Band 
Dritter Band.
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Kirchenlied.

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gemacht wurden. Das Musterbuch des christlichen Gesanges war demSänger David in den Tagen des Jammers vom heiligen Geiste einge-geben, und so wie Luthern einzelne Psalmen erst in ähnlichen Stimmun-gen ganz aufgingen, so verstanden auch jene Zeiten, wo der Protestan-tismus eine Schule der Trübsal durchmachen mußte, diese Poesie derFurcht und Hoffnung, des Trostes und der Trauer viel besser als diespäteren. Die Evangelischen zur Zeit des Interims und im dreißigjähri-gen Kriege waren in einer ähnlichen Bedrängniß, wie die ersten Christen,und daher waren ihre Lieder meistentheils Kinder der Noth. Eine langeReihe von Liederdichtern ließe sich nennen, die in David's Lage sich! fanden, als sie dichteten. Bnrkard Waldis schrieb seinen deutschen Psalter^ zum Theil in schwerem Gefängniß und dem Rachen des Todes, wie erE sagt, da er fast drittehalb Jahre verhaftet und mit Tortur gequält war,und widmete ihn seinen beiden Brüdern, die eine gefährliche, über 200Meilen weite Reise zu seiner Befreiung gemacht. Lobwasser übersetzteseinePsalmen inPestzeiten; Spangenberg die seinigen in „seinem Elende,und weil ihm das liebe Kreuz in seinen schweren Verfolgungen (als- Flaeianer) den heiligen Psalter nicht allein recht gesaltzcu und wohl-schmeckend, sondern auch ganz und gar zu eigen gemacht." Trautschelsagte geradezu, Psalmen zu verstehen und zu machen, verlange einDavidischeS, geängstetes, in Nöthen gepreßtes Herz, und fragte: werwill doch wissen, was in dem Psalmen sei, das Bette die ganzeNacht schwemmen und dergleichen, der nicht mit David selbst in derBrühe gelegen? Krieg, Verfolgung, Verbannung sind die Quellen sovieler geistlicher Lieder des 17. Jahrhs. Seines Amtes entsetzt und ver-wiesen dichtete Gerhard seine Lieder, auf der Flucht jenes „Ist Gott fürmich" und „Befiehl du deine Wege". Unzähligemale geben die Vorredensolche und ähnliche Anlässe der Entstehung an. Daher nun, daß damalsnicht Kunstfertigkeit und Handwerk, sondern große Veranlassungen undGelegenheiten zum Dichten anregten, kommt es, daß die meisten einzel-nen Lieder der nächsten Zeitgenossen Luther's, der Speratus, JustusJonas, Seb.-Heyd, Spengler, Nicolaus Decius, Adam Reußner, Paul^ Eber, Wolfgang Capito, Ambrosius Blaurer u. A. in einem so bestimm-^ ten Verhältniß zu ihrer Zeit gesehen werden. Sie alle drehen sich umdas große Werk ihrer Erlösung, das nun in dem Glauben der Menschendurch die neue Lehre tröstend gefestigt werden sollte; sie reden viel vonGnade und Werken, besingen die Menschwerdung Christi, schärfen dieErinnerung an seine Wohlthaten und an die tröstliche Verheißung ein,die er uns gegeben hat, sie verhandeln das evangelische Thema, das in