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Dritter Band.
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92 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

war es Gesetz, daß jährlich wenigsteus Eine Komödie von demSchulherrn ausgeführt wurde. Schon 1538 begegnet man dort einemagirten Stücke von Val. Veith, von dem Fall und der Wiederbringungdes Menschen. Als Rollenhagen 1592 dort den Terenz spielen ließ,waren diese Schulübungen schon 20 Jahre eine stehende Sitte; Rollen-hagen schrieb weitläufige deutsche Prologe zu jedem Stücke des Rö-mers und zu jedem einzelnen Acte, zur Orientirung der zuschauendenLaien. Man weiß aus Aaron Burkhard's Leichenpredigt auf Rollen-hagen (1609), daß dieser sich mit der Verfertigung von Schulstücken ab-gab und man kann es belegen: er hatte einen ältern aus dem Lateinübersetzten Abraham schon vor und in dem Jahre 1569 zweimal bearbeitetin Halberstadt und Magdeburg, und noch 1590 machte er den Lazarusvon Joachim Lonemann zurecht. Die Stücke von Joh. Sanders (Jo-hannes 1588), von Andreas Hartmann, der Ringwaldts treuen Eckartdramatisirte (1600), von Ambr.Pape (Jonas 1605), von RollenhagensSohn Gabriel (amantes gmoutes von Angelus Lohrbece Liga 1610)und A. knüpfen sich an jene Blüte der Magdeburger Schulkomödiean. — Die Güstrowsche Schulordnung von 1552^) verordnet, daßjedes halbe Jahr eine lateinische Komödie aus Plautus oder Terenz vonden Knaben, jedoch extra babitum, agirt werde, damit sie gut lateinlernen mögen, die größeren Schüler sollen wohl auch einen Dialog desLucian griechisch aufsagen. Hier wird noch vorgeschrieben, daß deut-sche Komödien für den gemeinen Mann nicht von den Schülern solltendargestellt werden, es sei denn unter dem Vorwissen und Gutachten derRegierung. Aber diese Vorschrift, wenn sie anderswo auch statt gehabthaben sollte, ward nicht lange beobachtet, weil nun bald die religiösenund sittlichen Zwecke die sprachlichen in Schatten stellten. Mehr undmehr ward das Dichten von Moralitäten unter den Pfarrern und Schul-männern allgemein und das Ausführen von Schulstücken blieb Sitte bisins 18. Jahrh. Noch zu Gottsched's Zeit wurde die Passionsgeschichtein Leipzig von Knaben aufgeführt; Flöget fand diese Sitte in Schlesienzu seiner Zeit vor; in Schwerin bat noch 1721 der Rector der Dom-schule um Erlaubniß, mit seinen Schülern einige Komödien geben zudürfen. Dabei gingen dann die Aufführungen immer mehr aus denSchlanken der Schule heraus. Das Volk drängte sich zu den Auf-führungen zu, was der Schulherr gesehen hatte, wollte Frau und Kind

83) S. den Aufsatz zur Gesch. des Mecklenburger Theaters, in den Jahrbücherndes Vereins für mecklenb. Gesch. !, S. 81.