Band 
Dritter Band.
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Epigramme und Satiren.

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Götter, ihre eigenen Rühmer, aller anderen Spötter! Die hinter mei-nem Rücken den Adlerschnabel drehen, unter denen bin ich wie eine Euleunter Krähen. Neulich kamen zwei solche parnassische Vates zu mir undtadelten mir die ungleiche Silbenzahl und Reime. Ich antwortete ihnen,ich hätte noch nicht die Gesetze von dem Maß der Verse gelesen, nochsei kein Derret darüber ausgegangen, so sei auch kein Mandat publicirtüber die Zahl der Füße. Ich wisse nicht den Herrn, durch dessen Auto-rität wir an die Zahl der Silben gebunden seien wie die Hunde an dieKette, obwohl mir ein Freund allerdings gesagt hätte, daß er in derBuchbinderei des 12. Tomi 28sten Theil von einem Epitome der deut-schen Prosodie gesehen hätte. Ob ein Vers länger oder kürzer wäre,daran liege wenig; sie sollen mir meine Reime auf ungleichen Beinennur stehen lassen, man soll sie ja auch nicht singen noch nach ihrer Cadenzim Ballet tanzen. — Einer der Hochdeutschen greift ihm auch noch seinNiederdeutsch an; er dagegen preist diese Sprache seiner unmodischenAct gemäß ihrer Beständigkeit wegen, da sich das Hochdeutsch alle50 Jahre ändere. Auch sei in weltlicher Weisheit kein Buch geschrie-ben, so ruhmwürdig wie der schlichte Reinecke Fuchs, in dem Verstän-digkeit wie Feuer unter der Asche verborgen liege. — Aus diesen Zügenwird der Leser leicht entdecken, daß Lauremberg ganz in die Klasse derMoscherosch und Andreä gehört, die noch der alten Ordnung vielfachanhingen. Es ist nur Schade, daß die gesunde Kritik sich nirgends poe-tisch zeigt. Sobald Lauremberg ein anderes Gedicht in anderer Sprachemacht, so ist er allen Fehlern der nordischen Dichtung verfallen, die er sogering zu achten scheint. Wohlthuend aber ist'ö unter jeder Bedingung,einer Stimme guter Natur unter so vieler Unnatur wieder zu begegnen.

Dem Rostocker Lauremberg steht gewöhnlich Joachim Rachel ausLunden (1618 — 69, zuletzt Reetor an der Domschule in Schleswig)gegenüber als Satiriker, der zuerst auf die klassischen Muster zurückging.Seine Satiren kamen zuerst 1664 (Franks, a. d. O.), später vermehrt1667 und 68 heraus""). Vorher müßte man daher nicht vergessen, diefrüher (1657) erschienenen drei Scherzgedichte von Andreas Gry-phius zu erwähnen. Sie sind noch antiker und juvenalischer von Formals die von Rachel, voll und gedrungen, daher es schwer ist dem Jdeen-gange zu folgen. Das erste stellt trefflich die prahlerischen, titelsüchti-gen, lügenhaften, verderbten Sitten der Gegenwart gegen die Einfaltälterer Zeiten, treffender in einzelnen Stellen und auffallender, als

196) Neu herausg. v. I. Schröder. Alton« 18S8.