118 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.
der Königin Podragra Tyrannei hier! oder die Geschichten vom Pfaffenvon Kalenberg mit des Hoflebens kurzem Begriff. Durchgängig wirdman finden, daß diese Leute nicht wissen, daß man des Gemeinen, Nie-drigen und Schmutzigen dem Auge nicht so viel vorführen darf, alsdem Ohr.
In derselben Zeit, als Ayrer schrieb, gab auch Herzog HeinrichJulius von Braunschweig (ff 1613) seine Lustspiele, die weit mehrAnlage zeigen, als Ayrer's; auch Er zum Theil angeregt von den engli-schen Schauspielern. Dieser Fürst war neben Moritz von Hessen einerder ausgezeichnetsten unter den damaligen Regenten in Deutschland, dererste der, in Bibel und im oorpus sueis bewandert, einen gesteigertenBegriff von seinem monarchischen Rechte faßte und dies sein Land, seineStände, seine Städte in aller Weise fühlen ließ. Von seinen Händelnmit der Stadt Braunschweig sangen zeitgenössische Lieder (von 1607),die ihm Klage und Selbstruhm in den Mund legen. Er war einer derersten, die dem fremden Lurus Thür und Thor öffneten; er kleidete seinMilitär in Uniform und schuf vielerlei neue Bedürfnisse in seiner Um-gebung. Die Liedereomponisten der Zeit widmeten ihm aus Nähe undFerne ihre Werke als einem Kenner und Gönner ihrer Kunst. Dazu paßtes denn wohl, daß er eine Art Hoftheater einrichtete und selbst mit demBeispiel des Komödiendichtens voranging. Die häufigen Tragödien undKomödien, die man unter dem Beisatz tiibaläelia hat, sind von ihm^)und er ist einer der ersten dichtenden Fürsten, deren bald sehr viele wer-den sollten. Manche Stücke schmücken sich wohl auch mit jenem Titel,wenn sie nur in einem Bezüge zu der Wolfeubüttler Bühne stehen.Mehrere der kleinen Spiele, die unter dem Namen des Herzogs gehen,sind uns unbekannt geblieben; so der „ungerathene Sohn" (1607) unddas Spiel von einem Edelmann, der einem Alten drei Fragen aufgibt.DaS älteste der herzoglichen Stücke ist auch das berühmteste und beste,die Susann« (1593). Es ist, obzwar ein biblisches Stück, zur Zeichnungder Verweltlichung des Schauspiels dieser Zeit, und zwar von ihrerbesten Seite her, am dienlichsten. Obzwar es an frommem und sittlichemInhalt dem Stücke und besonders seinem Platt lehrhaften Epiloge nichtfehlt, so ist doch der geistliche Charakter gänzlich getilgt; es wird aus-drücklich ein Spiegel des Weltlaufs genannt. Die Sprache ist die der
97) Itenrious tul. krunsvicensis so I.uoebui'K. äux sckiäit kunc ruUum. An-derswo steht Iiieliltäbol u. a.