Band 
Dritter Band.
Seite
81
JPEG-Download
 

Schauspiel.

81

Herzen sprach; wenn auch sein Deutsch nicht gefeilter gewesen wäre alsi Hutten's, so wäre doch wie bei diesem die Seele lebenvoll in die Schrifti getreten, die gewöhnlich verloren ging, sobald fremde Uebersetzer das' Latein erst mechanisch oder »erkünstelt ins Deutsche übertrugen. Derj Pammachius fand gleich bei seinem Erscheinen zwei Uebersetzer: einenk eifrigen geistlichen Herrn, Justus Menius (1539), und den Bürger Joh.Tirols in Kahla (Zwickau o. I.; 1540); der Letztere ist von Naogeorgselbst zu seiner Uebersetzung ermuntert und von dem Meister damaligerVerskunst, Paul Rebhun, eingeführt; er übertrifft den Menius beiweitem, geht aus den achrsilbigen Versen heraus und schreibt treuer über-setzend in fünffüßigen Versen, reinlicher, gemessener, edler, indem bewuß-ten Streben, „der künstlichen Eleganz" des Lateins desto besser nachzu-^ kommen. So gut ist es den Stücken unserer Lateiner selten geworden,

^ wie hier, wo der Uebersetzer wie der Dichter, von dem streng evangelischenInhalte gefesselt, den noch lebenden Luther vor Augen, sich zu würdigerArbeit zusammenrafften: man sieht aber aus Einem solchen seltenenBeispiele, was da hätte geleistet werden können, wenn jene lateinischen> Dichter selbst ihren ausgebildeten Formsinn der deutschen Sprache hättenzu Gute kommen lassen. In dem Personal des Pammachius bedeutet^ dieser die Päbste, Porphyr ihre Juristen und Sophisten, Julian die älternKaiser, Nestor den ehrlichen Kanzler, Dromo den gemeinen Haufen, derdem Pabste willfährig ist. Christus läßt den Teufel los, alle Welt zuregieren, ergrimmt über des Pammachius Gottlosigkeit, der sich gegendie dreifache Krone nun dem Satan übergibt, den weltlichen Regentenunterdrückt, und nun frei seine Lehre verkündet, bis sein Thun und Trei-ben in den Himmel dringt — dann schickt Christus die Wahrheit undden Apostel Paulus an die Elbe zu Gottlieb, den zu waffnen, mitWort und Schrift zu kämpfen gegen Pammachius, der denn auch balddas Reich des Teufels alarmirt. Bei diesem Stande der Sachen brichtNaogeorg ab; auf den fünften Schlußakt soll der Leser nicht warten:Jesus selbst werde ihn bald beim jüngsten Gericht aufführen. — Wirwollen Kürze halber die inoenäia, die gleichfalls gegen die Unthatendes Pabstes und der Päbstler, insbesondere gegen Heinrich von Braun-schweig gerichtet sind, übergehen, von denen uns ohnehin die deutscheUebersetzung (der Mordbrand 1541) nicht bekannt ist, und auf den „Kauf-mann" übergehen, der 1541 von einem Ungenannten verdeutscht erschien,viel besser als später von dem Pfarrer Rulich in Augsburg. In diesemStücke arbeitet Naogeorg in Manuel's übermüthigem Spottgeist nicht

Gerv. d. Dicht. III. Bd. 6