefflich, später aber bahntees den sinnbildernden Dichtern den Weg zu manchen Kirchenvätern undihren Vorstellungen zurück, die Luther nicht gebilligt haben würde. ImAnfang stehen um Luther zunächst herum nur solche Männer, die wie erselbst nur einzelne Lieder sangen, angeregt von besonderem Trieb oderbesonderer Gelegenheit. Ihre Lieder sind daher am wenigsten allgemein;die bestimmten Anlässe geben ihnen Lebendigkeit, und sehr mit Unrechtbedauerte Herder, daß unter Luther'S Liedern einige persönliche und zeit-gemäße sich finden, unter die ja auch „Eine feste Burg" gehört. Solchepersönliche Lieder waren die von Johann Friedrich von Sachsen und demLandgrafen von Hessen in ihren Gefangenschaften gemachten, und siesind gewiß mit die schönsten, wenn sie auch freilich nicht zum kirchlichenGebrauche waren. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir sogleich, daßwas von dergleichen einzelnen Liedern im Besondern, im Allgemeinengleichfalls gilt. Die alten Lieder des 16. und 17. Jahrhs. in ihremganzen Umfange sind schon darum innerlicher und besser, als die neuern,weil sie Gelegenheitslieder sind, insofern sie in Zeiten allgemeiner Noth