Band 
Dritter Band.
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130 Rücktritt der Dichtung aus dem Volke unter die Gelehrten.

seinen ersten Schriften gleich den ganzen Umfang, die ganze Vielseitig-keit seines Wesens entfaltete. Liegen doch in den sechs ersten Jahrenseiner literarischen Thätigkeit (1570—76) seine eigenthümlichsten, werth-vollsten und umfangreichsten Werke schon vollständig beisammen, dieallein betrachtet seine Wirksamkeit auf allen jenen drei Gebieten schonvollständig charakterisiren könnten.

Die großartigste Seite von Fischarts Wirksamkeit ist seine kirchlich-confessionelle Polemik. Hier steht er zwischen Hütten und den Nachzüg-lern wie Denaisius, in der Reihe der Alber und Frischlin und aller hef-tigsten Gegner der Papisten. Die große Stellung, die er in dieser Be-ziehung einnimmt, ist die, daß er innerhalb unserer dichterischen Literatur,Er so gut wie allein, den Calvinismus und seinen heftigen und gefahr-vollen Kampf mit Rom darstellt. In dem Streite über die Einführungder Concordienformel in Strasburg (1578—80) war Fischart unter denAnhängern des um Straßburgs Schulen so verdienten Johannes Sturm,auf der Seite gegen die Lutherischen. Auch werden wir unten sehen, daßer innerhalb des Calvinismus selbst auf dem Standpunkte der weit Vor-gerücktesten in seinen Begriffen religiöser Freiheit stand; in seiner Pole-mik gegen Rom theilte er die ganze Rücksichtslosigkeit, die in der Stel-lung und dem Wesen des Calvinismus lag. In jenen Zeiten der katho-lischen Rückschläge und der Ausbreitung des Jesuitenordens war es eineleidige Nothwendigkeit geworden, daß sich jeder scharfe Kopf unter denevangelischen Vorkämpfern mit scharfer Feder den thätlichen und schrift-lichen Anfeindungen des neuen Ordens widersetzte. Hier vertritt in derPoesie Fischart's burleske Bekämpfung der „Jesuwider, der Schüler desJgnaz Lugiovoll, der Sauiter, Jesseer, Götzsuiter," und wie er sie allebetitelt, so wie der älteren Orden der Franzisraner und Dominicaner,dieses in Deutschlands damaliger Geschichte wichtigste und unglück-lichste Moment der Verbreitung jener neueren Gesellschaft. Hier hatseine Burleske einen großen Gegenstand, der aristophanischen Witzeswerth war, einen Gegenstand, der diese leicht der Niedrigkeit und Klein-lichkeit verfallende Gattung nicht allein entschuldigt, sondern sogar alseine einzig entsprechende Form bedingt und verlangt. Wenn in großenRevolutionen der Bildung und Aufklärung, wie damals, wo durch dieReformation eine unselige Nacht von Finsterniß aufgehellt und die Mensch-heit auS den peinlichsten Verirrungen zu einem lichten heitern Wege ge-wiesen ward, wenn in solchen Zeiten ein Theil der Menschen träge, ausSelbstsucht, aus gemeiner Gesinnung zurückbleibt, für das Höchste dasihm wohlfeil geboten war das Schlechteste theuer kauft, so verdient diese