120 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.
wo dann „Niemand lacht als Jedermann". Dies ist unstreitig das eigen-thümlichste und originalste Stück, was diese Zeit auszuweisen hat. DasKomische schien auch dem Genius des Herzogs mehr zuzusagen; er hatwenigstens außer der Susanna kein eigentlich ernstes Stück weiter gelie-fert, obgleich aus der anderen Seite seine Schwankspiele, die alle trotzallen Schnurren in einem streng sittlichen Geiste geschrieben sind, einenharten, tragischen Ausgang nehmen und daher auch Tragödien oderTragikomödien heißen. So das kleine Spiel von dem Gastgeber (1598),der Edelleute und Bauern betrügt und allemal die Richtigkeit seinerRechnungen beim Teufel beschwört, bis ihn dieser zuletzt beim Worteund mit sich nimmt. So auch in dem „Buhler und der Buhlerin" (1605),wo sich der Buhler Pamphilus dem Teufel ergibt, um des jungen Wei-bes eines alten Trunkenboldes habhaft zu werden, und zuletzt in Händelnmit den Schaarwächtern erschlagen wird. Aehnlich ist auch die Tragödievon geschwinder Weiberlist einer Ehebrecherin. Der Schwank der zuGrunde liegt ist in den lustigen Weibern von Windsor benutzt. EinMann Gallichoräa (Hahnrei) stellt einen Studenten an, seiner FrauenTreue zu prüfen, er sucht sie dann zu überraschen, zieht aber jedesmal,getäuscht durch die List seiner Frau, mit einer Narrenkappe ab und hatnoch den Verdruß, daß der Student, der nicht weiß, daß sein Kupplerselbst der Mann seiner Liebsten ist, ihm dann seine Siege und des WeibesSchelmerei berichtet. So weit nun ist das Stück ganz heiterer Art,der barbarische Ausgang aber paßt schlecht hiezu: der Mann wirdwahnsinnig, der Frau schnürt der Teufel den Hals zu. Der Narr isthier ein wahrer Eulenspiegel und eine der besten Figuren dieser Art.Das Stück ist uns in seiner prosaischen, ursprünglichen Abfassung nichtbekannt, sondern in der verfifieirten Bearbeitung (Magdeburg 1605) vonJoh. Olorinus Variscus. Dies ist soviel wie Joh. Sommer t^onaerm(von Zwickau), oder wie er sich auch sonst nennt, Huldrich Therander;ein bekannter Vielschreiber, den wir schon als Verfasser eines Thier-gedichtes genannt haben und noch später nennen werden, der in jedenLiteraturzweig hineinstreifte, Sprichwörter- und Räthsel- und Anekdoten-sammlungen gemacht hat^), und so auch ins Schauspiel Pfuschte,indem er Wichgrev's Cornelius übersetzte und Cramers' Areteugenia undplagium „von etlichen gutherzigen Leuten bei sich übersetzen ließ", undnun, wie wir sehen, auch des Herzogs Prosa in Reime umsetzen mußte,
98) panoemiotogis xL'i'in. Magdebg. 1608. rOztlimica 1605.
emxlssti'lliii LoioetisDUM. 1605.