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Dritter Band.
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26 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

Reußner's (1471 — 1503) Symbolum liegt^). Dies haben sie auchmit den Liedern von Michael Weiß ich o'. 1540) gemein, der die hussiti-schen Gesänge übersetzte und 1531 zu Juugbunzel herausgab^), einigeLieder auch selbst machte, die in die lutherischen Gesangbücher vielfachübergingen. Auch sie sind gleichsam mythologischer, weil sie ihre Lehrenvielfach an die Erscheinung Christi und dessen Persönlichkeit anknüpfen;sie theilen den allgemeinen Zweck, den Ernst zum Herrn wieder herzu-stellen und vom Weltsinn abzurufen Sie stehen, wie musikalisch so auchtertlich, in der Mitte zwischen den lateinisch-katholischen Gesängen undden deutsch-lutherischen, nicht allem, weil sie theilweise aus den lateini-schen übersetzt, und auch, wo sie original sind, an diese erinnern, sondernauch darum, weil sie noch stets in der Gesammtheit, allgemein, katholischreden, der einzelne Dichter nicht Namens seiner eigenen Empfindung, son-dern als Vertreter der Gemeinde darin auftritt, worin die evangelischenLieder, die auch ihrerseits, wie die ganze Lehre thut, das Individuumfrei geben, den katholischen entgegen stehen. Diese Lieder ferner sind vongrößerer Geläufigkeit, als viele andere der Zeit, dankbarer für die musi-kalische Begleitung, wie denn die böhmischen Brüder ihrer Musik undihres Eifers für den Gesang wegen bekannt waren. Sie verrathen ineinem gewissen Flusse und Gewandtheit der Gedanken, daß auch sie inZeiten größerer öffentlicher Noth entstanden sind, da sie zum Theil vonHuß und den Taboriten noch herrühren; sie tragen den Charakter leben-digerer Wirkung und größeren, öffentlichen Einflusses an sich. Auch dieLieder^) des Erasmus Alberuö (ff 1553) erkennen sich sogleich in einemscharfen Bezüge auf die Zeit der ersten heftigen Anfechtungen, die das

26) Was lebet, das stirbt durch Adam's Noth,

Was stirbet, das lebt durch Christi Tod.

27) HanS Varnier druckte dies Gesangbuch der Picardeu in Ulm 15ZS wieder.1560 erschien es in Nürnberg in veränderter Ausgabe durch einen der böhmischen Nette-sten, unter deren Aufsicht Weiß seine Arbeit gemacht hatte, Joh. Horn. Sie hatten ihmbei seiner Uebersetzung, da er des Deutschen viel mächtiger war, vertraut, später aberentdeckt, daß er in den Nachtmahlliedern „sonderlichen Sinn, dem ihren fast ungleich"cingefiochten habe: daß „das Brod und Wein testamentSweise Leib und Blut Christisei", u. dergl. I» dieser Horn'schen Ausgabe ist daher ein Lied wie das „Christus derHerr vergoß sein Blut" weggelassen, in dem mehrere Stellen begegnen dieses Sinnes:

Daß nach Christi Wort dies Brot testamentlich seysein Leib u. f.

28) Wir kennen deren eine ziemliche Anzahl aus fliegenden Blättern und aus einervortrefflichen Sammlung geistlicher Psalmen. Nürnberg 1607.