Fischart. Wcckherlin.
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Sittenbuch vom Ritter vom Turn ausziehen wollen, konnte es aber nichtauftreiben; so las er denn Beispiele anderswoher zusammen, der Jugendzum kurzweiligen Unterricht, aus der Bibel, aus Josephus, aus altenSchriftstellern. Man wundert sich, wie der Mann hier einen so ernstenSittenspiegel schreibt, der ganz kurz vorher jenen schmutzigen Rollwagenausgeschickt hatte. In allen diesen Sachen kann man eine engere Be-ziehung zu der Zeit, in der wir stehen, und die von den mächtigsten In-teressen bewegt war, kaum entdecken; alles ist mechanische Schreibereifür den Erwerb; von einem Grundsatz und von grundsätzlichen Zwecken
- ist dabei nicht die Rede. Einmal glaubt man in dem irre reitenden Pilger(1555), einem elenden Gedichte über eine unterbrochene Pilgerschaft nach
i St. Jago, einen aufgeklärten Protestanten zu finden, der dem Wall-j fahrerunfug einen Schlag versetzen wolle. Dann aber überarbeitet der^ Verfasser gleichzeitig Murner's Narrenbeschwörung (1550), und läßt sichj zu dem Werke eines Mannes herab, dessen Gleichen Fischart gern ver-i mauern wollte, mit dem er einen socbonistischen Sophisten vergleicht,
! den er mit dem Namen eines Wüsters und noch schlimmeren Ehrentitelni belegt. Und wie Fischart diese Arbeit seines Landesgenossen nicht ge-billigt hätte, so hat er sich auch in der Vorrede zum Gargantua nicht sehrerbaut über die Zoten in seinem Rollwagen und die ähnlichen Schwank-sammlungen von Wickram's Freunden geäußert. Und so hätte er auchdessen Freude an den ritterlichen Erzählungen nicht getheilt, sonst hätteer nicht mit so eingänglichem Behagen den Gargantua des Rabelaisübersetzt und dessen Verspottungen der ernsten Ritterromane wiederge-geben, noch die Amadisleser ausgelacht und die, die über dem VerlornenKinde Kaiser Octavians weinen. Nur wegen seines Loosbuches'^) hatFischart den Wickram belobt, das so lächerlich und greislich verierlichgeschrieben sei, daß es scheine, er habe es den ernsten Loosbüchern zurVerweisung und Spott gethan.
Schon diese Aeußerungen zeichnen Fischarten, Wickram gegenüber,
- als einen Mann, dem es in dem schriftstellerischen Berufe um Bethäti-! gung innerer Grundsätze, um Emporbildung des lesenden Volkes, uml die Beziehung der Schristthätigkeit aus die bestimmten Verhältnisse und
Bedürfnisse der Zeit zu thun war. Zwar dem Hange des Jahrhundertszur wissenschaftlichen Vielbeschäftigung hätte auch Fischart nicht weniges
102) Es führt den Titel: „Das weltlich Loßbuch" (Straßb. 1S57) und ist nichtsweiter als eine ziemlich derbe, grobianische Kurzweil. Später ist es unter verschiedenenanderen Titeln wieder gedruckt.