Band 
Dritter Band.
Seite
281
JPEG-Download
 

Weltliche Lyrik nach Opitz.

281

Arbeit begegnete er dem Geschmack des Zeitalters ganz; dieses berühmteWerk hatte schon Grefflinger lyrisch bearbeiten wollen, und Christianvon Stöcken im 17. und noch ein Gottfried Blumel im 18. Jahrh, ver-suchten sich daran, wie sich Andere vielfach es in Prosa zu übersetzenbemühten. Diese sanften frommen Sachen ohne Blumen und Honigmochten Zesen den Frauen besonders nahe stellen, denen er auch denZutritt in seine Genossenschaft öffnete, denen er sogar ein eignes Gebet-buch widmete, das von einer Helene von Beide 1657 ins Holländischeübersetzt ward, so wie andere Frauen ihm Ehrengedichte weither zu-schickten, als er in seinen gekreuzigten Liebesflammen (1653) in einerganzen Reihe von Liedern Akrosticha auf Frauennamen gemacht hatte.Für eine Zierde in der deutschgesinnten Genossenschaft galt die Cath.Regina von Greifenberg, Freyin auf Seysenegg, die in der LilienzunftVorsitzerin und Zunftmeisterin war (die Tapfere). Sie las mehrereneuere und orientalische Sprachen, und ward von Stubenbcrg, der sichauch für die Schriftstellerei (die Uebersetzung der „wahren Gemüthsrnhe"aus dem Französischen) der Freifrau von Buwinghausen und Walmerodeinteressirte, in die Literatur eingeführt, wo sie mit ihrer deutschen UraniaNürnb. (1662) viel Aufsehen machte, einer Sammlung von geistlichenSonetten und Liedern, die wie ihre übrigen Erbauungslieder und em-blematischen Poesien eine tiefere beschauliche Natur verrathen und auchals Dichtungen, die offenbar Zesen zu ihrem Muster haben, nicht unterdas Verächtlichste in dieser Zeit gehören. So stand Zesen auch mitDorothea Eleonore von Rosent.hal^) gleichfalls einer Dichterin dieserZeit, in Verbindung und rühmt eine uns sonst ganz unbekannte Hilde-gunde v. Westohn, die in Friesland und Holland hochdeutsch opitzire.

Bahnen wir uns von dieser letzten Erscheinung des Hervortretensweiblicher Dichter aus einen Weg zu dem Pegnitzorden in Nürnberg,der einzigen Hauptstätte, die uns noch übrig bleibt, der einzigen süd-deutschen Stadt, die ihr altes Recht der Theilnahme an unsrer Poesienoch lange nicht aufgeben wollte. Dichter, die wie Zesen mehr Ahnungvon eigentlicher Poesie hatten, als Opitz, wenn sie auch lächerlicher wur-den in ihrer Manier, theilten hier mit Zesen den Sinn für das Reizendeund Poetische, das für sie in der Theilnahme des schönen Geschlechts anden neuerwachten schönen Künsten lag. Sie wie Zesen gestatteten daherden Zutritt des weiblichen Geschlechts und ihr Beispiel zwang auch die

173) Es gibt von ihr „poetische Gedanken. Brest. 1641, eine prosaische Erzäh-lung mit unterwebten Gedichten."