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Dritter Band.
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102 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

Mauricius und Lucas Mai vergleichen, die ihren Stoff aus dem H. Bern-hard nahmen, und mit dem letztem die Komödien von der Geburt Christi(1541. 1589) von dem gekrönten Poeten H. Knaust und dem BerlinerG. Pondo^), um den Unterschied von Schul- und Volkskomödie, vonbiblischer Historie und Moralität gewahr zu werden. Diese Stücke habeneinen streng scholastischen Charakter, während dort Alles auf Schau undErheiterung aus ist; jene sind in Zeit und Personenzahl sehr beschränkt,in Ruef's Adam sind über 100 Personen zwei Tage lang beschäftigt.Zu seiner Zeit war unter Zürichs Bürgern eine große Rührigkeit für dasSchauspiel. Ruef selbst schrieb noch einen Etter Heini und einen Tell,die beide neu herausgegeben sind; der letztere hatte schon einen Vorläuferin einem sehr einfachen 1545 in Uri gespielten Stücke. Neben Ruefwaren gleichzeitig noch andere Züricher Bürger mit einfacheren biblischenStoffen beschäftigt; Fastenspiele von Hans Rudolf Manuel wurden inZürich gegeben; später schrieben Jos. und Christoph Murer in den 70erund 90er Jahren für die dortige Bürgerschaft geistliche und weltlicheStücke. In diesen letzteren Zeiten schien in Solothurn der EisenkrämerG. Gotthart, in jenen früheren in Basel ein Valentin LZoltz von Ruffachzu wetteifern. Ueberall schrieben und spielten hier Bürger für Bürger.In Deutschland zeigt sich das Aehnliche aber nur zeit- und stellenweise.Wenn Rebhun und Greff ihre Stücke von Bürgern in Kahla und Halle,oder Lienhart Culman seine Pandora (1544) und sein chri stliches Spiel voneines Sünders Bekehrung (1539) in Nürnberg spielen ließen, so warendies ohne Zweifel gewähltere Kreise. Dagegen ist Holzwarts Saul(1571) ein ächtes Volksstück, das 50 Akte füllte, zwei Tage dauerte, und100 redende und 500 stumme Personen beschäftigte; auch Joh. Brum-mens apostolische Tragikomödie, von Bürgern in Kaufbeuren aufgeführt(1592), ist eine solche „weitläufige große Action" mit 246 Personen; soist auch in Rinckhart's Müntzer darauf gerechnet, daß der Herr „Omnes",

87) vo. H. Knanst oder Chnustin war aus Hamburg, um 1541 in Berlin, er-scheine weiterhin in Bremen, Frankfurt, zuletzt in Erfurt noch immer als Doctor (derRechte) und zugleich als Schulmeister am Stifte St. Maria. Wir haben ihn oben alsLiedersammler gesehen; am bekanntesten war er als juristischer Schreiber; auch lateini-sche Schauspiele hat er versaßt; Fischart nennt ihn in der Flohhatz unter den Thier-mährendichtern, wegen seiner „Omeyß" (Frankfurt 1566), die er aus Melanchthon'SLatein übersetzte. — Das Stück von G. Pondo ist von Dr. Friedländer (Berlin 18Z9)herausgegeben. Ein anderes Drama dieses Musici in Cöln an der Spree ist dasspeeulum puerooum 1596, dessen Stoff einer Novelle von Wickram, der junge Knaben-spiegel, entlehnt ist.