Band 
Dritter Band.
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Epigramme und Satiren.

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aus, weil sie uns Mittel an die Hand gibt, blos berichtend einen sati-rischen Blick auf die ganze lyrische Dichterei zurückzuwerfen und dadurchmit einem passenden Eindruck von ihr zu scheiden. Man könnte kaumvollständiger die ärgsten Schattenseiten dieser Dichtung überblicken undgesunder beurtheilen, als es diese Schrift thut, die auf großer Qellen-kenntniß ruht, und die man mit keinem Lobe so ehren kann wie mit einemAuSzuge.

Der Satiriker faßt sein Werkchen in die Form eines guten Rathsund einer Vorschrift für Hans Wurst, den Vertreter aller poetischen Pfu-scher: wie er zur Poetenkrone kommen könne. Im Anfange hat er blosden Volks- und Bänkelsänger im Auge, weiterhin verschont seinScherz auch die neuen Kunstpoeten nicht. Mühe und Gelehrsamkeit,wird der Schüler gelehrt, habe er nicht nöthig für seinen Zweck; dieHistoriker durchzustänkern sei unnütz; wolle er doch, so solle er sich anMarkolph, Eulenspiegel, Claus Narr oder auch (wegen cäsianischer Artzu reden) an die affentheuerliche Geschichtklitterung von Fischart halten(an den sich übrigens unser Satiriker selbst hier und da gehalten hat!).Wer in solchen bonis autombrm belesen ist, heißt es mit jenen WortenBachmann's weiter, und sich nicht resolviren will in 14 Tagen ein Poetzu werden, der ist nicht werth daß er Brod esse. Aus solchen Autorensoll der angehende Dichter nach Anleitung der anrokoäiime Ooexelü dieloeos evmmunss ausziehen. In die magistralischen äellnitiones der Phi-losophie soll er sich auch nicht verwickeln; auch in den alten Poeten sichumzusehen, sei nur ein Wahn; bequemer seien noch die altdeutschenBücher, um sich mit fremden Federn zu schmücken. Die meisten Reim-macher sind Kunstdiebe, und doch nicht künstliche Diebe, sonst würdeihr Diebstahl nicht so offenbar sein. Sie denken, besser dem Virgil 100gute Verse abnehmen, als schlechtere zu machen. Dann wird der Schü-ler einige handgreifliche inventiones zu Gratulationsgedichten gelehrt.Will er sich daran nicht binden, so soll er nur ansangen, die Feder kauen,zum Himmel sehen, die Balken der Decke zählen und erwarten was ihmeinfalle. Hülfe Alles nichts, so solle er zum Weine greifen, dieweil diegoete» von potus herkommen, oder zum Tabak, der Wind der Pfeifewerde ihn in den Sattel des Pegasus heben; wie die Priesterin inDelphi vorn Rauch entzückt ward, so werde Alles Vers sein, was erschreibe, ja warum nicht was er kotze und rotze? Jede Gelegenheit soll erzum Poetistren ergreifen: bald mache Ringelreime aus Lisettens Stroh-hut; bald ein Epigramm oder Stichelvers, weil Du Trautchen nacktgesehen; bald Bilderreime über MopsenS Mistgabel; bald eineG-r«. d. Dicht. III. Bd. 21