Band 
Dritter Band.
Seite
312
JPEG-Download
 

312

Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

von dieser unserer Sprache machten, Er aber wolle sie nicht höher rüh-men, als sie werth sei. Ziegler hat die Italiener zu seinen Lieblingengemacht und man sieht es seinen geistlichen Elegien (1648) mehr als sei-nem Madrigale an, daß er sie gut studirt hat. Gleichwohl ist dies Büch-lein Chorführer aller nachherigen Madrigale geworden. Ernst Stockmannin seiner Madrigalischen Schriftlust (1660), Joh. Gottfr. Olearius inden Madrigalen unter seinen poetischen Erstlingen (1664), Martin vonKempe in seinen poetischen Lustgedanken (1665), Johann Jarobi inseinen Madrigalen (1678) schließen sich ausdrücklich, Andere wie Bre-dels in seinen neuen Madrigalen (1685) ohne ihn zu nennen an ihnan. Werth hat so wenig wie die ganze Gattung an sich auch keiner ihrerBearbeiter. Sehr häufig ward das Madrigal (von Stockmann, DanielKlesch, Festster u. A.) auch auf geistliche Gegenstände angewandt undauch das Epigramm drängte sich bei Owen und jedem deutschen Epi-grammatisten in die Kirchenpoesie ein und verbreitete sich über die Ge-heimnisse der Religion, oder richtete die Sprüche der Evangelien fürSGedächtniß zu. Logau's geistliche Epigramme bilden allein einen ganzenBand und man hat sie (1702) besonders abgedruckt. Eine Menge Namen,wie Fritsch, Heden, Hailbrunner, Elias Major , Mich. Mini u. A.wären zu nennen, die sich vorzugsweise mit dcrgl. beschäftigt haben.Als Muster dieser christlichen Sinngedichte steht aber der cherubinischeWandersmann von Angelus Silesius da, auf den wir anderswo zurück-kommen.

Wesentlicher verwandt erscheint das Epigramm mit dem Räthsel.In Lessing's Auffassung würde man sagen, die Räthsel seien Inschriften,die das Denkmal, dem sie gesetzt seien, zu rathen aufgäben. Ueberallberühren sich die Grenzen vom Sinngedicht und Räthsel. Es treffen sichEpigramme in Logau und sonst, die ohne die Titel Räthsel sein wür-den^); andere, die mit den leichtesten Weglassungen zu Räthseln zumachen sind "2), andere, die ohne weiteres, als Räthsel bezeichnet ent-weder oder nicht, unter den Epigrammen stehen"^). W ist daher ganznatürlich, daß die Zeit so gut wie Epigrammensammlungen auch Samm-lungen von Räthseln auszuweisen hat, diesem volksthümlichen Zweige

>91) Z. B. ißmbiis ill ineiliis viveas von sentio llaimnas.19S) In folgendem ist die erste Zeile weggelassen:

Wer'S nicht hat, hat nicht Muth,wer's hat hat Sorglichkeit,wer's hat gehabt, hat Leid.

>93) Dies geschieht bei Owen, Logau und fast überall.