Band 
Dritter Band.
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Schauspiel.

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zu sehen, daß höchstens ein Paar Altersformen und in wie weit auchdiese nur gelingen. Wie in den rohen alten Romanen ist Alles unmoti-virt. Etwas mehr wagt sich Aprer weg von dem Gerippe seiner Stücke,ist ausgesponnener als Hans Sachs; er entfernt sich zu Nebenseenen,nicht allein zu den komischen Zwischenspielen des Narren, die nie fehlendürfen, sondern auch zu ernsteren Episoden, wie z. B. gleich im erstenStücke von der Erbauung Roms die vestalische Skandalgeschichte undNonnenlegende ist. Sehr gerne neigt er zu kleinen Liebeöhäudeln, die ihrbischen Empfindsamkeit von dem Volksliede hernehmen; so sprechenLiebende bei dem Herzog Julius in lauter Versen aus Volksgesängen.In einzelnen Stellen arbeitet er auf Rührung hin, durchgehend aber aufSchrecken und Schauder. Das Blutige und Scheußliche ist der aus-fallendste Charakterzug dieser Trauerspiele. In dreißig Zeilen schneidetim Servius Tullius zuerst Lucius Tarquin seiner Gattin den Hals abund läßt sie verzappeln, und vergiftet Tullia ihren Gatten. Im KaiserOtto werden dem Crescentius Nasen und Ohren abgeschnitten, dem PapstJohann die Augen ausgestochen, einer der um die Kaiserin buhlt wirdverbrannt, einer der sie verschmäht, hingerichtet, und der Kaiser mit einPaar Handschuhen vergiftet. Im Mahomet schlägt der Sultan gleichAnfangs seinem Bruder den Kopf ab und wundert sich, daß seine Mutterum eine Hand voll Bluts dabei weinen mag; und in Erzählung undDarstellung sind die Greuel bei der Eroberung von Konstantinopelgehäuft. Von allen diesen Auswüchsen der Rohheit ist Hans Sachsnoch frei.

In den Trauerspielen täuscht leicht die theatralische Gewandheit,wenn man aber Hans Sachsens Vorzug vor Aprer unbefangen erkennenwill, muß man die Fastnachtspiele vergleichen. Viele sind wohl auch beidem Schuster nur grobe Possen, wie viele aber auch so sinnige und ge-haltvolle Gegenstände, die auf mehr ausgehen als bloße Pulcinellscenen.Aber hier beruhen alle fast nur auf derben Ehezoteu und der beste Witzsteckt in den Kammertöpfen und Mistkauten. Unendlich stehen diese dra-matisirten Späße von den ähnlichen prosaischen oder nur erzählenden derZeit ab: was will z. B. das Zechgelag in Ayrer's Ritterorden von dempodagrischen Fluß, unter dem Vorsitz jenes Bacchus, der eingeführt wirdmit einem Kopf wie eine Kornmetze, einem Bauch wie eine Hütterskrütze,ein Paar Schenkeln wie Butterfässer, bedeuten gegen Fischart's trunkneLitanei? oder überhaupt irgend einer dieser gespielten Schwänke gegendie erzählten? Oder man vergleiche die vielen Scherzschristen über dasPodagra aus dieser Zeit mit dem breiten und langweiligen Prozeß wider