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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
daß er ein Liebeslied in der Person der Fürstin „Ludwiche" von Anhaltan ihren Bräutigam den Herzog von Liegnitz dichtet: niemand sonst indieser Zeit hätte gewagt, in solch einem Falle so alle Steifheit und Eti-kette abzulegen wie Er. So behandelt er seine Frauen allgemein mitder Zartheit der Minnesänger; er breitet über seine Liebeslieder jenenMangel an Licht und Schatten, jene schmachtende Sehnsucht, derenAusdruck selbst Schwieger nicht so stark traf wie er. Dies Gefühl derschmerzhaften Sehnsucht, diese träumerische Stimmung, in der er besingt,wie ihn die Geliebte mit ihrem Lautenspiel, mit ihrer Augen Blickenaus sich selbst zieht, und ihn fast zum Tode bringt mit den: „beengelten"Gesang ihrer Stimme, mag ihn seinen plumpe» Zeitgenossen entfremdethaben; denn keiner hätte so was sagen können vor Gryphius undLohen-stein. Keiner wußte das Lied so rein zu halten zugleich von Verstiegen-heit und Niedrigkeit, eine Eigenschaft die aus dem musikalischen Sinnestammt, in dem Zesen seine Lieder schrieb, in deren Komposition dieAlbert, Peter Meier, Joh. Lange, Joh. Schopp und Malachias Sieben-haar wetteiferten. Keiner wußte sich ferner so nach Bedürfniß bald instarkem Tone zu bewegen, bald jene tändelnde Entzückung mit sospielendem Wörtergezier und gedrängten Reimklängen in rhythmischenStrophen auszudrücken. Innerhalb dieser selben Lieder, deren Bilderund Umschreibungen sich manchmal inö Nebelhafte versteigen^), magZesen einem Rist manchmal etwas zu denken gegeben haben, weil ihnseine Schwärmerei in eine gewisse Tiefe zieht, wo er in geistreichen Ge-danken, Bildern und Lehrsätzen den Kopf zur Theilnahme zwingt. Wassich bei den übrigen Dichtern als elegische Stimmung äußert, ist bei ihmein mystischer Zug, der sich wie in seinen Sprachstudien und Träumen,so auch in seiner Dichtung ausdrückt. Er führte ihn auf die Bearbei-tung des hohen Liedes in Gesprächspielen, auf geistliche Gedichte jederArt, auf Erbauungsbücher, auf Wechselgesänge zwischen dem himm-lischen Bräutigam und seiner Braut; er leitete ihn auf die poetischeBehandlung der Nachahmung Christi von Thomas a Kempis, aus demer eine kleine Reihe von spruchartigen, gut und einfältig geschriebenenLiedern dichtete, die Siebenhaar (Magdeb. 1675) setzte. In dieser
172) Ein Beispiel nur:
„Entzieh auch deine Lilien nicht, noch die zweifache Rosenschichtdem sauer süßen Lippenpfade!
ist gleich mein Leib von dir entfernt, so küßt doch, weil der Himmel sternt,mein' Andacht deine liebe Seele.