Schauspiel.
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doch auch sehen. Man hatte dem schaulustigen Geschlechte so viel Bild-und Schauwerk, Proeessionen, Priesterpomp und Maskeraden genommen,es wollte doch entschädigt sein, und da kam dies fromme Schauspiel ge-rade recht. Wie sich sonst das Publicum in der Kirche mit lateinischenGesängen hatte abspeisen lassen, so hörten sie nun auch die lateinischenStücke an, und waren vergnügt, wenn man ihnen in deutschen Reimenden Inhalt jedes Actes vorher anzeigte. Es kam auch wohl vor, daßgemischte Stücke gegeben wurden. Andreä, der noch spät lateinischeSpiele (Esther und Hyacinth) schrieb, hat in seinem lurbo zwischen dielateinischen Scenen Zwischenspiele eingeschoben, in welchen verschiedeneSprachen gebraucht werden, und eine ähnliche Zurichtung hat die 6er-mania luxurisns (1643), die durch den 30jährigen Krieg veranlaßt ist,und in welcher deutsche Zwischenspiele vorkommen, in denen Soldatenund Bauern den Kriegsunsug lebhaft darstellen. Sehr früh ließen sichaber die Schulmänner herab, ihre lateinischen Stücke zu übersetzen undsie zum allgemeinen Gebrauch auch dem Volke zum Besten zu geben. Soweiß man aus Baumgartners Gericht Salomonis (1561), daß in Mag-deburg das, was vorher in der Schule aufgeführt war, auch deutsch aufdem Rathhause oder unter freiem Himmel vor allen Bürgern wiederholtwurde und zu dieser doppelten Aufführung stehen beweisende Fälle imMecklenburgischen und Elsassischen und überall zu Gebote. Es ward dasSchauspiel eine Gelegenheitsfeierlichkeit: gab es irgendwo einen fürst-lichen Besuch, wollte man ein Volks-oder Religionsfest besonders ver-herrlichen, so hatte der Schulmeister für eine Action zu sorgen. So läßtsich's nachweisen, daß des theaterlustigen dänischen Königs Friedrich II.Besuche im Mecklenburgischen von Einfluß aus Darstellungen und Ver-fertigungen von Komödien gewesen sind. Ihm widmete Omich, Rectorin Güstrow, seinen Dämon; ihm zu Ehren hatte er einen Daniel auf-führen lassen. Der Schulmeister machte bei solchen Gelegenheiten ge-wöhnlich den Prolog und gab den „Regenten des Stücks" ab, dieKnaben hatten die übrigen Rollen. Es ward irgend ein Local geräumt,Markt, Rathhaus, Kirche, und man hatte gelegentlich über den dabeivorfallenden Unfug zu klagen, sowie über Entweihung des Gotteshausesdurch heidnische Komödien, die die Schüler in Verkleidungen aufführten.Dem Schulmeister verehrte man dann für seine Regen; ein Paar Guldenund auch die Schüler erhielten wohl ein kleines Geschenk. Diese deut-schen Aufführungen wurden natürlich durch Gemeinde und Gemeinde-räthe unterstützt, man führte auch hier Schulzwecke, die deutsche Aus-sprache zu lernen u. dgl., neben den allgemeinen sittlichen Zwecken an.