Band 
Dritter Band.
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116 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

wird halb wahnsinnig und sinnt auf Rache; er veranstaltet mit Pelim-peria, die zum Schein in die Ehe mit dem Portugiesen willigt, einSchauspiel, in dem sie und er die beiden Prinzen, ihren Rollen und ihrerRache gemäß, nicht nur scheinbar, sondern wirklich ermorden, worausPelimperia sich selbst umbringt, der Marschall aber, nachdem er ergriffen,sich die Zunge auöschneidet, um nichts gestehen zu müssen und mit einerList sich dann noch ein Messer verschafft, womit er den König ersticht!Aehnlich erinnert, was auch Tieck bemerkt, die schöne Sidea von Apreran den Sturm. Ein König Ludolf wird von dem König von Lithauenseines Reiches beraubt und mit seiner Tochter Sidea verjagt. Im Waldbekommt Ludolf durch Zauberkunst den Sohn des Lithauers gefangen,der die Sidea lieb gewinnt und mit ihr flieht. Im übrigen freilichtrennt sich der Inhalt beider Stücke so, daß eine gemeinsame Quellenicht zu vermuthen ist, so wenig als man zwischen dem König Theodosiusund dem Leben ein Traum etwas weiteres als eine ganz vage Aehnlich-keit eines Theils des Inhalts statuiren könnte. Dagegen ist derKönig von Cypern wieder ein englisches Stück, das genau selbst miteiner spätern Bearbeitung von Lewis Machin (Dodslep 6.), die Aprernoch nicht kennen konnte, übereinstimmt.

Keines von Aprer's Stücken erhebt sich über das Gewöhnliche derZeit; nur ihre Art und ihre Masse verdient Aufmerksamkeit. Nach einerMittheilung von Helbig^) sind sie wohlAlle schon vor 1606 geschrieben,und wie eS scheint in einer kurzen Reihe von Jahren, so schnell undflüchtig, daß die Tragödie von Lazarus in neun Tagen, die Singspielejedes in Einem Tage geschrieben wurden. Trotz seiner Uebung an besserenMustern hat Aprer keinen Begriff von der Einheit — nicht des Orts undder Zeit, sondern — einer Handlung; seine Stiftung Bamberg's istnicht allein eine Historie, sondern eine Chronik zu nennen. Weder weißer eine Intrigue zu verfolgen, noch eine komische Situation zu behaup-ten, wie z. B. in den Menächmen, wo das so leicht war, noch einenCharakter zu zeichnen. Nur die Versuche zu diesem letzteren sind da, ob-wohl so wenig gelungen, daß Hans Sachs, der mit Absicht nirgendsaufs Charakteristren ausgeht, zuweilen glücklicher war. Man darf nurden alten gutmüthigen Pabst Gregor in der Stiftung Bambergö, oderdas junge liebenswürdige Bürschchen Amor im Theodosius beachten, um

96) In Prutz lit. Taschenbuch für 1847. Er fand in Dresden eine Handschrift,die einige noch ungedruckte Stücke mehr enthält als die 30 Komödien und Tragödienund 36 Fastnachtspiele des opus tdeatricum.