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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
Rachel's und Lauremberg'S Stücke, weil mehrere derbe Züge gehäuftsind; Gryphius ist spitzer und geißelnder als Rachel, aber nicht so an-schaulich und gutmüthig humoristisch wie Lauremberg. Das zweite han-delt von undankbaren und falschen Freunden und ist kurz und gering.Das dritte ist eine Epistel des Capitän Rodomont Schwermer an dieSchönste und Edelste der Welt. Diesen Charakter, den oapitan spn-vento der Italiener, den eisenfresserischen Don Quirote behandelt dieZeit, wie wir schon oben sahen, oft und treffend; Gryphius verspottetihn hier in einem gehobneren Stile, als dramatisch in dem Horribili-scribrifar, von dem wir später hören. Was Rachel's Satiren betrifft, sowird sie nur der den Lauremberg'schen vorziehen, der Regelmäßigkeit undFeinheit vor Natur, Wahrheit und Unflätigkeit schätzt. Der Dichterführt sich selbst als einen Opitzianer ein, er ist der genaue Freund Tscher-ning's, er schreibt hochdeutsch in Alexandrinern, sucht einen Ruhm inWortschöpfungen, geht auf die alten Muster zurück, was Alles demniederdeutschen Satiriker nicht einfiel. Die 4. von Rachel's Satirenvon der Kinderzucht ist nach Juvenal's 14., die 5. vom Gebete aus der4. des Persius übersetzt obwohl mit aller Freiheit, weil ja der Satirikernicht erst Roms Laster zu entlehnen brauchte. In diesen Umschreibungenund erborgten Stoffen aber finden wir nicht Lauremberg'S beweglicheLebendigkeit wieder. Man vergleiche aus der 6. Satire (Gut und Böse),die zwar kaum aus Juvenal's 10. entlehnt heißen kann, das was überfranzösische Modesucht gesagt wird, mit Lauremberg: bei diesem ist allesbildlich und anschaulich, was hier blos verständig berichtet ist; dort istein Gemälde der Thorheiten, hier ein Urtheil über die Gemälde derWirklichkeit; was dort mit behaglicher und stechender Laune gerückt undgestellt wird, bis die Wirkung des Lächerlichen erreicht ist, wird hiermehr mit geradem eilendem Eifer gescholten; und eö ist überhaupt nichtLauremberg'S gesunde und mildere Ansicht der menschlichen Dinge beidem eifernden Rachel zu finden, der über den Mißbrauch der Gelehr-samkeit zürnend das Kind mit dem Bade ausschüttet, wenn er nichtallein über den Skepticismus des Lucian, sondern auch über die Beredt-samkeit des DemostheneS und TulliuS Weh ruft. Bei Lauremberg stehtman ganz in der Zeit und Gegenwart, wo die Stelle der Satire ist,Rachel, der zwar keine Thorheit, aber doch die Menschen zu schonen alsGrundsatz ausspricht, wird allgemeiner, und seine Satiren nehmen sichdaher lehrhafter aus; sie verhalten sich oft zu Lauremberg'S wie derSpruch zum Epigramm, wie das zahme Sinngedicht zu dem geharnisch-ten. Bei all dem lesen wir seine Satiren lieber, als die ernsten Reimereien