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Eintritt des Kunstcharaktcrs der neueren Zeit.
aller Volkspoeste in dieser gelehrten Zeit wich. Die Anekdote tritt anihre Stelle, an die Stelle der Thatsache mehr die Rede, an die Stelle derMoral der Witz (denn wie man von Fabel und Sprichwort keinen Witzverlangt, so verlangt man von Anekdote und Epigramm keine Moral)Auch die Quintessenz der Fabel, daS Sprichwort, die abgetrennte Lehre,schwindet in diesen der Politik sich zukehrenden Zeiten, und die Seele derAnekdote, der von der Thatsache abgetrennte Witz, nimmt diese Stelleein. Wie auf Fabel und Sprichwort sich vorher die sittlichen Lehrgedichteund Satiren aufbauten, so daß jene kleineren Gattungen diese größerenganz durchdrängen, so baute sich jetzt auf Anekdote und Epigramm diemehr politische und intelleetuelle Satire auf, und alle satirischen Werkevon Andrea, Moscherosch, Schupp, Riemer, Weise, durchdrängen nundiese beiden Gattungen. So gelehrt diese späteren Satiren gegen diefrüheren volksmäßigen sind, so gelehrt und unvolksthümlich ist das Epi-gramm gegen das Sprichwort: es setzt nicht Wurzel ins Volk, wirdnicht zum lebendigen Wort, und Logau selbst wußte es, daß seine Sachennicht tief unter das Volk gerathen, sich unter den Gelehrten und Kennernwürden halten müssen. In der Fabel war eine allgemeine Wahrheitdargelegt, die Jedermann gleichmäßig fand: im Apophthegma undEpigramm findet Ein Subject eine verborgene Bemerkung aus, dieminder nothwendig aus dem gegebenen Falle folgt. Der Verstand läßthier der Phantasie, der Dichter dem Leser keinen Spielraum: gerade dasist's aber, was das Volk von dem Gedichte, das es interessiren soll, ver-langt. Diesen Ucbergang also aus jenen volksbeliebten Zweigen zudiesen mehr gelehrten gaben wir oben aus Zinkgref an. Wie Sprichwortund Epigramm, Anekdote und Sinngedicht vielfach in einander ver-laufen, läßt sich sehr gut nachweisen. Rist erweitert eine Reihe Sprich-wörter zu Epigrammen; in dem Büchlein aäggia seleota von Adam vonLebenwaldt, das spät ins 17. Jahrh, fällt, sind 300 lateinische Sprich-wörter in epigrammatische Formen gebracht. Unter Scheser's Epigram-men finden sich kurze Schwänke, unter denen von Joh. Grob (dichterischeVersuchsgabe 1678) ist einiges anekdotisch. Gleich als sich in deminnern Leben der Nation nach der Vergeudung seiner Einbildungskraftdieser Wendepunkt als nothwendig herausgestellt hatte, trafen die neuenDichter unter ihren alten Mustern auch auf den Martial und die Antho-logie, unter ihren neueren auf den Briten Owen, und nun ward dieForm des Epigramms schnell ausgenommen. Weckheclin übersetzte einigeaus Martial und gab eigene hinzu, die z. Th. in Rondeaur, Madrigale,Sprüche und Schwänke überstreifen, und vor Allem in Zoten geschickt