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Dritter Band.
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Schauspiel.

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Mauricius (1539—1610) nennen wollen, der mit seinem Sohne,dem jüngern Georg MaurieiuS (1570—1631 Pros. der Dichtkunst in Alt-dorf) nicht zu verwechseln ist, und dessen „Komödien", meist von morali-stischem Inhalte, 1607 gesammelt sind. Und nebenMauricius müßte mannoch den Osnabrücker Pfarrer Rudolph Bellinghausen (ch 1645) erwäh-nen, der um 1607—11 wenigstens 36 geistliche Komödien, außer einigenGesprächen, geschrieben hat, deren wir zwanzig selbst kennen, alle so kahl,ungeschickt und roh, so trüb und düster, so überfüllt mit erfundenenPersonen, und ohne zusammenbindende Handlung, daß man wohl be-greift, warum hiergegen die unterhaltende englische Komödie einen leich-ten Ausflug nehmen konnte.

Wie sehr nun diese Moralitäten dem Gesichtskreise der Erwachsenenangepaßt waren, so waren sie doch meistens von Schülern aufgeführtund von Schulmännern verfaßt; ein anderer nächstverwandter Zweigaber, den man evangelische Mysterien nennen möchte, war fortwährendin den Händen des Volks geblieben und leitet uns unmittelbar zu denBürgerspielen über, den Aufführungen volksmäßiger, von Volksmäu-nern verfaßter Stücke für und durch das Volk. Die Continuität dieserGattung beobachtet man besonders in der Schweiz. Dort und am Ober-rhein hatten die Passionsspiele an der Scheide des 15. und 16.Jahrhs.,wie wir früher sahen, einen erneuten Aufschwung erhalten; in denkatholischen Cantonen wie Luzern dauerten sie im 16. und 17. Jahrh,man darf annehmen ununterbrochen fort. In den evangelischen Cantonentraten evangelische Mysterien einfach an ihre Stelle; sie waren auch dafortwährend in den Händen des Volks. Dafür zeuge das Spiel voni Adam und Eva von dem Chirurgen oder Steinschneider Jaeob Ruef,

' das von den Bürgern in Zürich 1550 gespielt wurde ^). Das Stück istin der drolligsten Volksmanier abgefaßt; es reimt die Geschichte derSchöpfung und Fortpflanzung der Menschen bis zur Sündflut; es führtvor, „wie Adam sein Weib beschläft, die einen Sohn und eine Tochtergebiert", und wie sich diese Zwillingszeugung im selben Akte noch einmalereignet; es dramatisirt die Benennung der Thiere durch Adam wie diej Stammtafel von Kain's Nachkommen. Ein Gegenstück dazu ist das voni der Jugend 1545 ausgeführte Passionsspiel von den Leiden Christi „fast! textlich und mit wenigen Zusätzen". Mit beiden Stücken muß man, mitdem erstem die abstrakter gefaßten Stücke von dem Fall und der Wie-derbringung des menschlichen Geschlechts von den schon genannten

86) Herausg. von Kottinger, Quedlinburg 1848.