Epigramme und Satiren.
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der Kunstdichter, auch als seine eigenen; wer Rachel's gereimtesKatechismusgespräch („christlicher Glaubensunterricht", meist nach Gro-tiuS) liest, würde den Verfasser der Satiren nicht dahinter suchen. Indiesen fließt ihm die Sprache, weil ihn sein Stoff nöthigt vom Helikonherab in Leben und Natur zu wandeln. Das verständige Element lassenwir in der Satire gelten, an die selten die Forderung des dichterischenGewandes gemacht wird, die vor allen Dingen wahr sein muß. DerStoff zwingt den Dichter zum Gebrauche des Volkswitzes und die Un-gleichheiten sogar, die durch den Verband der volksthümlichen Maniermit dem Kothurn der alten Satiriker entstehen, fallen wenigstens aneinigen Stellen minder auf, weil es die Gelegenheit wohl fügt, daß manin dergleichen Gegensätzen und Abfällen Absicht und komische Wirkungfinden könnte. In der 8. Satire vom Poeten läßt sich am besten zeigen,wie anders und wie ganz im Sinne von Opitz er seine Aufgabe angreiftals Lauremberg, den er an einer Stelle fast anzugreifen scheint. Wiekommt es, fragt er, daß die Himmelsgabe der Poesie gewöhnlich so ge-schmäht wird, und daß der Dichter Ruhm stinkt wie ein Schneiderbra-ten? Neid und Unverstand ist dieses Hohnes Ursache. Es ist wahr, daßPhöbus Volk lustig ist von Herzen und zum Scherzen — aber zum höf-lichen Scherzen geschickt, besonders wenn sie von Lyäus Tränke etwasgetränkt sind. So soll der Ruhm aller Franken, Taubmann, gewesensein, so Bnchanan und Horaz, zum Lachen geboren, im Scherze geübt.Wenn nun ein grobes Holz, ein Eulenspiegel kahle Zoten hervorbringt,ein ganzes Ei verschluckt, ins Gelag rülzet, da lacht die Unvernunft undspricht wohl: ei das ist ein lustiger Poet! O allzutheurer Name fürsolche grobe Hachen! Wer ein Poet will sein, der muß mehr als Reimemachen können, muß aus den Alten wissen, was für gelahrt, beredt undsinnreich stehen kann, muß der guten Wissenschaft mit Sorgfalt nach-getrachtet, mehr Oel als Wein verzehrt haben, und endlich aus sichselbst etwas vorzubringen wagen, das kein Mensch zuvor gesagt nochgedacht, muß gemeines Zeug vermeiden, die Erfindungen mit schönenWorten kleiden, keinen lahmen Vers gehen lassen, lieber 20 würgen dienicht gut sind. Suche einen solchen, du wirst unter der großen Schaarnicht so viel finden, als der Nil Mündungen und Theben (das griechi-sche) Thore hat. Zwar der gemeinen Reimereien ist so viel als Fliegenin der Welt, bei jeder Kindesgeburt werden Verse geboren, die so richtigauf ihren Füßen stehen wie das Kind, von Poeten, die so viel Witz undVerstand haben wie das Kind. Dies Lumpenvölklein will Poeten heißen,da sie doch nie ein Buch als deutsch gelesen haben, und nur in die